Durchfall, Erbrechen und Fieber? Häufigste Ursache dieser Durchfallerkrankung, auch als Gastroenteritis bekannt, sind die so genannten Rotaviren. Gerade für kleine Kinder, insbesondere für Säuglinge und Babys, kann eine Infektion mit dem Rota-Virus so gefährlich werden, dass sie im Krankenhaus behandelt werden muss. Denn der kindliche Körper wird nicht nur extrem belastet, sondern droht durch den hohen Flüssigkeitsverlust während des etwa 7 bis 14 Tage andauernden Brechdurchfalls unter Umständen auch auszutrocknen. So bestätigt das Robert-Koch-Institut, dass allein in Deutschland jedes Jahr 20.000 Babys auf Grund einer Rotaviren-Infektion stationär aufgenommen und mit Infusionen versorgt werden müssen.

Die Erfahrungen insgesamt zeigen, dass 95 Prozent aller Kinder innerhalb ihrer ersten 5 Lebensjahre mindestens eine Rotavirus-Infektion durchlaufen. Am häufigsten zwischen ihrem 6. und 24. Lebensmonat. Des Weiteren ist zu beobachten, dass Rotaviren zwar ganzjährig aktiv sind, jedoch vor allem in den kälteren Monaten von November bis April Hochkonjunktur zu haben scheinen. Dies liegt insbesondere an den geheizten Räumen, innerhalb derer sich die Viren besonders gut verbreiten können. Oder wie der französische Naturforscher und Mediziner Louis Pasteur schon gesagt hat: „Die Mikrobe ist nichts, der Nährboden ist alles!“

Erst nach zwei überstandenen Infektionen ist das kindliche Immunsystem gegen den hochgradig ansteckenden Erreger wirklich so weit gewappnet, dass es sich gegen ihn erfolgreich zur Wehr setzen kann – zumindest dann, wenn es sich um den gleichen Virenstamm handelt. Denn als Besonderheit sei zu erwähnen, dass es verschiedene Typen bzw. Stämme von Rotaviren gibt. Geimpft wird folglich nur gegen die gängigsten fünf, die für 98% der europäischen Durchfallerkrankungen verantwortlich sind.

Allgemeine Informationen zur Rotaviren-Impfung

Die Impfung gegen Rotaviren ist verhältnismäßig neu. Vor 5 Jahren beispielsweise hat es sie noch nicht gegeben. Jetzt jedoch wird sie auch von der WHO, der Weltgesundheitsorganisation, und der STIKO, der Ständigen Impfkommission, empfohlen.

Bei der Rotaviren-Impfung handelt es sich um eine “einfache“ Schluckimpfung. Säuglingen und Babys beispielsweise wird der Lebend-Impfstoff dabei in den Mund geträufelt. Er ruft eine Immunreaktion im kindlichen Körper hervor, angeblich ohne dabei eine Erkrankung auszulösen, da der lebende Erreger nur in sehr abgeschwächter Version in der Impfdosis enthalten ist. Ebenfalls angeblich wird die Impfung insgesamt von Kindern – also auch gerade von Säuglingen und Babys – sehr gut vertragen. So zeigten sich in verschiedenen Studien, innerhalb derer verschiedene Impfreaktionen untersucht wurden, keine Unterschiede bei geimpften und nicht geimpften Kindern.

Neueste Erkenntnisse hingegen (siehe auch den gesonderten Artikel: Neue Studienerkenntnis: Sicherheitslücke bei Rotaviren-Impfung entdeckt) weisen auf die Gefahr einer Rotaviren-Impfung bei immungeschwächten Säuglingen hin, da sich die Wirkung der Impfung dann komplett ins Gegenteil verkehren kann.

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Die Details zur Rotaviren-Impfung

Geimpft werden kann im Allgemeinen schon sehr früh. Experten empfehlen die erstmalige Impfung gegen das Rotavirus bei Säuglingen deshalb auch bereits ab einem Alter von sechs Wochen und vor Erreichen der 12. Lebenswoche.

Dabei stehen zwei unterschiedliche Möglichkeiten und Impfstoffe zur Verfügung: Zum einen kann die Schluckimpfung einzeln ab der 6. Lebenswoche des Kindes verabreicht und je nach Impfstoff dann noch 2 bis 3 mal in jeweils vierwöchigem Abstand wiederholt werden. Zum anderen besteht die Möglichkeit, die Rotaviren-Impfung gleichzeitig mit der empfohlenen 6-fach-Impfung in der 9. und 13. Lebenswoche des Säuglings zu verabreichen. Die zweite Impfung muss in diesem Fall dann bis zur 24. Lebenswoche, die dritte bis spätestens zur 32. Lebenswoche verabreicht worden sein. Die beiden zur Verfügung stehenden Impfstoffe nennen sich Rotarix und Rotateq.

Besonderheiten zur Impfung

Sofern die Impfung nicht von der jeweiligen Krankenkasse übernommen wird, fallen Kosten in Höhe von 100 bis 190 € an. Doch bei den meisten gesetzlichen Kassen zählt die Impfung gegen Rotaviren, da sie von der STIKO auch empfohlen wird, mittlerweile zum Leistungsangebot und wird dementsprechend erstattet bzw. übernommen.

Bei chronisch kranken Säuglingen oder Säuglingen, deren Magen-Darm-Trakt angeborene Fehlbildungen aufweist, sollte eine mögliche Impfung vorab mit dem Kinderarzt besprochen werden. Ebenso in Fällen, bei denen das Kind selbst, die Eltern oder die Geschwister an einer Immunschwäche leiden oder eine immunsuppresive Behandlung durchlaufen. Und insbesondere natürlich dann, wenn eine Abwehrreaktion des Impflings gegen die Inhaltsstoffe bekannt ist.

Bei einer temporären Erkrankung mit Fieber, Durchfall oder Erbrechen sollte ein eventuell bereits bestehender Impftermin auf jeden Fall verschoben werden.

Impfwahn oder Impfmüdigkeit

Ob ein Kind gegen das Rotavirus geimpft wird, ist letztendlich wie immer Entscheidung der Eltern. Und nur, wer über alle Vor- und Nachteile informiert ist, kann die richtige Entscheidung treffen und somit vermeiden, dass ihm Impfwahn oder Impfmüdigkeit vorgeworfen wird.

Das Deutsche Grüne Kreuz e. V. hat dementsprechend interessiert, wie Mütter und werdende Mütter das Risiko einer Rotaviren-Infektion bei ihrem Kind einschätzen. In einer Umfrage, die anhand von ausliegenden Fragebögen in mehreren Frauenarztpraxen durchgeführt wurde, zeigte sich: 95 Prozent der befragten Schwangeren sehen in den durch Rotaviren hervorgerufenen Brechdurchfällen eine ernste Gefährdung ihres Kindes, weshalb der größte Teil von ihnen, insgesamt 88 Prozent, die Absicht haben, die Impfung bei ihrem Kind durchführen zu lassen. Insgesamt befragt wurden 700 Frauen.