Durch DNA Tests wie zum Beispiel einem Vaterschaftstest lassen sich heutzutage familiäre Beziehungen auch über mehrere Generationen hinweg bestimmen. Manche werden durch Erbschaftsangelegenheiten dazu bewegt, nach ihren Wurzeln zu forschen. Andere werden lebenslang von Zweifeln geplagt und können sich erst im hohen Alter dazu durchringen, den verwandtschaftlichen Verzweigungen nachzuforschen. Der weit höchste Anteil jener Menschen, die sich für eine DNA Analyse interessieren, gibt jedoch klassischerweise den Auftrag zur Bestimmung einer Vaterschaft.

Wann darf ein Vaterschaftstest durchgeführt werden

Bis ins Jahr 2010 bewegten sich sowohl Auftraggeber, als auch die Labore bei der Durchführung eines Vaterschaftstests in einer rechtlich nicht ganz genau geregelten Zone. Großeltern konnten ihre Enkel testen lassen, mögliche Väter ihre Kinder, ganz ohne das Wissen der Sorgeberechtigten. Das Gendiagnostikgesetz vom Februar 2012 hat die Situation nun genau  geregelt. DNA Analysen dürfen keinesfalls ohne das Wissen der getesteten Person durchgeführt werden, bei Minderjährigen müssen alle Sorgeberechtigten zustimmen.

Auswirkung des Gendiagnostikgesetzes auf die Familie

Ein Auftrag zum Vaterschaftstest kann also nur mit dem Wissen aller Beteiligten erfolgen. Für manche Familie bedeutet dies leider auch einen nicht unbedeutenden Schnitt in den Familienfrieden. Eine Mutter, die im Normalfall das Sorgerecht für ein minderjähriges Kind haben wird, muss nun dem Test ihres Kindes schriftlich zustimmen. Diese Unterschrift zu bekommen bedeutet aber auch, ihr die Wahrheit über die Analyseabsicht zu sagen. Es ist vollkommen verständlich, dass dies nicht immer ohne Probleme möglich ist und zu Unfrieden führen kann.

Schriftliche Zustimmung zum Vaterschaftstest ist Pflicht

Das Gendiagnostikgesetz bestimmt eindeutig, dass jeder Testteilnehmer über das Wesen dieser Analyse informiert sein muss. Die schriftliche Zustimmung muss vor Beginn der Analyse vorliegen. Sollte ein deutsches Labor eine Vaterschaftsanalyse ohne diese Zustimmung durchführen, so riskiert es, seine Akkreditierung zu verlieren. Der Geschäftsführer des Unternehmens sieht sich sogar mit einer Haftstrafe konfrontiert.

Aber auch der Auftraggeber macht sich strafbar. Bis zu 5.000 € fallen gegebenenfalls an, wenn diese gesetzeswidrige Handlung aufgedeckt werden sollte.


Weigert sich die Mutter, die Zustimmung zu geben, so bleibt lediglich der Weg vor Gericht. Ein Richter hat die Möglichkeit, die Weigerung einer Mutter zu überstimmen und sie zur Zustimmung zu zwingen.

Ist das Ausland eine Option für den Vaterschaftstest?

Es kommt mitunter vor, dass die Verzweiflung so groß ist, dass der Auftrag für einen heimlichen Vaterschaftstest rechtswidrig ins Ausland gegeben werden soll. Davon ist jedoch abzuraten. Zunächst einmal muss bedacht werden, dass ein deutscher Staatsbürger auch dann noch dem deutschen Recht unterliegt. An der ursprünglichen rechtlichen Vorgabe, das die Zustimmung aller Vorliegen muss, ändert sich also nichts.

Hinzu kommt, dass auch im europäischen Ausland inzwischen die Gesetze in diesem Bereich sehr verschärft sind, so dass man Schwierigkeiten haben wird, ein entsprechendes Labor zu finden.

Ein Punkt, der aber wirklich bedacht werden muss, ist der, dass hier sensible Untersuchungen in fremde Hände gegeben werden. Kann bei einem ausländischen Labor wirklich genau nachvollzogen werden, wer da was testet? Ist das Ergebnis verlässlich, wenn die Analyseprozeduren nicht ganz klar sind? Und, kann man das Analyselabor anschließend am Telefon befragen, wenn die Ergebnisse unverständlich sind?

Welche Rechte und Möglichkeiten hat ein Auftraggeber bei Zweifeln an der Leistung? All dies führt klar zu dem Ergebnis, dass möglicherweise, dank Internet, ein „williges“ ausländisches Labor gefunden werden kann, jedoch bringt das Ergebnis, das gestellt wird, anschließend mit großer Wahrscheinlichkeit auch keine verlässliche Antwort.

Anerkennung eines privaten Vaterschaftstestes?

Den privaten Test kann jeder Vater durchführen. Er kostet je nach Labor zwischen 200 und 600 Euro und das Ergebnis mit dem Gutachten folgt innerhalb weniger Tage. Der private Vaterschaftstest gibt zwar Sicherheit, wird jedoch vor Gericht nicht anerkannt, wenn es um die Frage der Unterhaltszahlung geht.

Manchmal reicht das Ergebnis aber, um eine gerichtliche Auseinandersetzung von Mutter und Vater zu verhindern. Damit das Testergebnis jedoch auch vor Gericht gültig ist, bedarf es der Zustimmung der Mutter oder auch des Kindes. Dafür reicht dann ein privater Vaterschaftstest nicht aus, denn dort muss die Einwilligung eben nicht vorliegen.

Das Gericht kann jedoch selbst einen Vaterschaftstest anordnen, um die Vaterschaftsfrage zu klären. In diesem Fall müssen alle beteiligten Personen eine DNA-Probe abgeben. Heimlich sollte der Vater einen Test nicht durchführen. Selbst wenn ein gemeinsames Sorgerecht besteht, bedarf es der Zustimmung beider Elternteile.

Gendiagnostikgesetz – Fluch oder Segen?

Man kann geteilter Meinung sein, ob es wirklich vorteilhaft ist, keine heimlichen Tests mehr zuzulassen. Beachtet man jedoch, dass dadurch das Persönlichkeitsrecht eines jeden Menschen besser gewahrt wird, hat sich die Situation durch das Gesetz verbessert. Kein Mensch kann mehr heimlich getestet und dann gegebenenfalls mit irgendwelchen Analyseergebnissen überrascht werden.

Hinzu kommt die Sicherheit für den Kunden. Deutsche Labore müssen spezielle Zulassungen nachweisen, bevor sie DNA Analysen durchführen dürfen. Dadurch kann sich ein Auftraggeber höchst möglichst  sicher fühlen, dass seine Proben nicht vertauscht und mit modernsten Methoden analysiert wurden.