Der Moro-Reflex gehört zu den primitiven oder frühkindlichen Reflexen. Wie alle frühkindlichen Reflexe entsteht auch dieser schon im Mutterleib (etwa ab der 5. Schwangerschaftswoche). Erste Bewegungen werden durch diese primitiven Reflexe möglich, das Zusammenarbeiten von Bewegung und Nervensystem wird trainiert.

Diese frühkindlichen Reflexe werden allerdings einige Monate nach der Geburt bei einer normalen Entwicklung von gesteuerten Bewegungen abgelöst. Das ist wichtig, um z.B. Bewegungen gezielt und nicht mehr reflexartig auszuüben.

Bei nicht altersgemäßer Entwicklung bleiben einer oder einige Reflexe bestehen (persistierende Reflexe) und hindern die Kinder daran, Entwicklungsschritte zu machen.

Deshalb ist er frühkindliche Reflex so wichtig

Der Moro-Reflex tritt nicht nur beim menschlichen Säugling auf, sondern auch bei vielen Jungtieren von Säugetieren. Benannt ist der Reflex nach dem Arzt Ernst Moro, der diesen primitiven Reflex 1918 erkannte und beschrieb.

Ganz typisch ist das blitzschnelle reflexartige Ausstrecken der Arme aufwärts vom Körper weg, Spreizen der Finger und Öffnen des Mundes, heftigeres Atmen, wenn der Säugling plötzlich und ohne „Vorwarnung“ nach hinten „fallen“ oder zurückgeneigt wird.

Danach wird diese Bewegung rückgängig gemacht und die Hände schließen sich zur Faust, meist begleitet von Weinen oder Schreien. Die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen an. Bei starken Reaktionen werden auch die Beine in den Hüften gebeugt.

Schreckhafte Situationen führen beim Säugling ebenfalls zu dieser Reaktion. Das Kind scheint „zusammenzuzucken“. Als einziger frühkindlicher Reflex hat er Auswirkung auf den ganzen Körper und auch den psychischen Zustand des Kindes. Wie oben beschrieben ist dieser Reflex ein absolut lebensnotwendiger Reflex für das Neugeborene bzw. den Säugling. Bei Neugeborenen führt er dazu, dass sich die Luftröhre öffnet, wenn das Kind zu ersticken droht.

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Bei normaler Entwicklung entsteht der Reflex in der 9. Schwangerschaftswoche und geht etwa 3-4 Monate nach der Geburt verloren. Ursache ist die Reifung des Nervensystems. Bei Tieren führt der Reflex dazu, dass das Jungtier sich bei drohendem Fall vom Rücken von Vater oder Mutter reflexartig im Fell festhält. Überprüft wir dieser Reflex bei der U1-Untersuchung.

Persistierender (dauerhafter) Moro-Reflex und die Folgen

Geht der Reflex nach dem 4. Lebensmonat nicht verloren, spricht man von einem persistierenden Mororeflex.
Die Kinder sind äußerst schreckhaft und unruhig. Sie werden nachts häufig wach. Sie haben Wahrnehmungsstörungen, neigen zu erhöhter Ängstlichkeit und Koordinationsstörungen.

Selbst bis ins Erwachsenenalter kann dieser Reflex bei Störungen anhalten. Unverständliche Überreaktionen auf Reize gleich welcher Art (auditiv, visuell, taktil, vestibulär) sind Symptome.
Entweder sind die Kinder kontaktscheu und schüchtern, oder aber sie reagieren oft aggressiv-dominant. Der Gleichgewichtssinn ist massiv gestört.