Wahrnehmungsspiele zum Förderung des Seh-Sinns
Kategorie: Kleinkind Gruppe: Öffentlich

Um Dinge nicht einfach nur zu sehen, sondern in ihrer Beschaffenheit bewusst wahrzunehmen, muss man die Welt mit Kinderaugen wiederentdecken können und wollen. Zumindest mit den Augen von Kindern, die darauf trainiert oder unter vier Jahre alt sind, denn danach nimmt die Fähigkeit, über die Sinne zu lernen, ab. Wie oft hetzen wir selbst, nachdem wir unser Kind zum Kindergarten oder zur Schule gebracht haben, einfach zurück, ohne die kleinen Schönheiten am Wegesrand zu sehen? Nicht nur viel zu oft, wir bringen leider auch unseren Kindern bei, im Laufe der Zeit und vor allem im Laufe des Alltags nicht mehr darauf zu achten. Deshalb finden Sie nachfolgend einige Anregungen, mit denen Sie und Ihr Kind das bewusste Sehen gemeinsam wieder schärfen können. Ganz leicht und vor allem sehr spielerisch.

Werden Sie zum Schatzsucher

Ganz gleich, ob es der morgendliche Weg zu Kindergarten oder Schule, der Einkauf am Nachmittag, ein gemütlicher Stadtbummel oder ein Nachmittag auf dem Spielplatz ist. Jede der Strecken, die Sie gemeinsam mit Ihrem Kind absolvieren, kann zu einem Erlebnispfad werden. Denn überall finden sich kleine Schätze – zumindest dann, wenn man die Augen offen hält und einen Schatz auch zu erkennen weiß. Deshalb: Machen Sie aus Ihren Wegen ab und an eine Schatzsuche. Dafür brauchen Sie eine Schatztruhe, eine schöne Sammelbox oder einen Setzkasten, die allesamt darauf warten, von Ihnen und Ihrem Kind nach erfolgreicher Suche bestückt zu werden. Im Laufe der Zeit können sich darin schöne Steine, gesammelte Blätter, getrocknete Blumen, gefundene Münzen, alte Schrauben, verbogene Nägel oder sonst etwas finden – eben all das, was Sie und Ihr Kind als Schatz deklariert und von den einzelnen Schatzsuchen mit nach Hause gebracht haben. Und wer mag, kann dann am Abend noch spannende Geschichten zu dem jeweiligen Gegenstand erfinden und erzählen.

Entdecken Sie den Unterschied

Wahrscheinlich kennen Sie selbst aus diversen Zeitschriften die beiden Bilder, die eigentlich identisch aussehen, in denen sich aber doch einige Fehler eingeschlichen haben, die es zu finden gilt. Genau dieses Rätsel können Sie auch mit Ihrem Kind spielen, um seine Aufmerksamkeit und seine genaue Wahrnehmung im Bereich des Sehens zu schulen. Dafür müssen Sie Ihrem Kind nur einige Minuten – ca. zwei – Zeit geben, damit es sich genau einprägen kann, wie Sie gerade vor ihm stehen oder sitzen. Dann schicken Sie Ihr Kind aus dem Zimmer, um ganz schnell etwas an Ihrem äußeren Erscheinungsbild zu verändern. Sie können für einen einfachen Schwierigkeitsgrad beispielsweise ein anderes Oberteil anziehen, einen Schal an- oder ablegen, die Brille aufsetzen oder auch die Haare zum Zopf zusammenbinden. Für einen erhöhten Schwierigkeitsgrad hingegen müssen Sie filigraner vorgehen und vielleicht Ihre Schnürsenkel öffnen, eine Brosche anlegen, eine Kette ablegen oder auch nur eine Strähne Ihrer Haare hinters Ohr klemmen. So wird Ihr Kind lernen, sich Dinge bewusst einzuprägen. Und wenn die Rollen zwischenzeitlich getauscht werden dürfen, macht das kleine Spiel gleich doppelt so viel Spaß.

