Phthalate dürfen zwar schon seit geraumer Zeit nicht mehr als Weichmacher in Spielzeugen verwendet werden, da ihnen nachgesagt wird, die kindliche Entwicklung zu beeinflussen. Und zwar ganz so, als ob dem Nachwuchs zusätzliche Dosen weiblicher Hormone verabreicht würden! Dennoch kommen kleine Kinder und vor allem auch bereits Babys im Mutterleib noch immer mit dieser bestimmten Gruppe von Chemikalien in Berührung. Denn von dem Verbot ihrer Verwendung sind andere Alltagsgegenstände wie beispielsweise zahlreiche Verpackungsmaterialien, Fußbodenbeläge aus Vinyl, Duschvorhänge, aber auch viele Kleinmöbel, die aus Plastik hergestellt werden, ausgenommen.

Eine US-amerikanische Studie der Universität von Rochester hat sich nun erneut dem Thema der Phthalate und ihrem Einfluss auf die Entwicklung von Kleinkindern angenommen. Mit der Erkenntnis, dass kleine Jungen, die sehr früh und vor allem in hohem Ausmaß mit diesen Weichmachern in Berührung gekommen sind, nicht selten in ihrem Verhalten zu kleinen Mädchen werden. Denn laut Studienergebnis werden sie durch Weichmacher verweichlicht. Oder, um genauer zu sein: verweiblicht.

Die Durchführung der Studie

Die Forschergruppe um Shanna Swan führte zum Nachweis des Einflusses der Phthalate auf das kindliche Gehirn eine Langzeitstudie durch. Startpunkt der Untersuchung war dabei der jeweils vierte Schwangerschaftsmonat der werdenden Mütter. Von diesem Zeitpunkt an wurden Mütter und Kinder insgesamt bis zu 7 Jahren begleitet, und vor allem die Kinder in ihrer Entwicklung, insbesondere jedoch in ihrem Spielverhalten beobachtet und untersucht.

Um den frühen Einfluss der Phthalate auf die Entwicklung des Kindes nachweisen zu können, wurden den werdenden Müttern folglich schon während der Schwangerschaft immer wieder Urin-Proben abgenommen.

Das Ergebnis der Studie

Als Studienergebnis zeigte sich, dass männliche Babys, die bereits im Mutterleib mit den Phthalaten DEHP und DBP in Berührung gekommen sind – was durch die entsprechenden Werte im Urin der Mutter nachgewiesen werden konnte – im Kleinkindalter einen hohen Bogen um das typische Jungen-Spielzeug machten. Stehen Autos und Carrera-Bahnen, Bagger und Eisenbahnen, Fußbälle und Schwerter bei kleinen Jungen ab einem gewissen Alter sonst eigentlich hoch im Kurs,  machten eben diese Kinder einen hohen Bogen darum. Und auch für das bei Jungen oftmals übliche Kräftemessen in Form von Rangeleien, hatten die durch Weichmacher “verweichlichten“ Kleinen nichts übrig.

Die Folgen der Phthalate

Den US-amerikanischen Experten zufolge nehmen die Weichmacher entsprechend auf der einen Seite Einfluss auf das kindliche Gehirn und unterdrücken bzw. blockieren auf der anderen Seite das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Dies zumindest zeigt die Entwicklung des Spielverhaltens der untersuchten Kinder.

Welche weiteren Auswirkungen der frühe Kontakt mit den Phthalaten DEHP und DBP noch nach sich zieht, kann hingegen nur vermutet werden. Jedoch ist laut Elizabeth Salter-Green, Direktorin von CHEM Trust, einem britischen Wohltätigkeitsverein zum Schutze des Menschen, nicht auszuschließen, dass sich weitere Verweiblichungen – so genannte Feminisierungen – später auch in der weiteren Entwicklung und damit vor allem in anderen Lebensbereichen dieser Jungen zeigen können.