Wer ein schreiendes, von Bauchkrämpfen geplagtes Baby hat, ist schnell mit den Nerven am Ende. Frischgebackene Eltern suchen Rat beim Kinderarzt, in Schreiambulanzen und erleben eine wahre Odyssee. Ihnen widerfährt eine ganze Palette von Erfahrungen. Sie werden vertröstet, von einem Facharzt zum nächsten geschickt und bisweilen nicht ernst genommen. Obwohl sie ihr Kind doch am besten kennen, und sie längst intuitiv merken, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Unsicherheit kommt auf, das Vertrauen in die Schulmedizin bröckelt.

Manualmediziner Heiner Biedermann

Dieser Mann steht im Kreuzfeuer kritischer Mediziner. Er erhob Anfang der neunziger Jahre eine bis dahin völlig unbekannte Diagnose und gab den Beschwerden den Namen „KISS-Syndrom“. Es bezeichnet eine Symmetriestörung der oberen Halswirbelsäule, deren Auslöser eine blockierte Verbindung von Kopfgelenk und den ersten Halswirbelkörpern ist.

Typische Anzeichen sind laut dem Kölner Arzt: anhaltendes Schreien, die besagte Asymmetrie, einseitiges Trinken, Still- und Schlafprobleme, vermehrtes Spucken und verzögerte motorische Entwicklung. Biedermann verspricht mit Hilfe manualtherapeutischer Griffe Besserung in Bälde, viele Osteopathen und KISS-Therapeuten sehen es genauso. Wer als Elternteil bereits manuell, chiropraktisch oder osteopathisch positiv behandelt worden ist, wird sicherlich seinem leidenden Kind diese Verfahren kaum vorenthalten.

Doch der Organismus eines Säuglings oder Kleinkindes hat seine Besonderheiten: Kaum ein Gelenk ist verknöchert. Die meisten Verbindungen bestehen aus Knorpel und sind somit sehr flexibel. Muskulatur muss sich erst bilden; verkrampfte Stränge oder verhärtete Strukturen haben Seltenheitswert. Deshalb ist Vorsicht geboten! Entlang des Halses verlaufen lebenswichtige Blutgefäße und Nervenbahnen. Logischerweise sollten das Prozedere einer KISS-Behandlung nur ausgebildete, befugte Therapeuten vornehmen. Aufgeschlossene Kinderärzte und Orthopäden vermitteln seriöse Adressen.

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Vorgehen und Kosten

Ohne ausführliche Anamnese (Befragung) der Eltern, Sehen und Tasten geht gar nichts. Manche Therapeuten fertigen vor Beginn noch Röntgenbilder der Halswirbelsäule an. Das Vorgehen ist umstritten, zumal im frühkindlichen Alter aussagekräftige knöcherne Strukturen fehlen. Von der Dosis von Röntgenstrahlung ganz zu schweigen. Jede Aufnahme bedeutet Strahlenbelastung, die wirklich nur im Ernstfall indiziert ist. (Vergleichend dazu: Wenn die Kontrolle der Hüftstellung ihres Babys ansteht, wird kaum noch geröntgt. Die Gelenkverhältnisse überprüft man heutzutage mittels Ultraschall.) Die Befunderhebung erfolgt mit Grifftechniken. Nach welcher Methode dann therapiert wird, obliegt dem Behandler. Gängige Verfahren sind:

  • Cranio-Sacral-Therapie
  • Atlastherapie nach Arlen
  • Osteopathie
  • Manualtherapie nach Gutmann

Ihr Kind wird sich natürlich gegen die Eingriffe wehren und steht in der Zeit vermehrt unter Stress. Nichtsdestotrotz sind die Techniken weitestgehend schmerzfrei, je nach Ermessen vielleicht etwas unangenehm. Fortschritte stellen sich nach drei bis vierzehn Tagen ein. Ob nun eine Therapiesitzung ausreicht oder die Notwendigkeit mehrerer Einheiten besteht, richtet sich nach dem Ausmaß der Blockade. Alle Fälle bedürfen einer Nachkontrolle.

Die Rechnungserstellung basiert auf der aktuellen Gebührenordnung für Privatversicherte. Je nach Aufwand liegen die Kosten einer Behandlung zwischen 50 und 100 Euro. In der Regel übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen für ihre Versicherten keine Auslagen. Privatpatienten und Beihilfeempfänger erhalten je nach Versicherungsbedingung eine anteilige oder volle Erstattung. Fragen Sie nach!