Geteilte Freude ist bekanntlich die schönste Freude. Kein Wunder also, dass viele Eltern am liebsten in die ganze Welt hinausschreien würden, wie glücklich sie mit und über ihren Nachwuchs sind. Da Schreien im Allgemeinen jedoch nicht so gut ankommt und nach 22 h ohnehin untersagt ist, werden verständlicherweise neue Wege gesucht, um sich mitzuteilen. Diese im Zeitalter der globalen Vernetzung zu finden, erweist sich nicht wirklich als schwierig. Schließlich gibt es soziale Netzwerke wie Facebook & Co.

Dass sich Eltern – insbesondere Mütter – mit Gleichgesinnten im Internet austauschen, ist nichts Neues. Hier werden Ratschläge eingeholt, praktische Tipps erteilt, wissenswerte Informationen weitergegeben und manchmal sogar Freundschaften fürs Leben geschlossen. Auch online geführte Schwangerschaftstagebücher oder Baby-Fotoalben sind mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme. Doch wie sicher sind die Baby- und Kinderfotos im Netz?

Unbedenklicher Elterstolz oder bedenklicher Eingriff in das kindliche Recht auf Privatsphäre?

Ein wenig Statistik

Ein amerikanisches Sicherheitsunternehmen hat herausgefunden, dass allein in Deutschland sieben von zehn Säuglingen bereits im Internet “aktiv sind“. Teilweise sogar mit eigenen E-Mail-Adressen und eigenen Profilen. In der Annahme, dass es sich bei diesen Säuglingen nicht um computerversierte Wunderkinder handelt, die vor der Tastatur sitzen und ihre Entwicklungsschritte posten, obwohl sie noch nicht einmal krabbeln können,  liegt auf der Hand, dass die Eltern ihre Sprösslinge im Internet inszenieren – vorzugsweise mit einer Vielzahl von Bildern.

Was eigentlich nichts anderes als ein Zeichen von unendlichem Stolz und noch mehr Liebe ist, ist jedoch mit Vorsicht zu genießen. Denn nicht immer ist den Eltern klar, was mit den Fotos im Netz passiert. Wer betrachtet sie? Wer benutzt sie? In welcher Form werden sie eventuell downgeloaded, bearbeitet und neu online gestellt?

Wer nicht möchte, dass das Bild seines Kinder weiterverwendet und beispielsweise in der Werbung genutzt oder als Hoax-Meldung verunstaltet wird, sollte sich sehr genau überlegen, was er von seinem kleinen Schützling preisgibt und vor allem, wo er dies macht. Denn in letzter Konsequenz verletzt das ungesichert ins Netz gestellte Bild das Recht des Kindes auf Privatsphäre.

Das Recht am eigenen Bild

Generell gibt es das sogenannte “Recht am eigenen Bild“ oder genauer gesagt, “das Recht am eigenen Porträt!“ In dem Moment, in dem ein Baby oder ein Kind abfotografiert wird, ist das Kleine streng genommen selbst der Rechte-Inhaber seines Fotos. Posten Eltern diese Bilder nun in sozialen Netzwerken, verletzen sie damit das Recht ihres Kindes auf Privatsphäre und Selbstbestimmung, obwohl sie nach dem Kunsturheberrecht dazu befugt sind, bis zum 14. Lebensjahr ihres Kindes, über dessen Fotos zu entscheiden.

Doch wer möchte schon, dass alle Welt sehen kann, wie man das erste Mal aufs Töpfchen gegangen ist, nackt im aufblasbaren Pool geplanscht oder verträumt in der Nase gebohrt hat, nur, weil die eigenen Eltern die Bilder damals so süß fanden?

Denn sowohl die Fotos als auch darunter gesetzte Kommentare können dafür sorgen,  dass das Kind später Hohn und Spott ertragen muss – einfach, weil solche Dinge in sozialen Netzwerken auch nachträglich bzw. Jahre später noch recherchiert werden können.

Dementsprechend sollten gerade in sozialen Netzwerken die Sicherheitseinstellungen niemals vernachlässigt werden. Denn nur sie verhindern, dass Unbefugte auf die Fotos oder die entsprechenden Informationen zugreifen können. Bei Verwandten und Freunden bleibt es natürlich eine Vertrauenssache, ob sie die Bilder nur ansehen oder ob sie diese eventuell auch weiterverwenden. Je enger der Kreis der Befugten, desto sicherer sind die Bilder und desto sicherer ist auch das Kind. Denn gerade Fotos, die beispielsweise mit dem Smartphone aufgenommen wurden, zeigen nicht nur wie Kameras die Uhrzeit, sondern auch den Ort, an dem das Bild gemacht wurde, an.

Das Recht auf Privatsphäre und Selbstbestimmung

Babys und Kinder würden mit sicherer Wahrscheinlichkeit nicht immer ihr Einverständnis zu einer Veröffentlichung geben, wenn sie Ihre Bilder mit dem Wissen eines Teenagers oder eines Erwachsenen betrachten würden. Denn viele von ihnen verletzen schlicht und ergreifend ihre Würde. Das fängt beim nackten Po auf dem Wickeltisch an und hört bei  peinlichen Missgeschicken wieder auf.

Darüber sollten Eltern sich immer im Klaren sein und sich entsprechend im Vorfeld überlegen, ob die Würde ihres Kindes gewahrt wird, oder ob das Bild – gerät es in die falschen Hände – verunstaltet werden oder später Anlass zu Spott geben könnte.

Denn auch wenn sich die sozialen Netzwerke wie Facebook und Co. als äußerst effizient erweisen, um Inhalte schnell zu veröffentlichen und zu teilen, gibt es für Baby- und Kinderfotos weitaus sicherere Möglichkeiten, was ihren digitalen Versand betrifft.

Hierzu zählen E-Mails inklusive der Bilder im Anhang, die sich entsprechend klein rechnen lassen, oder auch Server, die Onlinespeicher zur Verfügung stellen. Hier können passwortgeschützte Galerien angelegt werden, für die Freunden und Bekannte dann entsprechende Passwörter zugeteilt werden.