Sorgerechtsanspruch für unverheiratete Väter: Ein kritischer Blick auf das Urteil des BVG Karlsruhe
Kategorie: Recht & Gesetz Gruppe: Öffentlich

Dass die bisherige Rechtsprechung, die unverheirateten Vätern einen gesetzlichen Sorgerechtsanspruch an ihrem Kind von vornherein absprach und diesen ausschließlich von der Einwilligung der Mutter abhängig machte, nicht mehr wirklich zeitgemäß war, darin sind sich auch die Experten einig. Uneinigkeit hingegen herrscht darüber, ob das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes in Karlsruhe zukünftig den Kindern unverheirateter Eltern wirklich helfen wird, oder ob es gerade den Kindern, zu deren Wohl im Zweifelsfall künftig durch beide Elternteile gemeinsam gehandelt werden soll,  nicht mehr Nachteile als Vorteile bringt.

Die Kinder bleiben Spielball ihrer Eltern

Denn Fakt ist: Hat die Mutter bisher das gemeinsame Sorgerecht verweigert und ist das Verhältnis zum Vater des gemeinsamen Kindes ohnehin zerrüttet, wird sie auch wegen einer eventuell erfolgenden gerichtlichen Überprüfung, ob ein gemeinsames Sorgerecht für das Kind angemessener wäre, nicht plötzlich und vor allem freiwillig dem gemeinsamen Sorgerecht zustimmen. Von den Klagen, die von ledigen Vätern auch ohne nochmalige Rücksprache mit der Mutter eingereicht werden, mal ganz zu schweigen.

Aus genau diesen beiden Gründen sind sich die Experten auch darüber einig, dass die Gefahr einer Flut von Sorgerechtsklagen droht, die in den kommenden Wochen und Monaten über die einzelnen Familiengerichte hereinbrechen wird. Denn die Zahl der betroffenen Väter, denen bisher das gemeinsame Sorgerecht seitens der Mutter verweigert wurde, wird auf ca. 1,5 Millionen geschätzt.

Grundlage dieser Berechnung: Allein jedes Jahr kommen über 200.000 Kinder unehelich zur Welt. Oder anders ausgedrückt: In Westdeutschland wird etwa jedes 3. Kind geboren, ohne dass die Eltern miteinander verheiratet sind, in Ostdeutschland bereits jedes 2. Kind.

Das neue Sorgerecht wird zum politischen Balance-Akt

Kopfschmerzen  bereiten den Experten zudem die bisherigen Umsetzungsvorschläge der Regierung, die nun auf Hochtouren daran arbeitet, das Sorgerecht im Sinne des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes in Karlsruhe zu reformieren. Denn natürlich wird in allen bisher zur Diskussion stehenden Modellen die Rolle des Vaters gestärkt, die der Mutter jedoch zwangsläufig geschwächt. Wie die Reform letztendlich aussehen wird und ob sich ein goldener Mittelweg finden lässt, wird sich nicht vor Ende des Jahres entscheiden.

Welche Modelle bisher angedacht sind, finden Sie im Artikel: „Von der Theorie zur Praxis – Modelle zur neuen Sorgerechtsregelung“

 

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