Wahrnehmungsspiele zur Förderung des Hör-Sinns
Kategorie: Kleinkind Gruppe: Öffentlich

Auch das Hören will gelernt sein, vor allem, wenn es darum geht, gezielt Geräusche zu erkennen. Nicht nur allein einzelne Geräusche oder Stimmen zuordnen, sondern diese aus einer Geräuschkulisse auch heraushören zu können. Denn diese Fähigkeit verlieren wir am schnellsten – und unsere Kinder leider auch. Doch mit spielerischen Übungen können Sie dem Verlust dieser Fähigkeiten entgegenwirken. Und Spaß macht das Ganze nebenbei auch noch. Hier erfahren Sie, wie sich ganz einfach und unterhaltsam die Ohren Ihres Kindes spitzen lassen:

Dem Ticken auf der Spur

Bei diesem Spiel geht es darum, herauszufinden, woher das nervige Ticken kommt. Dafür brauchen Sie nur einen einigermaßen laut tickenden Wecker oder aber einen, dessen Alarm nicht automatisch nach einigen Sekunden oder Minuten ausgeht, sondern von Hand ausgeschaltet werden muss und natürlich ein geeignetes Versteck. Also: Kind aus dem Zimmer schicken, Wecker gegebenenfalls kurzfristig stellen und verstecken, Kind wieder hereinrufen, und schon kann es die Fährte des Tickens aufnehmen. Für ein besonderes Erlebnis oder auch als Idee für einen Kindergeburtstag bzw. einen Spielnachmittag mit anderen Kids können Sie aus dem Wecker-Spiel auch ein Geheimagentenauftrag machen. Dafür brauchen Sie allerdings mehrere Wecker, die alle zur selben Zeit anfangen werden zu klingeln – beispielsweise 5 Minuten nach Spielbeginn. Denn jetzt handelt es sich nicht mehr nur um einfache Wecker, sondern um tickende Zeitbomben, die innerhalb der nächsten 5 Minuten entschärft werden müssen, damit sie kein Unheil anrichten können. Als Chef oder Chefin der Spezialeinheit wissen Sie natürlich, wie viele Bomben versteckt sind und können die Kinder entsprechend informieren. Vielleicht sogar mit weiteren Hinweisen, wo ungefähr Sie die Sprengsätze vermuten. Ein hochexplosiver Spielspaß, der nicht nur die tickenden Zeitbomben ent-, sonder auch die Fähigkeit des Richtungshörens schärft.

Stille Post

Für uns Erwachsene ist es manchmal faszinierend, wie schnell die Gerüchteküche brodeln kann, wenn man jemandem etwas erzählt, der es dann einem anderen erzählt, der es wieder einem anderen erzählt und so weiter und so weiter. Beim Stille-Post-Spiel ist das manchmal auch so, denn hier wird im Flüsterton ein Satz von einem Ohr zum nächsten weitergegeben. Das allerdings funktioniert nur, wenn der Flüsternde deutlich flüstert und der Zuhörer konzentriert zuhört. Denn wiederholt werden darf der Satz, der geflüstert wird, leider nicht. Um zu einem spannenden Hör-Erlebnis zu werden, braucht dieses Spiel natürlich mehr als nur zwei Mitspieler. Je mehr, umso besser. Deshalb eignet es sich vor allem für Kindergeburtstage, aber zwischendurch auch mal beim gemeinsamen Frühstück, Mittagessen oder Abendbrot mit der gesamten Familie – je nachdem wie groß diese ist. Laut sagen, was er verstanden hat, muss natürlich derjenige, der als letztes den frei erfundenen Satz ins Ohr geflüstert bekommen hat. Und nicht selten kommen dabei die skurrilsten Inhalte heraus, die mit dem Original kaum noch etwas zu tun haben. Auch bei diesem Spiel wird der Hör-Sinn Ihres Kindes entsprechend geschärft.

Ich packe meinen Koffer mit Musik

„Ich packe meinen Koffer und nehme mit meine … “. Auch dieses Spiel gehört zu den Klassikern der Kinderspiele. Denn hier wird der Koffer zwar nur sprachlich, aber abwechselnd und in chronologischer Reihenfolge von Mama oder Papa und Kind gepackt. Eingepackt wird jeweils das, was frei ausgewählt wird. Sagt das Kind „Ich packe meinen Koffer und nehme mit meine Lieblingspuppe!“, muss der Satz genauso von Ihnen übernommen werden. Erst dann dürfen Sie selbst ein Wort und damit das, was Sie mitnehmen möchten, definieren. Sehr schnell entsteht so ein ungemein langer Satz, den man sich nur merken kann, wenn man a) genau zuhört und sich b) Eselbrücken baut, damit auch kein eingepackter Gegenstand vergessen wird. Denn dann ist das Spiel vorbei. Als besondere Variante zur Schärfung des Hör-Sinns kann der lange Satz auch nur aus Geräuschen bestehen, die eigenständig erzeugt werden. Klatscht das Kind in die Hände, muss auch Mama oder Papa erst in die Hände klatschen, bevor es sein Fußtrampeln hinzufügen darf. Nach Hände klatschen und Fußtrampeln folgt vielleicht der Fingerschnipp, dann der Zungenschnalz, dann ein Kissenaufschütteln oder ein Kochlöffelschlag auf den Topf. Auch hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Hauptsache, es wird kein Geräusch vergessen und die Reihenfolge stimmt. Entsprechend eignet sich das Spiel auch für ohnehin lautstarke Kindergeburtstage oder lustige Spielnachmittage. In diesen Fällen scheidet das Kind, das ein Geräusch vergessen hat, natürlich aus, damit am Ende des Spiels das Gewinner-Kind übrig bleibt.

