Es gibt ein neues Modewort in Deutschland, die sogenannte „Ein-Eltern-Familie“. Kein Wunder, dass für diese Familienkonstellation ein eigener Begriff entstanden ist. In Deutschland gibt es rund 2,2 Millionen alleinerziehende Single-Frauen. 20% aller Familien kommen mit nur einem Elternteil aus, zu 87% sind dies die Frauen. Und die Tendenz ist seit 1996 ständig steigend. Die Schwierigkeiten alleinerziehender Elternteile liegen auf der Hand: Die gesamte emotionale, organisatorische und existentielle Last liegt auf einer Person. Energie auftanken ist schwierig und die Unterstützung und Akzeptanz durch Staat, Arbeitgeber, Freunde und Bekannte gering.

Alleinerziehend und Alleingelassen

Nach einer Trennung ist der kinderbetreuende Elternteil vielen neuen Belastungen ausgesetzt. Neben der eigenen emotionalen Instabilität muss der Schmerz der Kinder aufgefangen werden und das ganze Leben braucht eine Neuorganisation und Umstrukturierung.

Ist der erste Schock der Trennung abgeflaut und kehrt etwas Ruhe in den Alltag ein, zeigt sich das Hauptproblem, das auf die meisten Alleinerziehenden zukommt: Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes allein gelassen. Glück hat, wer agile Großeltern, große Kinder oder andere Verwandte hat, die gerne und oft einspringen.

Denn das Leben mit Kindern ist unberechenbar – ein Fakt, für den vor allem Arbeitgeber in der Regel wenig Verständnis haben. Hinzu kommt, dass der Staat in Hinblick auf die Betreuungskapazitäten Alleinerziehender anscheinend von der Großfamilie ausgeht. Kinder werden plötzlich krank und müssen nach Hause geholt werden, Kindergärten schließen wochenlang und oft auch ersatzlos im Sommer, Schulkinder werden unplanmäßig nach Hause geschickt, wenn ein Lehrer ausfällt und in den insgesamt 12 Wochen Schulferien pro Schuljahr gibt es keine durchgängigen staatlichen Betreuungsalternativen. Die Last liegt auf den Erziehungsberechtigten, die die Betreuung der Kinder organisieren müssen.

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Wege aus der Isolation – Hilfe finden

Hilfreich kann in diesem Falle eine Vernetzung sein. Menschen zu finden, die sich in einer ähnlichen Situation befinden und sich gegenseitig unterstützen, ist nicht nur organisatorisch, sondern auch psychisch eine große Hilfe, denn nichts ist demotivierender und zermürbender als das Gefühl, allein mit sich und seinen Problemen zu sein. Auch die Suche nach einer fitten und liebevollen Ersatzoma, die nicht in erster Linie aus finanziellen, sondern aus persönlichen Gründen Kinder betreuen möchte, kann eine gute Alternative sein, um die Versorgung des Kindes abzusichern.

Neue Wege gehen ist das Gebot der Stunde. „Ich schaff das alles alleine“ ist in diesem Falle nicht angebracht und hilfreich, sondern führt nur zu Erschöpfung, Resignation und letztendlich zu einem angespannten Lebensumfeld für alle Familienmitglieder. Auch wenn Deutschland in Sachen Alleinerziehende gemeinhin als „Entwicklungsland“ gilt, gibt es doch verschiedene finanzielle und betreuende Unterstützungsmöglichkeiten.

So können Zuschüsse beantragt und in bestimmten Fällen Kinderbetreuung in Anspruch genommen werden. Auskunft geben das Jugendamt und soziale Dienste wie Caritas oder ProFamilia .

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Krisen machen stark

Krisen beinhalten jedoch auch immer Optionen zum persönlichen Wachstum. So können allein erziehende Eltern oft viel Kraft aus der innigen Bindung zu ihren Kindern schöpfen und aus der Tatsache, dass sie es trotzdem schaffen, trotz der fehlenden Unterstützung durch den anderen Elternteil, die Familie, den Arbeitgeber und die Regierung, trotz der emotionalen Erschöpfung und trotz der schwierigen Phasen, die alle Kinder im Laufe ihrer Entwicklung durchmachen und die bei Trennungskindern noch erheblich verstärkt sein können.

Wichtig ist immer, nach einem entsprechenden Ausgleich zu suchen. Wer immer nur Energie gibt, wird irgendwann zusammenbrechen. Jeder Mensch braucht eine Ladestation, an der die Akkus neu aufgeladen werden können. Was Kraft gibt, muss jeder selbst herausfinden. Für den einen ist es ein entspanntes Essen mit Freunden, andere regeln ihren Energiehaushalt durch Yoga oder Meditationstechniken oder durch die Ausübung eines entspannenden Hobbys.