Rund 96 Prozent aller männlichen Säuglinge kommen mit einer Vorhautverengung zur Welt. Das bedeutet, dass sich die Vorhaut – in der medizinischen Fachsprache Präputium genannt  – nicht zurückschieben lässt. Das allerdings hat einen guten und vor allem naturgewollten Grund, denn: So ist die Vorhaut mit der Eichel verklebt und schützt sie gegen unerwünschte Eindringlinge von außen, die zu Entzündungen führen könnten.

Im Normalfall löst sich die Verklebung in den ersten Lebensjahren der Jungen von ganz alleine. Meistens zwischen dem ersten und vierten. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen sich der Ablöseprozess mehr Zeit – um nicht zu sagen – einige Jahre mehr Zeit lässt. Fakt jedoch ist: Die Vorhaut sollte sich von Anfang an so weit dehnen oder besser gesagt öffnen lassen, dass die Mündung der Harnröhre zu sehen ist.

Umgangssprachlich: Vorhautverengung, Medizinisch: Phimose

Da die Vorhautverengung augenscheinlich für die ersten Lebensjahre des Kindes naturgewollt ist, gibt es hier auch keinerlei Handlungsbedarf. Allerdings sollten Eltern sorgsam auf eine gründliche Reinigung zu achten.

Im Säuglingsalter natürlich bei jedem Windelwechsel. Ist die Phase des Windeltragens vorbei, sollte die gründliche Reinigung mindestens einmal am Tag erfolgen. Am besten ohne Zusätze, mit klarem Wasser und einem Lappen.

Wenn eine Reinigungslotion verwendet werden soll, dann eine besonders milde, beispielsweise mit Kamilleextrakten. Insbesondere das Baderitual bietet eine gute Gelegenheit, um die Dehnbarkeit der Vorhaut zu kontrollieren.

Durch das warme Wasser ist sie ohnehin ein aufgeweicht und kann vorsichtig verschoben werden. Hat das Kind dabei allerdings Schmerzen oder funktioniert das Zurückschieben nicht: Sofort die Finger davon lassen! Denn: Ein Dehnen auf “Teufel, komm raus“ mag die Vorhaut überhaupt nicht, da sie dabei leicht einreißen, sich entzünden und unschöne Narben bilden kann. Also bleiben Sie bei allem, was sie tun, schön vorsichtig! Lässt sich die Vorhaut irgendwann teilweise oder sogar komplett über die Eichel schieben, wird diese ab diesem Zeitpunkt natürlich immer sorgsam mit gereinigt.

Vorhautverengung: Wann besteht Handlungsbedarf?

Wie im Allgemeinen so üblich, hat jede Regel auch ihre Ausnahme. Denn in drei Fällen bedarf die Vorhautverengung doch einer Behandlung!

Fall 1:

Im ersten Fall ist die Vorhaut so eng mit der Eichel verklebt, dass sie sich nicht öffnen lässt, um die Harnröhrenmündung zu sehen. In einem solchen Fall ist davon auszugehen, dass der kleine Wonneproppen schon bald unter Entzündungen leiden wird. Denn wenn das Präputium an der Penisspitze zu eng ist, kann der Urin beim Wasserlassen nicht richtig abfließen. Reste bleiben unter der Vorhaut, weichen sie auf und machen sie anfällig für wiederkehrende und vor allem schmerzhafte Entzündungen oder für Infektionen der Harnwege.

Fall 2:

Der zweite Fall tritt ein, wenn sich die Vorhautverklebung nicht von selbst lösen will. Das heißt: Bis zum Eintritt ins Schulalter, spätestens jedoch bis zum 10. Lebensjahr des Kindes sollte der Ablöseprozess abgeschlossen sein. Bis dahin sollte sich also das Präputium bis hin zum Beginn des Penisschaftes zurückschieben lassen. Gelingt das nicht, kann es mit Eintritt in die Pubertät zu Schmerzen bei der Erektion kommen. Denn da der Penis nicht nur ohnehin wächst, sondern sich bei einer Erektion auch noch um ein Vielfaches vergrößert, muss die Vorhaut diesem Ausdehnungsprozess standhalten können und dementsprechend geschmeidig und dehnbar sein.

Fall 3 :

Der dritte Fall ist einfach erklärt. Er tritt genau dann ein, wenn das Kind – gleich welchen Alters – über Schmerzen beim Wasserlassen klagt. In diesem Zusammenhang sollte die Beschaffenheit der Vorhaut auf jeden Fall vorsorglich abgeklärt werden.

Vorhautverengung: Oh wie peinlich!

Gerade für Jungen ist es oftmals schwierig, über das zu reden, was die Pubertät so mit sich bringt. Schmerzen beim Wasserlassen oder eine Erektion sind nicht unbedingt die Themen, die am Frühstückstisch diskutiert werden möchten. Zumindest nicht seitens des Pubertierenden.

Eher würden Jungen im Erdboden versinken, als ihren Eltern zu erklären, dass sie das Gefühl haben, dass da irgendetwas nicht stimmt. Denn viel zu groß ist die Angst, sich zu blamieren, weil sie vielleicht etwas falsch gemacht haben. Beispielsweise bei dem ersten Versuch, zu onanieren. Oh Gott, wie peinlich, den Vater oder die Mutter fragen zu müssen, wie es wohl richtig und vor allem schmerzfrei geht!

Eltern, die vorbeugen möchten, schicken ihr Kind deshalb zwischen dem 8. und 10. Lebensjahr noch einmal vorsorglich zum Kinderarzt. Denn dieser ist dafür ausgebildet, beurteilen zu können, ob die Vorhaut so ist, wie sie sein sollte, um mit den kommenden Entwicklungs- und Pubertätsschritten mithalten zu können.

Vorhautverengung: Die Behandlung

Für die Behandlung einer Vorhautverengung, die mit Schmerzen oder Entzündungen einhergeht, stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Zum einen die mehrwöchige Behandlung mit Hormonsalben, bei der die Vorhaut gleichzeitig immer wieder sanft gedehnt wird.

Zum anderen der operative Eingriff, der nicht mit einer Beschneidung gleichgesetzt werden kann, da erstes Ziel sein muss, die Vorhaut – wenn möglich – zu erhalten. Deshalb wird die Vorhaut bei diesem Eingriff “nur“ eingeschnitten und neu vernäht, so dass eine Weitung entsteht. Nur wenn die Vorhaut durch vorangegangene und wiederholte Entzündungen schon stark geschädigt wurde oder vernarbt ist, wird sie entfernt. Ob vollständig oder nur teilweise hängt von ihrem Zustand ab. Insgesamt dauert der Eingriff weniger als eine Stunde, weshalb das Kind nur selten in der Klinik verbleiben muss. Meist darf es noch am selben Tag wieder mit Mama und Papa zurück nach Hause.

Der Vollständigkeit halber sei jedoch erwähnt, dass mittlerweile Studien zum Thema Phimose entstehen, aus denen hervorgeht, dass sich sowohl der operative Eingriff als auch die Therapie mit Hormonsalben in vielen Fällen vermeiden lassen, wenn von Anfang an auf eine sorgsame Hygiene geachtet wird – Vorhaut – und sobald möglich auch die Eichel – also täglich gereinigt werden.