Die häufigste Frage, die Eltern ihren Kindern beim Abholen im Kindergarten stellen ist: „Was hast du heute gemacht?“ Die häufigste Antwort der Kinder: „Gespielt.“ Entweder ist dann das Gespräch beendet, oder die Mutter/der Vater fragen: „Schon wieder nur gespielt?“ Was bedeutet spielen? Ist es berechtigt, sich Sorgen zu machen, dass das Kind nichts lernt, wenn es nur spielt? Ist eine angeleitete Bastelarbeit oder ein schulähnlicher Unterricht für Vorschulkinder effektiver?

Welche Spielformen gibt es?

Das freie Spiel

Kinder spielen oft einfach nur so. Ohne Zweck, ohne Ziel. Sie folgen dabei inneren Bedürfnissen, die ihnen natürlich nicht bewusst sind. Das Spiel erfolgt spontan, von innen heraus. Das Kind befindet sich in einer Art Vertiefung und ist ganz nahe bei sich und seinen Gefühlen. Deshalb ist es oft auch so schwer, die Kleinen zu einer Reaktion zu veranlassen, wenn man sie anspricht in solch einer Phase. Es ist ein Zustand, den Erwachsene kaum noch kennen. Wahrscheinlich kommt ein Jogger oder Bergsteiger diesem Gefühl am nächsten, wenn er einen sogenannten „Flow“ erfährt. Man ist eins mit sich und der Welt, es gibt keine Fragen, kein Zweifel, keine Sorgen. Alles ist einfach so wie es ist, und es ist gut so. Stellen Sie sich vor, jemand käme in diesem Moment zu Ihnen und sagt:„Nun hör aber mal mit dem Laufen auf, wir haben noch so viel zu tun!“ Sie wären mit Recht wütend.

Funktionsspiel

Sobald ein Kind die motorischen Fähigkeiten dazu hat, werden Gegenstände in die Hand genommen und es wird ausprobiert, was man alles damit machen kann. Das Kind versucht es zu schütteln, es auf den Tisch oder Boden zu schlagen, es mit den Füßen zu stoßen, es zu werfen, in den Mund zu stecken, daran zu riechen usw. Damit erweitert es seine Kenntnisse und Fähigkeiten (es erfährt etwas über Eigenschaften der Dinge und es trainiert seine Motorik).

Konstruktionsspiel

Hier wird auf ein Produkt hin gewirkt. Das Kind will eine Brücke aus Bausteinen bauen, ein Bild malen, einen Sandkuchen backen etc.

Hier kann das Kind lernen, planvoll zu handeln. Voraussetzung ist, dass ihm geeignetes Material zur Verfügung gestellt wird und es bei Bedarf Unterstützung erhält. Konzentration und Ausdauer werden gefördert. Wichtig hierbei ist, dass das Kind von selbst heraus entscheidet, was es gerade interessiert. So kann es ganz intensiv, mit allen Sinnen lernen.

Aufnehmendes Spiel

Etwas vorgelesen bekommen, ein Theaterstück anschauen, etwas erklärt bekommen. Hier geht es ums Schauen, Hören und Beobachten. Auch hier lernt das Kind (Sprache, Sachwissen), wenn es aus eigenem Interesse hinschaut und hinhört. Alles, was das Kind fasziniert, saugt es auf wie ein Schwamm.

Rollenspiel

Hier wird Erlebtes und Unverarbeitetes nachgespielt. Das Kind kann in verschiedene Rollen schlüpfen und versuchen, bestimmte Verhaltensweisen zu verstehen. Z.B. indem es schimpfende Eltern imitiert. Die Kinder spielen immer mehr die wirkliche Welt nach, um sich an gesellschaftliche Normen und in familiäre Systeme anzupassen.

Regelspiel

Hierzu gehören Versteckspiele, Ballspiele, Gummitwist, Kartenspiele wie Uno oder Mau Mau, Memory.
Hier üben die Kinder, sich an Regeln zu halten (zumindest an die des Spiels für die Dauer des Spiels). Das Kind kann lernen, mit Fehlern umzugehen. Es erfährt die Möglichkeit, gleiche Fehler zu vermeiden. Die Fähigkeit, nicht aufzugeben kann hier geschult werden.

Bewegungsspiel

Fingerspiele, Kreisspiele, Hüpfspiele, Eierlaufen, Gummitwist, Fischer-Fischer usw. Hier werden Gleichgewicht, Ausdauer und Kondition trainiert. Schlussbemerkung Bei allen Spielen kann sich das Kind als Schöpfer erleben, es erweitert und vertieft seine motorischen Fähigkeiten, es lernt etwas über die Naturgesetze (Schwerkraft, Statik). Seine Konzentrationsfähigkeit wird geschult. Nebenbei wird Sprache angewendet und neue Wörter werden gelernt oder auch in ihrer Bedeutung neu verstanden.Das spielende Kind setzt sich mit seiner Umwelt auseinander. Mit Spielpartnern müssen Absprachen getroffen werden, Lösungen für entstehende Probleme werden ersonnen. Rollen werden gefestigt oder auch ganz neu erfahren. Mathematische Grundkenntnisse erfährt das Kind bei einfachen Sortierspielen. Farben und Formen bekommen Namen und können unterschieden werden. Wir dürfen nicht vergessen, dass das wichtigste Lernziel eines Kindergartenkindes ist, sich selbst als fähig zu erleben und seinen Gefühlen vertrauen zu können. Damit hat es die beste Vorbereitung auf die Anforderungen in der Schule. Wenn Ihr Kind Ihnen also erzählt, es hätte gespielt, ahnen Sie was es für reichhaltige Erfahrungen und Fortschritte gemacht hat? Ihr Kind hat ihnen die beste Antwort gegeben, die es gibt.