Frauen gelten in allgemeiner Hinsicht als detailverliebt. Das allerdings ändert sich, wenn sie mit der Pille verhüten. Denn die Einnahme der Pille zur Empfängnisverhütung verhindert nicht nur eine ungewollte Schwangerschaft, sondern auch die Fähigkeit, sich an Details einer erlebten oder geschilderten Situation zu erinnern. Zu dieser Erkenntnis gelangten Forscher der University of California in Irvine, USA, in einer vergleichenden Studie. Für die Untersuchung wurden die teilnehmenden Frauen in zwei Gruppen eingeteilt.

  • Gruppe 1: Frauen, die bereits über einen längeren Zeitraum die Pille einnahmen
  • Gruppe 2: Frauen, die nicht hormonell verhüteten

Beiden Gruppen wurden Bilder eines Autounfalls gezeigt, in den eine Mutter und ihr Sohn verwickelt waren. Das, was genau passiert, aber nicht auf den Fotos zu sehen war, wurde ihnen zusätzlich erzählt. So beispielsweise, dass der Junge bei dem Autounfall beide Beine verloren hatte, und die Ärzte um sein Leben kämpfen mussten. Eine Woche später wurden alle Frauen überraschend noch einmal eingeladen, um herauszufinden, was ihnen von der geschilderten und gesehenen Situation in Erinnerung geblieben war.

Es zeigte sich, dass die Frauen, die nicht hormonell verhüteten, viele vereinzelte Details wiedergeben konnten, die aber nicht unbedingt zu den zentralen Informationen des Geschehens gehörten. Beispielsweise, dass das Auto noch eine Bordsteinkante gestreift hatte, oder auf einem Bild ein Hydrant neben dem Auto zu sehen gewesen war etc.

Die Gruppe der Frauen hingegen, die hormonell verhütete, hatte sich eher den Kern und damit die zentralen Informationen des Geschehenen gemerkt. Hier zum Beispiel, dass der Junge bei dem Unfall seine Beine verloren hatte, die Ärzte um sein Leben kämpfen mussten, es letztlich retten und auch beide Beine wieder annähen konnten. Dafür aber konnten sich die Frauen dieser Gruppe kaum an Details erinnern, mit denen die Geschichte zusätzlich ausgeschmückt und bebildert worden war.

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Dass die beiden Gruppen so unterschiedliche Erinnerungen hatten, erklären sich die Forscher damit, dass die Sexualhormone im Blut auch das Gedächtnis beeinflussen. Denn: Frauen erinnern sich normalerweise sehr emotional und mit sehr vielen Details an etwas, das sie erlebt haben. Männer sind da ganz anders. Sie erinnern sich zumeist nur an die Fakten. Wenn also bei Frauen nach längerer Einnahme hormoneller Verhütungsmittel die Art ihrer Erinnerung der eines Mannes gleicht, liegt der Schluss nahe, dass die verminderte Östrogenzufuhr die Ursache ist und sie eine Veränderung des Erinnerungsvermögens bewirkt.

Weniger Östrogen vermindert zwar das Erinnerungsvermögen nicht, aber es verlagert die Schwerpunkte dessen, was in Erinnerung bleibt! Wer jetzt innerlich aufstöhnt und sich denkt „Auch das noch!“, den tröstet vielleicht, dass er nicht allein, sondern in bester Gesellschaft ist. Denn betroffen sind ja nur etwas über 100 Millionen Frauen, die weltweit hormonell verhüten.

Anhand der neuen Erkenntnisse hoffen die Forscher der University of California nun gleichfalls die Antwort darauf zu finden, weshalb Frauen weitaus häufiger als Männer unter einer so genannten posttraumatischen Belastungsstörung oder einem posttraumatischen Stresssyndrom leiden und natürlich, ob diese Tatsache im Zusammenhang damit steht, wie sie sich an Erlebtes erinnern – eben mit oder ohne hormonelle Verhütung.