Sehen Sie etwas, das Ihr Kind “nicht sieht“

Es gibt wohl kaum jemanden, der dieses Spiel nicht kennt. „Ich sehe was, was Du nicht siehst, und das ist …“ - beispielsweise blau. Kinder lieben es, die Welt zu erforschen und zu entdecken. Noch mehr allerdings lieben sie, ihren Eltern zu beweisen, dass sie eben doch die Dinge sehen, von denen Mama oder Papa annimmt, man würde sie nicht sehen, oder nicht drauf kommen, welchen blauen Gegenstand sie ins Visier genommen haben. Deshalb schärft dieses alte Kinderspiel ebenfalls bewusst die Fähigkeit des Sehens, da die nähere Umgebung ganz genau unter die Lupe genommen werden möchte. Denn natürlich muss der Gegenstand, den man sich aussucht und der vom Mitspieler erraten werden muss, auch für diesen sichtbar sein. Beispielsweise eine blaue Tasse im Geschirr-Regal, ein blauer Knopf an Papas Hemd, ein blauer Bauklotz, der noch auf dem Boden liegt. Hat das Kind die richtige Lösung gefunden, darf es sich selbst einen Gegenstand im Raum – oder, wenn man draußen ist, in der sichtbaren Umgebung – aussuchen und dessen Farbe benennen, damit Mama oder Papa jetzt selbst auch einmal suchen, raten und entdecken müssen. Gelingt das nicht, muss das Kind das Spiel auflösen, auf den Gegenstand zeigen, den es gemeint hat, darf sich aber sogleich einen neuen in einer weiteren Farbe aussuchen, womit klar ist: Mama oder Papa erhalten eine zweite Chance, ihre Sehfähigkeit zu verbessern.

Tarnung ist alles

Das Chamäleon macht es vor, denn durch seine Fähigkeit, sich immer wieder dem Hinter- oder Untergrund anzupassen, ist es nur für das geschulte Auge seiner Feinde zu entdecken. Wenn Sie einen Garten, eine bepflanzte Terrasse oder einen bunt blühenden Balkon haben, können Sie herausfinden, ob Ihr Kind ein ebenso guter Chamäleon-Finder wäre. Allerdings müssen Sie keine Chamäleons basteln, sondern nur Vögel, Käfer oder was Ihnen gerade einfällt und was sich im hohen Gras, den Büschen, Pflanzen oder Sträuchern verstecken würde. Die entsprechende Form – oder wenn Sie Lust haben auch mehrere unterschiedliche Formen – schneiden Sie aus einfachem Tonpapier oder Tonkarton aus. Dabei müssen Sie nur darauf achten, dass Sie immer genau die gleiche Farbe Papier nehmen, die auch Ihre Blumen oder Sträucher haben. Dann einfach die Formen dazwischenheften und sie von Ihrem Kind suchen lassen. Dabei sollte es allerdings schon vorher erfahren, wie viele Tiere insgesamt sich quasi “über Nacht“ eingenistet und versteckt haben, die es entsprechend zu finden gilt. Und schon kann die Suche beginnen von grünen Käfern im grünen Gras oder gelben Schmetterlingen in gelb blühenden Sträuchern beginnen.

Nachts sind alle Katzen grau

Zumindest besagt dies ein altes Sprichwort. Ob das wirklich so ist, werden Sie erfahren, wenn Sie mit Ihrem Kind einfach mal eine Nachtwanderung unternehmen, oder im Winter an einem ganz einfachen Abend mit ihm bewusst die Dunkelheit entdecken. Ihr Kind wird schnell erkennen, dass in der Dunkelheit klare Linien verschwimmen, Strukturen verwischen und vieles im Dunkeln unheimlich, düster und manches Mal auch imposanter wirkt. Vor allen Dingen, wenn es Plätze wieder erkennt, die es auch im Tageslicht schon einmal gesehen hat. Daneben bewirken Straßenlaternen, aber auch Ihre eigene Taschenlampe, dass Ihr Kind erkennt, dass Licht Schatten werfen und diese auch tanzen lassen kann. Bei dem abendlichen oder nächtlichen Erlebnis lernt Ihr Kind also auf spannende Art und Weise, sein Sehen auch auf die unterschiedlichen Tagesbegebenheiten einzustellen. Ein Erlebnis für die Sinne, das Ihr Kind mit Sicherheit begeistern wird.

Die Faszination liegt im Detail

Um sinnliches Sehen wieder zu erlernen oder zu fördern, muss der Blick auf die Details gelenkt werden. Dafür eignen sich ebenfalls Spaziergänge oder auch eine Hausinspektion, bei der – im wahrsten Sinne des Wortes – alles ganz genau unter die Lupe genommen wird. Folglich sollten Sie und Ihr Kind bei diesem Erlebnis-Parcours wie Sherlock Holmes im Besitz einer Lupe sein, um die faszinierenden Details zu entdecken, die ihnen sonst verborgen blieben. Sie können alles vergrößert betrachten, was Ihr Herz begehrt. Besonders viel Spaß jedoch macht es in der freien Natur, wenn auf einfachen Blättern jede Verästelung und Pore sichtbar wird, wenn kleine Spinnen ganz lange Beinchen, und kleine Maikäfer große Augen und bekommen. Dass dabei die Punkte vom Maikäfer, die Beinchen der Spinne, die Verästelungen des Blattes gleich mitgezählt werden, ist natürlich selbstverständlich, da es den Lupen-Parcours durch nachhaltiges Lernen erheblich bereichert.

