Ihr Baby biegt sich nach hinten und weint, sobald Sie es anlegen wollen. Sie sind verzweifelt, denn die letzte Mahlzeit ist bereits länger her, und greifen ein weiteres Mal zum Fläschchen. So haben es Ihnen Hebamme und Kinderarzt geraten. Ihr Baby trinkt zufrieden am Flaschensauger und ist hinterher sichtlich satt. Was ist los? Mag das Baby die Flasche lieber als Mamas Busen? Eigentlich nicht – es hat einfach eine Saugverwirrung.

Welche Gründe gibt es dafür? Wie kann man eine Saugverwirrung erkennen? Und wie können Sie Ihrem Baby sanft helfen? Die Antworten auf Ihre Fragen verraten wir Ihnen in unserem Artikel.

Was ist eine Saugverwirrung?

Eine Brustverweigerung kann viele Ursachen haben und findet im Verlauf einer Stillbeziehung immer wieder statt. Seien es die Zähnchen, die das Stillen für Ihr Kind gerade nicht so angenehm machen, seien es Koliken durch die Anregung der Darmfunktion beim Saugen oder sei es ein Schub.

Künstliche Sauger im Focus

In den ersten Lebenswochen jedoch ist der Verursacher der Brustverweigerung meist schnell ausgemacht, denn die Anzeichen sind eindeutig: Es ist die Saugverwirrung, die aufgrund der Nutzung künstlicher Sauger entsteht. Diese wird seit 1995 wissenschaftlich erforscht.

Kurz nach der Geburt sind nicht nur Sie ein Stillanfänger, sondern auch Ihr Baby. Zwar wurde es für das Stillen geschaffen und hat das komplette dafür nötige Equipment. Allerdings bieten künstliche Sauger viele Tücken, an denen eine Stillbeziehung scheitern kann. Befindet sich das Neugeborene noch in der Lernphase des Saugens und hat es dieses noch nicht perfektioniert, so ist es möglich, dass es das Trinken an Mamas Busen wieder verlernt.

Wenn sich also ihr Neugeborenes partout nicht anlegen lässt, überlegen Sie, ob es bereits einmal einen Schnuller oder ein Fläschchen bekommen hat. Denn darin könnten die Ursachen der Saugverwirrung liegen.

Saugen bei Mama oder an der Flasche – ist das nicht das Gleiche?

Diese Frage lässt sich mit einem klaren „Nein!“ beantworten. Beim Trinken an der Flasche wird den Babys eine komplett andere Abfolge an Bewegungen abverlangt als beim Stillen.

Letzteres verlangt dem Kind nicht nur eine bestimmte Bewegungsabfolge, sondern auch eine spezielle Formung der Mundwerkzeuge ab. Der Mund muss weit geöffnet sein wie beim Gähnen, die Kauleisten führen eine Kaubewegung aus. Die Zunge „melkt“ die Brustwarze. Ihr Baby leistet dabei richtig schwere Arbeit, denn das Stillen ist anstrengend! Kein Wunder, dass viele Neugeborene dabei einschlafen.

Ein Fläschchen hingegen trinkt sich praktisch fast von selbst. Durch die Öffnung des Saugers fließt die Milch quasi schon allein, die Schwerkraft tut ihr Übriges. Der kindliche Mund muss sich außerdem nur ein kleines Stückchen weit öffnen, um den dünnen Silikon- oder Kautschuksauger aufnehmen zu können. Und auch wenn manche Hersteller künstlicher Sauger werbewirksam versprechen, der Flaschensauger sei wie die mütterliche Brustwarze geformt – „geformt wie die Brust“ ist wirklich nur die Brust. Der Saugakt an allen Saugern ist ein anderer als der beim Stillen.

Künstliche Sauger führen also dazu, dass das Baby mit der Zeit das Stillen regelrecht verlernt.

Achtung, denn dazu zählen auch Stillhütchen! Daher werden diese ebenfalls von Stillberaterinnen kritisch gesehen. Man sollte sie nur im absoluten Notfall verwenden, auch wenn die Hebamme sie empfiehlt. Beachten Sie, dass das Stillthema nicht umfangreich genug in der Ausbildung zur Hebamme behandelt wird. Auch deshalb sollte die Stillbegleitung durch eine Stillberaterin stattfinden, wenn Probleme auftauchen und deren Ursachen erforscht werden sollen.

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Was sind die Folgen der Saugverwirrung?

Die direkte Folge einer Saugverwirrung ist zunächst die Verweigerung des Stillens. Dabei können folgende Symptome beobachtet werden: Die Stillkinder schreien, wenn die Mütter sie anlegen möchten, strecken den Rücken durch, schlagen nach der Brust und drehen den Kopf weg.

