„Sprich nicht mit vollem Mund!“ Mal ganz unter uns: Sind Sie immer ein Vorbild? Tischmanieren und Benimm werden in der Regel vorgelebt. Und was die lieben Kleinen sich da abschauen…
Nun ja. Sie ahmen die Großen nach und halten gleichzeitig uns Erwachsenen den Spiegel vor.

In vielen Familien gibt es keine gemeinsame Mahlzeit mehr. Oft isst jeder, wann und wo er will. Häufig machen Arbeit, Schule und Freizeit das Miteinander am Tisch fast unmöglich. Manchmal sind daran auch Computer & Co. schuld. Wie sollen da Kinder noch das gute Benehmen lernen?

Tischmanieren: „Denk‘ an Deine gute Kinderstube!“

Tischmanieren sind Sache der Eltern. Theoretisch! Praktisch sieht es so aus: Tischgemeinschaft erlebt eine ganze Reihe von Kindern das erste Mal im Kindergarten. Dort wird zusammen der Esstisch gedeckt, man fängt zusammen an, reicht oder holt sich nach und beendet geschlossen die Mahlzeit. Aufstehen, lautes Sprechen oder Herumrennen sind nicht erlaubt. Das würde stören.

Mehr und mehr lernen Erzieher/innen dem Nachwuchs, nicht mit vollem Mund gesprochen wird oder wie Messer und Gabel handzuhaben sind.

Möchten Sie den Krisenherd „Esstisch“ entspannen, gilt es einige einfache Tipps zu beherzigen:

  • Nutzen Sie die kindliche Neugier! Überlassen Sie Ihrem Kleinkind den Löffel. Jeder fängt klein an! Mit der entsprechenden „Schutzkleidung“ (Schürze, Stoffwindel) gleichen nur Tisch und Teller einem Schlachtfeld.
  • Im Hochstuhl sitzt nicht die Queen! „Entthronen“ Sie Ihr Kind; schließlich ist es ein Teil der Tischgemeinschaft und bedarf nicht 100% Kontrolle. Trauen Sie sich und Ihrem Kind diese Freiheit zu.
  • Ständiges Korrigieren ist tabu! Wenn Ihr Kind die Gabel immer noch mit der Faust hält, ist das kein Beinbruch. Wecken Sie seinen Ehrgeiz mit positiven Aufforderungen und Lob. Preußischer Drill ist out.
  • „Wer die Wahl hat…“ Kleinere Kinder können nicht unter Zeitdruck entscheiden. Muss es am Morgen schnell gehen, lassen Sie Ihren Nachwuchs nur zwischen zwei Varianten (z. B. Müsli oder Nutellabrot) auswählen. Geben Sie ihm dazu genügend Zeit.
  • Gebet oder Tischsprüche*  ? Wie Sie die Mahlzeit beginnen und beenden, ist Ihnen überlassen. Hauptsache, das Ganze wird zur Tradition. Daran können sich Kinder orientieren; es stärkt das Gemeinschaftsgefühl. „Miteinander essen, das kann schön sein. Froh zu Tische sitzen lieben wir. Gaben lasst uns teilen und auch noch verweilen, schön, dass wir zusammen sind.“
  • Essen ist Genießen mit allen Sinnen. Neue Gerichte sollten zumindest probiert werden -vielleicht schmeckt es ja doch? Dann freut sich auch der Koch.
  • Essen ist Kommunikation. Bei Tisch kommt die gesamte Familie zusammen. Da werden Erlebnisse, Begebenheiten oder Ärgernisse erzählt, Ratschläge erteilt und gelacht. Wichtig ist, dass keiner die Contenance verliert. Leicht wird der Esstisch zum Stimmungsbarometer.
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Hier eine kleine Auswahl von Tischmanieren für Kinder, die zur Routine gehören sollten:

  • Servietten sind weder Taschen- noch Brillenputztuch. Sie gehören auf den Schoß, nach dem Essen neben den Teller.
  • Das Messer ablecken ist tabu. Man schneidet sich schneller als gedacht.
  • Suppe wird gelöffelt, nicht geschlürft. Der letzte Schluck darf aus der Suppentasse ausgetrunken werden.
  • Papa liest beim Essen Zeitung! Weit verbreitet, aber unschön. Sofern er allein vor der Fertigpizza sitzt, kein Problem.
  • Auf dem Teller herrscht Tohuwabohu. Kinder vermischen gerne Soße, Kartoffeln und Gemüse. Okay; wenn’s schmeckt. Aber bitte aber säuberlich aufputzen.
  • „Bäh, das schmeckt nicht!“ Das geht auch anders. Kochen ist Arbeit und die Geschmäcker sind verschieden.
  • „Ich bin so müde!“ Trotzdem gehört der Kopf nicht auf den Tisch.
  • „Händewaschen vor dem Essen.“ Aus gutem Grund. Viele Krankheiten (z. B. Durchfall, Erkältungen, echte Grippe, Herpes) werden durch Schmierinfektion übertragen.