Wer sehen kann, kann auch zeichnen

Malen oder Zeichnen zu können, hat eine Menge damit zu tun, wie man das, was man zu Papier bringen möchte, sieht oder wahrgenommen hat. Deshalb sollten gerade Kinder in ihrer Fähigkeit zu malen, gefördert werden. Dabei trainiert sich das richtige Sehen bei jedem Mal ein klein wenig mehr – insbesondere dann, wenn das, was das Kind malen soll, vorgegeben wird. Das heißt, in diesen Fällen sollten Gegenstände abgemalt werden. Das kann eine Pflanze im Blumentopf sein, eine bestimmte Obstsorte aus der Obstschale, die Uhr an der Wand oder was Ihnen sonst noch einfällt. Natürlich darf sich Ihr Kind auch gerne selbst aussuchen, was es abmalen möchte. Allerdings ist das Abpausen – beispielsweise eines Bildes oder eines Zeitschriftentitels nicht erlaubt. Und nicht vergessen: Das Malen macht gleich doppelt so viel Spaß, wenn Mama oder Papa mit am Zeichentisch sitzen und sich ebenfalls in Farben, Formen und Strukturen erproben. Auch wenn nicht sofort ein kleines Kunstwerk beim ersten Mal herauskommt und Sie die Befürchtung haben, dass in Ihnen und vor allem in Ihrem Kind eben doch kein kleiner Rembrandt steckt, vertrauen Sie darauf: Von Mal zu Mal werden die Details sowohl von Ihnen als auch von Ihrem Kind besser wahrgenommen und zu Papier gebracht. Und nur darum geht’s!

Das Licht hat viele Farben

Kinder lieben es, kleine Wunder und Geheimnisse zu entdecken. Das Spiel des Lichtes ist eines davon. Denn für Kinder ist Licht normalerweise entweder weiß, gelb oder durchsichtig – je nachdem, welche Art von Glühlampen Sie verwenden. Das Licht in all seinen Schattierungen zu entdecken, fördert deshalb ebenfalls die Wahrnehmung des Sehens. Und das ist ganz einfach. Dazu müssen Sie nur einen kleinen Shopping-Bummel mit Ihrem Kind einlegen und sich gemeinsam ein schönes gläsernes oder kristallenes Windspiel aussuchen, das zukünftig am Fenster im Kinderzimmer hängen wird. Denn wenn sich das Sonnenlicht darin bricht, werden alle Farben des Regenbogens und damit alle Farben des Lichtes für Ihr Kind erkennbar. Und wer keine Lust auf den Einkaufsbummel hat, merkt sich diese Idee einfach schon einmal für den nächsten Geburtstag, das nächste Weihnachtsfest oder eine sonstige Gelegenheit, an dem das Kind beschenkt werden kann, vor.

Entdecke das Geheimnis dahinter

Kennen Sie noch “Dalli Klick“? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Egal, denn im Grunde geht es nur darum, Ihrem Kind den Ausschnitt eines Bildes zu zeigen, damit es errät, wer oder was sich dahinter in seiner Gesamtheit verbirgt. Die Umsetzung ist denkbar einfach: Sie brauchen nur ein Blatt Papier, in das sie ein kleines Loch schneiden – ein so genanntes Guck-Loch. Und schon kann es losgehen, beispielsweise beim abendlichen Vorlesen. Legen Sie einfach das Blatt Papier über eine bebilderte Seite und lassen Sie Ihr Kind erraten, was der einzelne Ausschnitt ihm über das gesamte Bild verrät. Beispielsweise können Sie das Guckloch auf die Füße eines Hasen legen. Errät Ihr Kind nicht gleich auf Anhieb, um was es sich handelt, können Sie den Ausschnitt des Papiers so über die Buchseite schieben, dass sich immer neue Details über das dahinter liegende Bild offenbaren. Spätestens bei den langen Ohren wird Ihr Kind dann mit Sicherheit wissen, dass auf der verdeckten Buchseite ein Hase abgebildet ist. Auch mit diesem Spiel schärfen Sie die Fähigkeit Ihres Kindes, auf die Details zu achten und vor allem die Fähigkeit, Zusammenhänge daraus abzuleiten.

Fazit:

Es sind oftmals die einfachen Spielideen, die nicht viel kosten, mit der die Wahrnehmung von Kindern gefördert werden kann. Deshalb: Fragen Sie doch einfach auch einmal Ihre eigenen Eltern, womit sie sich als Kinder beschäftigt, welche Spiele sie besonders geliebt oder welche weiteren Spielideen sie vielleicht haben, mit denen Sie die sinnlichen Erlebnisse Ihres Kindes noch weiter bereichern können. Denn vom Spielen können Kinder nie genug bekommen. Und wenn Sie dabei noch fürs Leben lernen: Perfekt!

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