Das erste Baby eines Paares ist immer eine aufregende, spannende und auch anstrengende Angelegenheit. Schon in der Schwangerschaft plagen die werdenden Eltern meist viele Ängste und Befürchtungen und nach der Geburt gibt es eine Vielzahl von neuen Situationen für die frischgebackenen Eltern zu bewältigen. Sind die Erstgeborenen dann nach ca. ein bis zwei Jahren „aus dem Gröbsten“ raus, denken viele Paar über das zweite Kind nach.

Die Gründe können vielfältig sein: Der Wunsch, dem ersten Kind ein Geschwisterkind als Spielpartner zu geben, das Bedürfnis, die gemachten Erfahrungen nochmals anzuwenden oder einfach die biologische Uhr der Frau, die nach einer neuen Schwangerschaft und einem zweiten Kind verlangt.

Das freudige Ereignis bringt jedoch auch eine Reihe von neuen Anforderungen an alle Familienmitglieder mit sich.

Vorbereitung auf das zweite Kind

Gerade wenn das Erstgeborene noch klein ist, wird die zweite Schwangerschaft für die Frau schnell anstrengend und kräftezehrend. Ist der Nachwuchs unter drei, muss es in vielen Dingen noch unterstützt werden.

Kleinere Kinder haben das Bedürfnis getragen zu werden, man muss ihnen beim Anziehen helfen und sie verlangen nach Aufmerksamkeit und Unterhaltung. Das Ruhebedürfnis, das viele Frauen in der Schwangerschaft haben, kommt meist zu kurz und die körperliche Belastung ist vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel groß.

Ist das erste Kind bereits größer, wird es für die werdende Mutter einfacher, doch sollte man darauf achten, das Kind nicht zu sehr für Hilfeleistungen heranzuziehen, um nicht schon im Vorfeld eine belastende Atmosphäre zu schaffen.

Schon während der Schwangerschaft kann vielen späteren Probleme vorgebeugt werden. Wird das vorhandene kleinere Kind noch viel getragen, kann dies jetzt langsam und liebevoll abgebaut werden. Das Kind kann im Rahmen seiner Fähigkeiten lernen, bestimmte Dinge selbst zu tun.

Schläft der Nachwuchs noch im Bett oder Zimmer der Eltern, kann auch diese Situation bis zur Geburt verändert werden. Auch für das Abstillen ist jetzt ein guter Zeitpunkt, obwohl das Stillen beider Kinder theoretisch möglich ist. Eine Gewähr, dass die Veränderungen nach der Geburt des zweiten Babys noch weiterfunktionieren gibt es allerdings nicht.

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Es ist wichtig, Kinder auf einschneidende, bevorstehende Veränderungen vorzubereiten. Zur Einstimmung auf das Geschwisterchen gibt es viele schöne Kinderbücher  , in denen die neue Situation anschaulich und altersgerecht aufbereitet, vermittelt wird.

Das zweite Kind ist da

Nach der Geburt des zweiten Kindes herrscht neben der Freude über das schöne Ereignis erst auch einmal große Unordnung in der Familienorganisation. Möglicherweise ist der Vater zu Hause oder die Großeltern stehen der Mutter zur Seite.

Hier ist es nun wichtig, dass sich nicht alles nur um den Neuankömmling dreht. Auch das Erstgeborene braucht Aufmerksamkeit und muss liebevoll versorgt werden. Besucher sollten immer auch an ein Geschenk für das ältere Kind denken, damit dieses sich nicht ungesehen und vernachlässigt fühlt.

In der Anfangszeit ist auch der Vater mehr gefordert. Er hat nun verstärkt die Aufgabe, Ansprechpartner und Bezugsperson für das erstgeborene Kind zu sein. Gemeinsame Unternehmungen und emotionaler Rückhalt stärken in dieser Zeit oft die Bindung zwischen Vater und Kind.

Die Ordnung und die Abläufe in der Familie müssen ebenfalls neu strukturiert werden. Dies dauert seine Zeit und die Mütter sollten in dieser Zeit ihr Augenmerk auf ihr eigenes Wohlbefinden und auf das der Kinder legen. Die Ruhe durch die Erfahrung mit dem ersten Kind und die Konzentration auf das Wesentliche können diese Zeit sehr entspannt sein lassen und allen Familienmitgliedern in guter Erinnerung bleiben.

Verhalten der erstgeborenen Kinder

Bei kleineren erstgeborenen Kindern kommt es nach der Geburt des Geschwisterkindes oft zu scheinbaren Entwicklungsrückschritten. Sie brauchen wieder eine Windel, wollen getragen und gefüttert werden und fordern somit die gleichen Vorrechte ein, die auch das Neugeborene hat.

Hier sind Einfühlsamkeit und ein gutes Gespür für die Gefühle des Kindes gefragt. Den Wünschen komplett nachzugeben wäre ebenso falsch, wie sie rigoros abzulehnen. Wichtig ist zu erkennen, was hinter diesen Forderungen steckt, nämlich der Wunsch, sich geliebt zu fühlen. Wenn die Eltern Mittel und Wege finden, dies dem Kind auf altersgerechte Art zu vermitteln, ist das der Optimalfall.

Manchmal ist es aber wichtig und dann oft auch ausreichend, den Kindern die Wünsche zu gewähren und sie für eine Zeitlang wieder klein sein zu lassen. Oft spüren sie dann bereits, dass sie ebenso wertgeschätzt werden, wie das Neugeborene und die Ansprüche verschwinden von selbst wieder.

Die Partnerschaft

War schon nach der ersten Geburt die Partnerschaft in den Hintergrund gerückt, ist dies nach dem zweiten Kind noch weit ausgeprägter. Hier ist es trotz allem wichtig, sich als Liebes-Paar zu verstehen und nicht nur noch als kinderbetreuende Eltern. Möglichst früh sollten die Eltern sich kleine Nischen und Freiräume schaffen, in denen sie sich Zeit füreinander nehmen und in denen sich die Gesprächsthemen nicht nur um die Familie und die Kinder drehen.

Kinder sind ein Wunder und ein Geschenk. Doch bei aller Liebe und Hingabe sollten Eltern nie aufhören, sich als autarke und eigenständige Persönlichkeiten zu empfinden. Dies bewahrt vor dem Gefühl der Überforderung und der Reduktion auf die Funktion als Versorger.