Normalerweise versorgt die Muttermilch das Baby ausreichend mit den erforderlichen Vitaminen. Ausgenommen hiervon sind allerdings die Vitamine K und D, die dem Neugeborenen gesondert und in Form einer Prophylaxe zugeführt werden müssen.

Während das Vitamin K für die Blutgerinnung des Kindes unerlässlich ist, zeigt sich das Vitamin D dafür verantwortlich, die beiden Mineralstoffe Calcium und Phosphat zu resorbieren und sie in die Knochensubstanz des Kindes für ein gesundes Wachstum einzulagern. Bei einem Vitamin-D-Mangel kann es deshalb zu Knochenerweichungen, die zu Verformungen des Skeletts und generellen Wachstumsstörungen führen, der so genannten “Rachitis“ oder der “Vitamin-D-Mangel-Erkrankung“ kommen.

Entsprechend ist die Vitamin-D-Prophylaxe vor allem auf das erste Lebensjahr des Kindes ausgerichtet. Denn in seinen ersten zwölf Lebensmonaten entwickelt sich das Kind nicht nur extrem schnell, sondern wächst auch mit einem rasanten Tempo und legt passend dazu an Gewicht zu. Am Ende seines 1. Lebensjahres liegt sein Gewicht dreifach höher als zum Zeitpunkt seiner Geburt. Wenn die Knochen nicht stark genug sind, um dieser Entwicklung Schritt zu halten und das zunehmende Gewicht zu tragen, sind Schäden am Skelettgerüst unvermeidbar.

Deshalb wird die Rachitis-Prophylaxe zumeist direkt mit einer Karies-Prophylaxe kombiniert und dem Neugeborenen ab seinem 5. Lebenstag in einer täglichen Dosierung verabreicht. So erhält das Kleine über den Zeitraum von mindestens einem Jahr täglich eine Tablette, in der Vitamin D und Fluorid enthalten sind. Spätester Beginn für die Vitamin-D-Prophylaxe sollte jedoch der zweite Lebensmonat des Kindes sein.

Sofern das Kind im Herbst oder Winter geboren wurde, kann der Gesamzeitraum der Vitamin-D-Prophylaxe auch verlängert werden, da die natürliche Sonneneinstrahlung die Vitamin-D-Bildung in der Haut normalerweise unterstützt, was jedoch gerade in den bewölkten, regnerischen und kalten Herbst-/ Wintermonaten schwierig ist.

Zudem zeigt sich die Fähigkeit der Vitamin-D-Bildung in der Haut bei jedem Kind abhängig von seiner individuellen Haut-Pigmentierung. Sonst würden tägliche Spaziergänge an der frischen Luft wahrscheinlich schon ausreichen, um das Baby mit ausreichend Vitamin D zu versorgen, was allerdings – und hier kommt der Haken an der Geschichte – ohne Sonnenschutz für Babys empfindliche Haut sehr gefährlich sein kann. Mit Sonnenschutz hingegen wird die Vitamin-D-Bildung in der Haut natürlich erheblich reduziert und erschwert.

Auch Kinder, die nicht gestillt werden, haben einen erhöhten Vitamin-D-Bedarf, da auch Säuglingsnahrung nicht auf die Aufhebung dieses Mangels ausgerichtet ist. Empfohlen wird hier die Zufütterung vitaminreicher Präparate, die Zufütterung von Milch, die mit Vitamin D angereichert ist oder die Zufütterung der so genannten Formula-Milch, die ebenfalls ausreichend Vitamin D enthält.

Dennoch: Wie bei der Vitamin-K-Prophylaxe wird auch für die Vitamin-D-Prophylaxe die Einverständniserklärung der Eltern verlangt. Denn ein Zuviel an Vitamin D kann ebenfalls Schäden in der Entwicklung des Kindes bewirken. Zu diesen Schäden gehören unter anderem: Bluthochdruck, Organschäden, Gefäßverkalkung und die Bildung von Nierensteinen, Gallensteinen etc.

Lassen Sie sich am besten von Ihrer Hebamme oder Ihrem behandelnden Kinderarzt vorab umfassend zu den Vor- und Nachteilen beraten, um eine kompetente Entscheidung für die Entwicklung Ihres Babys treffen zu können.

Ergänzung März 2011:

*Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat am „Tag der gesunden Ernährung“ am 07. März 2011 eine Empfehlung zur Versorgung von Säuglingen mit Vitamin D ausgesprochen. Dies betrifft die Dauer und die Dosis von Zugaben, über die noch immer widersprüchliche Angaben kursieren, was bei jungen Eltern vielfach zu Verunsicherung führt. Zusätzlich zur Muttermilch sollen Babys täglich 400-500 IE (Internationale Einheiten) Vitamin D3 erhalten. Dies gilt für die Zeit bis zum zweiten Frühsommer, ab der Geburt des Kindes gerechnet – also für ein Alter zwischen 12 und 18 Monaten. Die DGKJ empfiehlt weiterhin, die Vitamin D-Dosis mit einer Fluorid-Dosis von 0,25 mg täglich zur Vorbeugung von Karies zu kombinieren.

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