Tonleitern selber bauen

Sie oder Ihr Kind haben noch nie eine Tonleiter selbst gebaut? Dann wird es höchste Zeit! Keine Panik, handwerkliches Geschick ist hierzu nicht unbedingt erforderlich. Sie benötigen lediglich eine hohe Leiter und einige Gegenstände, die Sie a) an der Leiter anbringen oder auf ihr abstellen und b) dort zum Klingen bringen können. Im besten Fall durch das einfache und vor allem leichte Anschlagen mit beispielsweise einem Löffel. Vom Kochtopf über die Salatschüssel bis hin zum Frühstücksbrettchen ist hier alles erlaubt. Natürlich auch Gegenstände, die nicht nur aus Ihrer Küche stammen. Drapieren Sie all das, was Sie gefunden haben an oder auf den einzelnen Leitersprossen und schon haben Sie eine Tonleiter, die nun herauf und herunter gespielt werden kann. Ziel der Tonleiter ist es natürlich, im Laufe der Erprobung so von Ihrem Kind umdekoriert zu werden, dass die Geräusche wirklich von hoch zu tief oder umgekehrt führen. Gelingt es dann noch, wirklich “Alle meine Entchen“ darauf erkennbar zu spielen, ist an Ihnen oder Ihrem Kind auf jeden Fall ein kleines musikalisches Genie verloren gegangen.

Fenster-Kino

Haben Sie schon einmal eine Katze auf der Fensterbank beobachtet? Sie drückt nicht nur ihre Nase am Fenster platt, um genau zu verfolgen, was draußen passiert, sie spitzt auch die Ohren. Und genau darum geht es. Machen Sie es sich einfach mal mit Ihrem Kind vor dem Fenster gemütlich und beobachten Sie das Geschehen außerhalb Ihrer vier Wände. Allerdings beobachten Sie es nicht mit den Augen, sondern mit den Ohren. Also: Augen schließen oder verbinden und Ohren spitzen. Denn in diesem Spiel geht es darum, die Geräusche, die Sie und Ihr Kind von draußen hören, richtig zuzuordnen. War das gerade das Zufallen einer Autotür oder der Haustür? Haben sich da nicht gerade zwei Spaziergänger miteinander unterhalten? Und das gerade, das war auf jeden Fall ein bellender Hund. Spielen Sie das Spiel so lange wie es Ihnen und Ihrem Kind gefällt. Und derjenige, der am Ende die meisten Geräusche richtig identifizieren konnte, hat natürlich gewonnen und vielleicht sogar eine kleine Belohnung für sein ausgezeichnetes Gehör verdient.

Hörtest-Memory

Was mit den Augen funktioniert, das funktioniert zwar nicht immer, aber manchmal eben doch auch mit den Ohren – in diesem Fall das Memory-Spiel, um gleich klingende Pärchen zu finden. Dafür brauchen Sie eine Vielzahl von kleinen, undurchsichtigen und vor allem identischen Behältern wie beispielsweise leere Film-Dosen oder die Überraschungs-Ei-Formen. Für das selbst gemachte Memory-Spiel heißt es aber nicht nur, vorab die Behälter zu sammeln, sondern diese zum gegebenen Zeitpunkt auch abwechslungsreich und vor allem pärchenweise zu bestücken. Allein in Ihrer Küche finden sich dafür bereits viele Zutaten. So können Sie zum Beispiel Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und/ oder Linsen nehmen, aus dem Gewürzregal Nelken, grobes oder feines Salz, Pfefferkörner oder auch Zucker. Zudem eignen sich auch Reis und Nudeln, Sand oder Blumenerde, Watte und viele andere Kleinigkeiten, die Sie wahrscheinlich eh im Haus haben, mehr. Je mehr unterschiedlich klingende Paare sie zusammen bekommen, desto schwieriger wird natürlich das Spiel, bei dem es zum einen ausschließlich darum gehen kann, die zusammengehörenden Klangpaare zu finden, oder aber diese nicht nur zu finden, sondern auch herauszuhören, was sich im Inneren verbirgt. Um nicht jedes Mal hineinschauen zu müssen, können Sie die Unterseite der einzelnen Behältnisse entsprechend beschriften. Dann jedoch müssen Sie auch darauf achten, dass die Kennzeichnung beim Schütteln des Behälters nicht gelesen werden kann. Als abgewandelte Variante für einen Kindergeburtstag werden nicht jeweils zwei Behälter gleichen Inhalts ins Spiel gegeben, sondern jeweils nur einer. Denn in dieser Variante geht es ausschließlich darum, herauszufinden, was sich im Inneren verbirgt. Es wird als reihum geschüttelt, gelauscht und geraten. Das Kind, das als erstes die richtige Lösung findet, bekommt natürlich eine kleine Belohnung.

