Es gibt Kinder, die gerne mit Zahlen jonglieren und mathematisch-naturwissenschaftlich sehr begabt sind. Daneben gibt es Kinder, die den Zahlen und Ziffern nicht mehr Bedeutung beimessen als sie unbedingt müssen, die Anforderungen in der Schule jedoch immer wieder ausreichend bis zufrieden stellend oder gut bewältigen.

Doch es gibt auch eine Reihe von Kindern, die mit Zahlen überhaupt nichts anfangen können, weil ihnen der Zugang zu ihnen und ihrer Bedeutung verschlossen bleibt. Regelmäßig scheint durch ihre Rechenhefte ein hungriges und Zahlen fressendes Monster zu schleichen, das Nullen stiehlt, Zahlen verdreht und die einzelnen Rechenoperationen durcheinander bringt, sogar Lücken in den Lösungswegen und den Lösungen selbst hinterlässt.

Manchmal hat dieses Zahlen fressende Monster einen Namen: Dyskalkulie, auch als Rechenstörung, Rechenschwäche oder Arithmasthenie bekannt.

Dyskalkulie: Die Diagnose

Wenn Sie die Vermutung haben, dass auch Ihr Kind von Dyskalkulie betroffen sein könnte, sollten Sie zuerst mit dem Klassenlehrer oder der Klassenlehrerin sprechen. Denn er oder sie sollte am besten beurteilen können, ob und inwieweit die mathematischen Leistungen Ihres Kindes wirklich bedenklich sind.

Sind sie bedenklich, sollten Sie alle erforderlichen Untersuchen durchführen lassen, um so schnell wie möglich zu einer eindeutigen Diagnose zu gelangen, weshalb Ihr Kind diese massiven Schwierigkeiten im Umgang mit Zahlen hat.

Zuerst gilt es, physiologische Ursachen ausschließen. Danach stehen Ihrem Kind wahlweise Schulpsychologen oder Fachärzte aus dem Psychiatrie- und Psychotherapiebereich sowie Kinder- Jugendpsychotherapeuten zur Verfügung. Rechentests selbst können in speziellen Beratungsstellen oder innerhalb der schulpsychologischen Dienste durchgeführt werden.

Die eigentliche Diagnose stellt in der Regel jedoch ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, der – zusätzlich zu den schulischen Unterlagen – die Ergebnisse des Rechentests, eines Intelligenztests und gegebenenfalls weiterer sprachlicher oder die Konzentrationsfähigkeit untersuchender Tests sowie die persönliche Entwicklungsgeschichte Ihres Kindes auswertet. Generell gilt: Die bestätigte Diagnose einer Dyskalkulie sagt nichts über die Intelligenz Ihres Kindes aus.

Therapie bei Rechenschwäche

Dyskalkulie ist wie die meisten Teilleistungsstörungen nicht vollständig heilbar. Entsprechend wird der Umgang mit Zahlen das gesamte Leben mit Schwierigkeiten begleiten und das betroffene Kind oftmals vor Herausforderungen stellen.

Eine Therapie jedoch lässt jedes Kind große Fortschritte erzielen und es selbstsicherer werden. Vor allen Dingen lernt es, sich den Herausforderungen zu stellen, mit ihnen umzugehen und mit seinem Defizit ohne Minderwertigkeitskomplexe zu leben.

Zu Beginn der Therapie wird genau analysiert, wo die genauen Ursachen für die Rechenschwäche liegen und auf welchem Wissensstand sich das Kind derzeit befindet. Dieser Status bildet die Ausgangsbasis für eine individuell auf das Kind zugeschnittene Lerntherapie, um auf dem vorhandenen Wissen aufzubauen und die bis dato entstandenen Wissenslücken systematisch aufzuarbeiten, zu schließen und die mathematischen Fähigkeiten des Kindes zu erweitern.

Wie bei allen Lerntherapien erfolgen auch bei der Dyskalkulie die Übungen in spielerischer Form, um Leistungsdruck und Versagensängste kontinuierlich abzubauen. Eine außerschulische Lerntherapie kann jedoch nur dann Erfolg haben, wenn Therapeuten, Eltern, Kind und vor allem die Schule eng zusammenarbeiten. Auch ist die Kostenübernahme zu klären, da zumeist weder Schulen noch Krankenkassen die Kosten für eine solche Therapie tragen. Wie und wo Sie sich hierzu entsprechend beraten lassen können, entnehmen Sie bitte den Links am Ende des Textes.

Wie Sie Ihrem Kind bei Dyskalkulie helfen können

Wichtiger als alles andere sind für Ihr Kind verständnisvolle Eltern, die es so lieben, wie es ist. Erklären Sie Ihrem Kind, warum es solche Schwierigkeiten im Umgang mit Zahlen hat, dass es aber Möglichkeiten gibt, diese Schwierigkeiten Schritt für Schritt aufzuarbeiten.

Hier greift die außerschulische Lerntherapie. Entsprechend können und sollten Sie den bisherigen Druck aus Hausaufgaben und Co. herausnehmen. Dazu bieten sich Ihnen die folgenden Möglichkeiten:

  1. Definieren Sie die Zeit für die Hausaufgaben und halten Sie diese ein – ganz gleich, ob Ihr Kind alle Aufgaben gelöst hat oder nicht.
  2. Loben Sie jeden noch so kleinen Fortschritt, denn das, was Ihr Kind am nötigsten braucht, ist Zuspruch, Selbstvertrauen und die Erkenntnis, dass es sich tatsächlich Schritt für Schritt verbessert – ganz gleich, wie klein diese Schritte Ihnen persönlich erscheinen.
  3. Fördern Sie die übrigen Stärken Ihres Kindes und geben Sie diesen genug Spielraum. Das Thema Dyskalkulie darf auf keinen Fall zum Dreh- und Angelpunkt des Alltags werden – denn das hilft weder Ihnen, Ihrer Familie und vor allem nicht Ihrem Kind.
  4. Suchen Sie das Gespräch mit den Lehrern und finden Sie heraus, wie Sie die schulische Situation Ihres Kindes verbessern können. Beispielsweise hilft es, wenn das Kind nah am Lehrerpult sitzt, da es dort am wenigsten abgelenkt wird, und der Lehrer es jederzeit sehen kann. Möglichkeiten wie diese, dem Kind den Schulalltag zu erleichtern, finden sich viele.

Weiterführende Informationen erhalten Sie:

Die Internetseite http://www.rechenschwaeche.de hält zudem einen Symptom-Fragebogen für Grundschulkinder und für Schulkinder der 5. – 9. Schulklasse bereit, ebenso wie eine Vielzahl interessanter Links und Veröffentlichungen. Dyskalkulie-Software, mit der Ihr Kind spielerisch sein mathematisches Verständnis aufbauen, verinnerlichen und erweitern kann, findet sich bei Tintenklex unter: http://www.legasthenie-software.de/game/einmaleins.htm

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