Verfechter des KISS-Syndroms warnen vor dem „Auswachsen“ der Unstimmigkeiten. Wenn also ein Kind mit KISS-Symptomen ungehandelt bleibt, was in der Praxis zu erwarten ist, sind Folgeschäden zu erwarten. Im Laufe des Heranwachsens stellt sich der kindliche Organismus auf die besagte Symmetriestörung ein, findet eigene Mittel und Wege mit der Beeinträchtigung umzugehen und zeigt Anzeichen des KIDD-Syndroms.

Was ist das KIDD-Syndrom?

KIDD bedeutet: Kopfgelenk induzierte Dysgnosie und Dyspraxie. Wobei Dysgnosie gestörtes Wahrnehmen und Dyspraxie Entwicklungsverzögerungen oder Koordinationsstörungen ausdrücken. Das Kind kann also motorische Probleme haben; es bewegt sich nicht locker und flüssig, sondern fällt motorisch auf. Letzten Endes ist es ungeschickter als andere.

Ferner weisen laut KIDD-Diagnose folgende Anzeichen auf ein früheres KISS-Syndrom hin:

  • Schwierigkeiten beim Lernen und Konzentrieren
  • Dyslexie (Leseschwäche mit organischem oder psychischen Hintergrund)
  • Dyskalkulie (Rechenschwäche)
  • Kopfschmerzen, Migräne, Rücken- und Kniebeschwerden
  • ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) und ADHS (ADS mit Hyperaktivität)
  • Probleme mit Fein- und Grobmotorik
  • kieferorthopädische Fehlstellung (Fehl-, Über- und Kreuzbiss)
  • nächtliches Wasserlassen, gestörter Schlaf
  • Tinnitus, Schwindel

KIDD – eine Mutmaßung?

Die reine Faktenlage spricht gegen das Kidd-Syndrom. Ein wahres Sammelsurium von Beschwerden vereint unter dem Dach einer Blockierung im Kindesalter. Der Streit zwischen Alternativ- und Schulmedizin geht weiter. Und er bekommt zusätzliche Nahrung aus dem Lager der Manualtherapeuten. Auch sie üben Kritik an den Medizinern der „European workgroup for manual medicine“ (EWMM), den maßgeblichen Fürsprechern beider Diagnosen. Die „Ärztegesellschaft für Atlastherapie & Manuelle Therapie e.V.“ (ÄGAMK) ist der Ansicht statt KISS und KIDD den Begriff Tonusasymmetrie-Störung zu verwenden und beanstandet die Atlastherapie nach Arlen im Kindesalter. Sie warnt vor Behandlungsrisiken. Ärzte der Gesellschaft für Neuropädiatrie sehen die Thematik KISS und KIDD als hypothetisch und nicht zu halten an. Wie bei allen Differenzen liegt die Wahrheit eventuell in der Mitte.

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KIDD-Syndrom: Therapie für Jugendliche und Erwachsene

Wer unter den beschriebenen Belastungen leidet, sucht Abhilfe und wird sicherlich fernab von Medikamenten und Apparaten fündig. Verschiedene Methoden und Ansätze sollen KIDD lindern oder ausheilen. Dabei steht manualtherapeutisches Vorgehen nicht mehr so im Vordergrund wie es bei KISS der Fall ist. Andere unkonventionelle oder natürliche Verfahren kommen zum Einsatz, wie z.B.: Psychotherapie für Kind oder Familie, Ergotherapie, Motopädie, sensorische Integrationstherapie (beispielsweise therapeutisches Reiten) oder die Behandlung mit homöopathischen oder herkömmlichen Medikamenten. Wie auch beim KIDD-Syndrom sind diese Therapien generell keine Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Inwieweit die privaten Krankenversicherer Kosten übernehmen, sollte der Patient vor Behandlungsbeginn klären. In manchen Fällen tragen die Kassen einzelne Leistungen, sofern nicht unter KIDD laufen.

Quintessenz

Keinesfalls dürfen Eltern von kleinen und großen Patienten sich beschwichtigen lassen, denn jedes Symptom hat seine Ursache und der sollte nachgegangen werden. Erst wenn organisch kein Befund nachweisbar ist und das Kind schulmedizinisch wohlauf ist, möge die ganzheitliche Sichtweise zur Anwendung kommen. Spirituelle oder esoterische Sitzungen haben mit wissenschaftlicher Medizin nichts mehr zu tun. Vertrauen Sie ruhig auf ihren gesunden Menschenverstand und ihr Bauchgefühl!

Handbuch KISS KIDDs: Entwicklungsauffälligkeiten im Säuglings-/Kleinkindalter und bei Vorschul-/Schulkindern - Ein manualmedizinischer Behandlungsansatz
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