Geschichten zum Klingen bringen

Die allabendliche Gute-Nacht-Geschichte kann zu einem wahren Hörspiel werden, wenn Sie Ihr Kind dazu auffordern, das, was Sie vor- oder gemeinsam lesen, entsprechend zu vertonen bzw. mit passenden Geräuschen zu versehen, sobald ihm etwas dazu einfällt. Handelt die Geschichte beispielsweise von einem Bauerhof, werden Sie schon bald Hühnergegacker, Katzenmiauen, Hundegebell und das Muhen einer Kuh oder das Grunzen eines kleinen Ferkels aus dem Bett Ihres Kindes vernehmen können. So können selbst bereits bekannte Geschichten noch einmal besonders spannend werden und nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Und für die Gestaltung eines verregneten Nachmittags, an dem es leider nicht nach draußen auf den Spielplatz gehen kann, können Sie ja vielleicht wirklich mal mit Ihrem Kind eine Geschichte vertonen und diese als Hörspiel aufnehmen.

Geräusche erraten

Natürlich können Sie Ihr Kind auch ganz einfach Geräusche erraten lassen. Dafür brauchen Sie nur etwas, womit Sie sich aus dem sichtbaren Bereiches Ihres Kindes abschirmen wie beispielsweise einen Paravent, ein etwas höhere Pappwand, die Sie aus einem großen Karton ganz einfach selbst erstellen können, oder einen Vorhang, den Sie spannen und hinter dem Sie sich verschanzen können. Denn jetzt können Sie für Ihr Kind unsicht-, aber dafür gut hörbar, eine Vielzahl von Geräuschen zu erzeugen, bei denen Ihr Kind herausfinden muss, was es da gehört hat: raschelndes Papier, knisternde Alufolie, ein zwischen den Händen quietschender Luftballon oder auch ein platzender, zwei Gläser, die aneinander klirren. Ganz gleich, was Sie sich einfallen lassen, Ihr Kind wird nicht nur mit Begeisterung herauszufinden versuchen, was es hört, sondern im Nachhinein alle Geräusche auch eigenständig nachahmen wollen. Und wer Gesellschaftsspiele mag, kann daraus natürlich auch ein Hörerlebnis für die ganze Familie machen.

Wer nichts sehen kann, muss hören

Um das Hören zu trainieren, bietet sich eine Nachtwanderung geradezu an. Denn wenn man schon fast die Hand vor Augen nicht mehr erkennt, muss man sich vor allem auf sein Gehör verlassen können. Und das nimmt in solchen “Extrem-Situationen“ viel mehr wahr als sonst. Für Ihr Kind, aber auch für Sie ist eine Nachtwanderung ein sehr intensives und sinnliches Erlebnis, vor allem dann, wenn Sie an einer Nachtwanderung teilnehmen, die von Natur- und Vogelschutzverbänden oftmals angeboten werden. Denn bei diesen können Sie eine Vielzahl an Waldbewohnern entdecken, die Sie vielleicht nicht unbedingt sehen, dafür aber umso eindringlicher hören können. Dass Sie dabei noch eine Vielzahl an spannenden Informationen zu den jeweiligen Vogel- oder Tierstimmen erfahren, ist selbstverständlich und macht die Nachtwanderung gleich doppelt lehrreich und nachhaltig. Generell gehören Naturerlebnisse zu den schönsten Erlebnissen der Kindheit – und auch zu den intensivsten, da sie im besten Fall über alle fünf Sinne – mit dem Gleichgewichtssinn zusammen sogar über alle sechs Sinne – wahrgenommen werden können. Meistens jedoch immer über mehrere Sinne gleichzeitig. Extra-Tipp In vielen Haushalten geht es einfach nicht ohne Musik. Es läuft entweder der CD-Player, ein Musiksender im Fernseher oder auch einfach das Radio. Und: Gerade Kinder mögen die Musik im Hintergrund, auch wenn sie ihrer Konzentration nicht immer förderlich ist. Als förderlich hingegen erwiesen hat sich klassische Musik. Natürlich nicht jede, denn Ravels Bolero ist schon sehr aufwühlend, aber Werke von Mozart beispielsweise sollen Kinder bei ihrer Konzentration und damit vor allem beim Lernen positiv unterstützen können. Auch hier gilt: Versuch macht klug!

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