Chlamydien. Weltweit zählt diese bakterielle Entzündung zu den Spitzenreitern der sexuell übertragbaren (vaginal, oral und anal) Krankheiten. Zum Stamm der Chlamydien gehören drei Erreger: Chlamydia trachomatis (chronische Bindehautentzündung und nicht-gonorrhoische Urethritis), Chlamydia pneumoniae (Atemwegsinfekte) und Chlamydia psittaci (Papageienkrankheit). Und eines haben alle gemeinsam: Man kommt ihnen nach der Ansteckung nicht gleich auf die Schliche, denn sie verbreiten sich diskret. Dabei ist der entsprechende Schutz (Kondome) die beste Vorsorge.

Die folgenden Informationen nehmen nur auf Chlamydia trachomatis Bezug.

Chlamydien: Anführer von urogenitalen Infektionen

Der Übeltäter agiert meist unbemerkt und unerkannt. So verspüren etwa 80% der infizierten Frauen keinerlei Anzeichen; sie tragen den Erreger oft monatelang als „Wirt“ in sich und infizieren unwissend ihren Partner. Damit ist der Ping-Pong-Effekt einer erneuten Ansteckung vorprogrammiert.

Nach einer Inkubationszeit von bis zu drei Wochen zeigen sich folgende Symptome:

  • eitriger, gelblicher Ausfluss
  • Juckreiz und Brennen an der Scheide
  • Zwischenblutungen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und beim Urinieren (Dysurie)

Diese äußeren Anzeichen sind deutliche Hinweise auf eine Zervizitis, eine aufsteigende Entzündung des Gebärmutterhalses. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, besteht das Risiko einer Eileiterinfektion und von spinnennetzähnlichen Verwachsungen an Gebärmutter und Eierstöcken. Oft gelten sie als Grund für die Unfruchtbarkeit bei Frauen
Sind Männer von einer Chlamydien-Infektion betroffen, klagen sie über beschwerliches Wasserlassen und weißen Ausfluss an der Harnröhre. Hin und wieder führt die Krankheit zu Nebenhoden- und Prostataentzündungen. In Ausnahmefällen treten Komplikationen wie Bindehaut- und Gelenkentzündungen (Reiter-Syndrom) auf.

Chlamydien: Auslöser für Frühgeburten?

Eines steht fest: Schwangere können während der Entbindung die Bakterien auf ihr Baby übertragen. Etwa „60 bis 70% der Kinder infizierter Mütter stecken sich bei der Geburt mit Chlamydia trachomatis an. 20 bis 40% davon entwickeln eine Bindehautentzündung, die sogenannte Einschlusskonjunktivitis. 20% erkranken an einer bestimmten Art von Lungenentzündung, der atypischen Pneumonie.“ (1)
Ob Chlamydien der Auslöser für Früh- oder Fehlgeburten sind, ist momentan nicht eindeutig bewiesen und umstritten. Allerdings stehen sie unter dem Verdacht, vorzeitige Wehen oder einen Blasensprung zu provozieren.
Trotz dieser Aussichten besteht kein Grund zur Sorge. Seit 1995 werden alle Schwangeren einem Chlamydien-Vorsorgetest unterzogen. Liegt also eine Infektion vor, wird die werdende Mutter gezielt mit Antibiotika kuriert. Zehn Tage dauert die Behandlung. Meist mit dem Wirkstoff Erythromycin –er ist für das Ungeborene gut verträglich. Gleichzeitig sollte der Partner dementsprechend medikamentös therapiert werden, um erneute Ansteckung auszuschließen (Ping-Pong-Effekt).

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Abstrich oder Blutuntersuchung?

Die Schwangerenvorsorge sieht den Chlamydien-PCR-Test vor; er ist Bestandteil des Leitungskataloges der gesetzlichen Krankenkassen. Dazu benötigt das Labor eine gewisse Menge Urin. Bei dringendem Verdacht auf einen Bakterienbefall stehen dem Frauenarzt verschiedene Verfahren zur Verfügung: Vaginalabstrich (von der Schleimhaut des Gebärmutterhalses), Harnröhrenabstrich, Untersuchung des Blutes oder des Anfangsstrahlurins. Selbsttests stehen noch in der Kritik, obwohl Studien aus Großbritannien das Gegenteil belegen. Die Behandlung einer akuten Chlamydien-Infektion gehört in erfahrene Hände, alles andere schadet der Patientin und dem Gesundheitssystem.