Nimmt es dennoch den Busen, kann es vorkommen, dass es mit der falschen Technik saugt. Nimmt es beim Saugen zu wenig Brustgewebe in den Mund, kann dies zu wunden Brustwarzen sowie einer unzureichenden Milchbildung kommen. In der weiteren Konsequenz geht die Milch zurück, bis Sie mehr zufüttern müssen, was eine weitere Verringerung der Milchproduktion zur Folge hat.

Was tun bei einer Saugverwirrung?

Das Wichtigste bei einer Saugverwirrung ist Geduld. Bieten Sie Ihrem Baby immer wieder die Brust an, jedoch ohne Zwang und Druck, denn beides kann die Frustration, die gerade herrscht, noch verstärken.

Lassen Sie ab sofort alle künstlichen Sauger weg. Müssen Sie zufüttern, tun Sie dies mit einer alternativen Methode. Im Handel sind Brusternährungssets erhältlich, die nicht nur für ein wohliges Sättigungsgefühl bei Ihrem Schatz, sondern auch für die Anregung der Milchproduktion sorgen.

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Ist Ihr Baby sehr ungeduldig, weil es den schnellen und sofortigen Milchfluss aus der Flasche gewöhnt ist, so können Sie vor dem Anlegen bereits durch Stimulation der Brustwarze den Milchspendereflex auslösen. Dann fließt die Milch gleich, wenn das Baby stillen möchte. Schreit es, geben Sie ihm immer wieder ein paar Tropfen Milch direkt aus der Brustwarze in den Mund. So wird es sanft zum Trinken angeregt.

Hat sich Ihr Baby so in Rage geschrien, dass es die Brust partout verweigert, so können Sie es zunächst ein wenig herumtragen. Lassen Sie sich das Stillen im Tragetuch zeigen, denn dies wird Ihnen das Leben sehr erleichtern.

Lassen Sie es jedoch auf keinen Fall erneut von der Flasche trinken oder schnullern, denn beides verstärkt die Saugverwirrung.

Das beste Mittel gegen eine Saugverwirrung jedoch ist und bleibt die Vorbeugung.

Wie kann ich eine Saugverwirrung vermeiden? Unsere Tipps!

Das Gelingen einer Stillbeziehung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das Stillen selbst sowie die Milchbildung sind hormonelle Vorgänge. Diese werden unter anderem durch körperliche Nähe positiv beeinflusst.

Versuchen Sie, in den ersten Wochen Ihr Baby stets bei sich zu behalten. Lassen Sie den Haushalt einmal liegen und kuscheln Sie sich mit Ihrem Kind ins Bett. Gehen Sie spazieren, nutzen Sie ein Tragetuch. Versuchen Sie, sich für die Wochenbettzeit vorab bereits Entlastung zu holen. Familie, Freunde und selbstverständlich Ihr*e Partner*in sollten eingespannt werden. Zögern Sie nicht, zuzugeben, dass Sie gerade ein wenig Hilfe gebrauchen könnten.

Geben Sie Ihr Neugeborenes möglichst nicht ins Schwesternzimmer der Station, denn gerade über Nacht sind viele Geburtsstationen nur unzureichend besetzt. Es ist leichter, einem Baby schnell ein Fläschchen zu geben als seine noch unerfahrene Mama eine halbe Stunde lang beim Stillen zu begleiten. Dies ist kein böser Wille der Schwestern, sondern einfach dem Pflegenotstand geschuldet.

Nutzen Sie in den ersten sechs bis acht Wochen keine Fläschchen oder Schnuller, denn diese verursachen in der Regel Probleme in der Stillbeziehung. Lassen Sie Ihr Baby an der Brust trinken, wann immer es möchte, auch zur Beruhigung. Müssen Sie künstliche Nahrung oder Muttermilch zufüttern, greifen Sie auf eine alternative Methode, wie ein Brusternährungsset oder das Fingerfeeding, zurück. Hierbei können Sie sich Hilfe bei einer erfahrenen Stillberaterin, beispielsweise der AFS oder der La Leche Liga, holen. Diese begleiten Sie gern kostenfrei.

Eine Saugverwirrung zu beheben ist nicht ganz einfach, doch es lohnt sich. Denn auch bei bestehenden Stillproblemen ist es noch möglich, zu einer schönen Stillzeit zu finden und Ihrem Kind das Beste aus der Muttermilch zu bieten. Alles, was Sie brauchen, ist die richtige Begleitung – und Geduld.