Jeder Abend ist ein Drama. Kaum verlässt Mama oder Papa das Kinderzimmer, probt der Nachwuchs den Aufstand. Es wird gerufen, geweint und schließlich gebrüllt. Dabei ist das Kind so müde, dass es sich kaum auf den Beinen halten kann. Nur allein findet es keine Ruhe. Ein Elternteil setzt sich an das Kinderbett, hält Händchen, singt und streichelt – endlich fallen die Augen zu.

Was anfangs funktioniert, weitet sich in der Regel zu einem abendfüllenden Programm aus. Das Kind kann nur noch mit körperlicher Nähe einschlafen; von nun an beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn eines hat der Sprössling begriffen: Sobald ich mich melde, steht jemand in der Tür. Oft machen diese Schlafgewohnheiten Mütter und Väter hilflos und ohnmächtig. Sie sind durch ihren Dauereinsatz am Ende ihrer Kräfte: Das Familienleben ist ein einziger Kraftakt, denn kontinuierlicher Schlafmangel zehrt an der physischen und psychischen Verfassung.

Wenn doch jemand käme, einen gescheiten Rat brächte und Unterstützung anbieten würde! Schlafprogramme setzten genau hier an. Sie ändern „eingefahrene Gewohnheiten“, trainieren ein neues Verhalten an. Gestützt auf Erkenntnissen der psychologischen Verhaltenstherapie führen Schlaflernprogramme in relativ kurzer Zeit zum Erfolg. Im Gegenzug sind sie eine ernstzunehmende, emotionale Herausforderung für die junge Familie.

Bevor Eltern derartige Methoden praktizieren, bedarf es ausführlicher Information und der gemeinsamen Absicht, an einem Strang zu ziehen. Schlaflernprogramme führen nur zum Erfolg, wenn sie beharrlich und zielstrebig durchgeführt werden. Fehlt allerdings tagsüber die nötige erzieherische Konsequenz, ist der Effekt dieser Verfahrensweise fraglich. Mit einem Schlaflernprogramm ziehen Erwachsene die Notbremse. Vor Beginn des Schlaftrainings sind deshalb einige kritische Punkte zu klären:

  • Stehen größere Veränderungen der Lebensumstände an? (Umzug, Geburt eines Geschwisterchens, Trennungsabsichten)
  • Ist das Kind körperlich gesund? Organische Ursachen sind ausgeschlossen?
  • Wurde der Kinderarzt konsultiert und sein Rat gesucht?
  • Existiert ein ausgefülltes Schlafprotokoll?
  • Wie groß ist der Leidensdruck? Hält die Beziehung der psychischen Strapaze stand?
  • Wie alt ist das Kind?

Auch beim Schlafen gilt: Übung macht den Meister. Es ist ratsam, für das bevorstehende Programm ausreichend Zeit und Muße einzuplanen. Optimale Startbedingungen bietet ein verlängertes Wochenende. Schlafprogramme machen nur Sinn bei Kleinkindern ab einem Jahr.

In dieser Altersangabe herrscht unter Kinderpsychologen und anderen Experten Uneinigkeit. Entsprechende Literatur verwirrt zusätzlich mit unterschiedlichen Altersangaben. Eltern sollten sich davon nicht verunsichern lassen, sondern auf ihr Bauchgefühl vertrauen und dem Kind uneingeschränkte Liebe, Zuneigung und Nestwärme schenken. Ein Baby ist nicht berechnend, ein älteres Kleinkind vielleicht eher.

Abschließend noch eine wichtige Information: Und wenn die Nerven noch so blank liegen, Drohen und aggressives Verhalten hilft keinem weiter. Das Kind ist verängstigt, fühlt sich unter Druck gesetzt und reagiert wie in einer Stresssituation. Unabhängig vom Willen schüttet der kleine Organismus entsprechende Hormone aus, die Geist und Körper aktivieren und in den Zustand höchster Wachsamkeit versetzen. An Schlafen ist in diesem Stadium nicht mehr zu denken. Es kostet Überwindung; doch in der Ruhe liegt die Kraft!