Brauchtum rund um die Plazenta
Kategorie: Geburt Gruppe: Öffentlich

Zehn Monate hat die Plazenta das im Mutterleib heranwachsende Baby vor schädlichen Einflüssen von außen geschützt, genährt, gestärkt und so seine gesunde geistige und körperliche Entwicklung gewährleistet.

Während der Mutterkuchen in vielen anderen Kulturen beispielsweise als Zwilling des entbundenen Kindes verehrt wird, bekommen in Europa immer noch viele Eltern Hautausschlag oder Herpesbläschen, sobald sie darüber informiert werden, dass sie die Plazenta nach der Geburt gerne mit nach Hause nehmen dürfen.

Zugegeben: Schön sieht anders aus, aber darauf kommt es bei der Plazenta auch nicht an, sondern auf die besonderen Nährstoffe, die sie auch nach der Entbindung des Säuglings noch enthält.

Trotz dieses Wissens entscheiden sich jedoch die meisten Eltern dazu, den Mutterkuchen im Krankenhaus zu lassen. Dort wird er entweder direkt entsorgt, oder mit Einwilligung der Mutter zu weiteren Forschungszwecken verwendet.

Doch es geht auch anders:

Mit traditionellen Bräuchen, modernem Recycling oder auch als nahrhaftes – wenn auch gewöhnungsbedürftiges – Menü, können die wertvollen Nährstoffe der Plazenta auch nach der Entbindung noch genutzt werden.

Während die Hebammen früher empfahlen, den Mutterkuchen zu verbrennen, um böse Geister die sich an die noch reine Seele des Kindes heften könnten, zu vertreiben, ist der bekannteste Brauch heutzutage, die Plazenta in einer feierlichen Zeremonie im Garten zu vergraben und darauf einen Baum zu pflanzen. Der immer noch sehr nährstoffreiche Mutterkuchen dient dabei als perfekter Dünger, um den Baum – zumeist in Form eines Lebensbäumchens für das Kind - natürlich, gesund und vor allem kraftvoll wachsen zu lassen.

Wer keinen Garten besitzt, den Hausbau bzw. –kauf oder einen Umzug jedoch bereits geplant hat, muss ebenfalls nicht darauf verzichten, sich die Plazenta aushändigen zu lassen, sondern kann sie einstweilen bei sich Zuhause in der Gefriertruhe zwischenlagern.

Was skurril klingt, ist nicht nur in der Medizin gang und gäbe, sondern mittlerweile auch bei vielen Eltern, die zur Miete wohnen und maximal über ein Zitronenbäumchen auf dem Balkon verfügen. Ob beim sonntäglichen Nachmittags-Tee dann allerdings die zweideutige Frage gestellt wird, ob Nusskuchen oder Mutterkuchen zum Kaffee bevorzugt wird, ist hingegen eine Frage des guten Geschmacks und vor allem des eigenen Humors.

Wem das jetzt schon zu unappetitlich klingt, wird sich wundern, dass im Internet zahlreiche Rezepte zu finden sind, anhand derer der Mutterkuchen als schmackhaftes Menü zubereitet werden kann. Denn der Verzehr des Mutterkuchens soll die Abwehrkräfte der Mutter stärken, die Stillzeit unterstützen und vor allem die Entwicklung und das Auftauchen postnataler Depressionen verhindern.

Wer sich über die natürlichen Heilwirkungen der Plazenta eingehender informieren möchte, findet dazu auch das Buch  Heilmittel aus Plazenta: Medizinisches und Ethnomedizinisches von Cornelia Henning.

Darin beschrieben findet sich darüber hinaus auch die noch nicht allzu lang existierende Möglichkeit, einschließlich der damit verbundenen und zu beachtenden gesetzlichen Bestimmungen, die Plazenta an einen Apothekendienst oder ein Pharmaunternehmen zu senden. Apotheke oder Pharmaunternehmen stellen dann aus dem wertvollen Mutterkuchen nach den Regeln der Homöopathie Globuli als natürliches Heilmittel und für den persönlichen Gebrauch her (Plazentanosoden)

Wie nach der Entbindung mit der wertvollen Nachgeburt verfahren werden soll, sollte jedes Elternpaar für sich entscheiden, um die zu ihm und seiner Familie passende Lösung zu finden.

Das Pflanzen eines Lebensbaums als Wachstumssymbol für das Kind ist mit Sicherheit eine schöne und bedeutungsvolle Geste, die Gewinnung von homöopathisch wirkenden Globuli hingegen eine natürliche und mit höchster Wahrscheinlichkeit irgendwann dankbare Erweiterung der Hausapotheke. Und der Verzehr des Mutterkuchens bleibt – im wahrsten Sinne des Wortes – reine Geschmackssache.

Sofern Sie Ihre Plazenta nach der Entbindung gerne haben möchten, Ihnen diese aber vom Krankenhaus nicht angeboten wird, fragen sie einfach danach. Denn nach dem gültigen Recht ist es Ihre, womit Sie auch einen gesetzlichen Anspruch darauf haben. Allerdings lohnt es sich nur, sie mitzunehmen, wenn sie auch wirklich noch intakt ist und keinerlei Schäden aufweist.

 

Pinnwand

2 von 2 Kommentaren

8 years ago
von funnysunny

Habe ich gerade entdeckt:
Der letzte Schrei in Dubai: Gesichtsmasken aus menschlichem Mutterkuchen:

http://www.dubai-report.de/new­s/2511000/der-letzte-schrei-in­-dubai-gesichtsmasken-aus-mens­chlichen-mutterkuchen/

..   brrrrrr

9 years ago
von mutter

Auf keinen Fall, sollte man die Plazenta in einer Tüte auf dem Gehweg entsorgen.

Plazenta-Fund löst Polizeieinsatz aus: http://www.spiegel.de/panorama­/gesellschaft/0,1518,668947,00­.html

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