Haben wir es viele Monate lang kaum erwarten können, dass der Nachwuchs endlich seine ersten Worte spricht, so kommt irgendwann die Phase, in der wir uns sehnlichst einen Ausschalter für den ewig plappernden Kindermund wünschen. Vor allem, wenn die oder der Kleine die Frageform für sich entdeckt hat. “Wieso“ und “Weshalb“ sind zwar im Wortschatz noch nicht wirklich enthalten, aber dafür ein ununterbrochenes “Warum?“

Auch wenn diese Fragerei manchmal und vor allem auf Dauer sehr anstrengend sein kann, zeigt es doch, wie gesund sich das Kind entwickelt. Dem, was es neu aufschnappt, hört, sieht, riecht, fühlt, schmeckt oder entdeckt, will es auf den Grund gehen. Und zwar ganz genau! Und da es das alleine nicht kann, werden halt Mama oder Papa aktiv in die Entdeckungstour eingebunden. Denn sie wissen die Antwort bestimmt.

Warum haben Tiger Streifen?: 60 schlaue Kinderfragen
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Warum haben Tiger Streifen?: 60 schlaue Kinderfragen
  • Katie Daynes
  • Herausgeber: Usborne Publishing
  • Auflage Nr. 1 (01.03.2014)
  • Gebundene Ausgabe: 14 Seiten

Kinderfragen: Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es steht

Doch genau hier liegt das Problem – zumindest in den Augen vieler Eltern. Denn Kinderfragen bringen auf den Punkt, was ihnen auffällig erscheint, von Erwachsenen aber oftmals gar nicht hinterfragt, sondern einfach als bestehende Tatsache angenommen worden ist. Deshalb haben wir nicht immer – und manchmal sogar nur äußerst selten – die richtige Antwort für unsere weltoffenen und über fast alles staunenden Kinder parat.

Das jedoch ist gar nicht schlimm, zumindest dann nicht, wenn wir die Fragen unserer Kinder ernst genug nehmen, um ehrlich zu antworten. Und zu einer ehrlichen Antwort gehört eben auch, als Erwachsener zuzugeben, dass man die Antwort nicht weiß oder sie erst einmal nachschlagen muss. Zu einer ehrlichen Antwort gehört ebenso, dass man seinem Kind zwischendurch auch sagen kann und sagen darf, dass die Fragerei für Mama oder Papa gerade ein wenig anstrengend wird oder nicht in den zeitlichen Rahmen passt, weil bestimmte Aufgaben noch erledigt werden möchten, man sich konzentrieren muss, vielleicht gerade Kopfschmerzen bekommt – natürlich nur, wenn das wirklich der Fall ist – oder müde wird.

Solange die Antwort ehrlich ist, fühlen sich Kinder trotz aller und vor allem in ihrer Neugier ernst genommen. Dann können sie auch akzeptieren, dass die Eltern keine Antwort wissen, sie ihnen später liefern oder im Moment einfach keine Zeit dafür haben. Zumindest dann, wenn all das eher die Ausnahme als die Regel darstellt.

Denn Kinder versuchen über ihre Fragen die Welt, in der sie leben, zu entdecken, zu erfahren und vor allem zu verstehen. Mit jeder zufrieden stellenden Antwort, die sie auf eine ihrer Fragen bekommen, werden sie sicherer und selbstbewusster im Umgang mit sich und ihrer Umwelt.

Wenn sie hingegen in ihrer kindlichen Neugier einfach abgewertet werden durch Formulierungen wie: „Das sage ich Dir, wenn Du groß bist“, „Dafür bist Du noch viel zu klein“ oder „Meine Güte, kannst Du nicht einmal für wenigstens 5 Minuten aufhören mit Deiner Fragerei“, dann hemmt das nicht nur ihren natürlichen Entdeckerdrang, es macht sie auch unsicher, weil sie sich mit ihren Fragen allein gelassen fühlen.

Gemeinsam mit Mama und Papa auf spannender Entdeckungstour

Ein Trick, um herauszufinden, wie wichtig die Frage wirklich für das Kind augenblicklich ist, ist, mit einer Gegenfrage wie beispielsweise „Warum fragst Du das?“ oder „Was möchtest Du denn genau wissen?“ zu antworten. Eine solche Frage verschafft nicht nur Zeit, sie überprüft auch, WARUM das Kind gerade fragt.

Haben Mama oder Papa aber Zeit und Muße, dann lohnt es sich für alle Beteiligten auf jeden Fall, sich wirklich auf die Frage des Kindes einzulassen, um die passende Antwort zu finden. Dabei kann das Kind, je nach Alter, aktiv in den Findungsprozess eingebunden werden. So können Eltern und Kind gemeinsam überlegen, wie die Antwort lauten oder wo man sie finden könnte, was das Kind denkt, warum etwas so ist wie es ist, was Mama oder Papa denkt, warum etwas ist wie es ist. Gemeinsam können Bücher und Lexika gewälzt oder das Internet umgekrempelt werden.

Wichtig ist jedoch zu erkennen, warum das Kind gerade diese Frage stellt. Zum einen lässt sich so herausfinden, was das Kind gerade beschäftigt, zum anderen ist davon auch die Art der Antwort abhängig. Denn jüngere Kinder suchen oftmals weniger die sachliche Antwort, sondern die emotionale.

Beispielsweise wenn sie Angst vor Geistern haben und deswegen nicht einschlafen wollen. Auf die Frage, warum Mama und Papa sicher sind, dass heute Nacht kein Geist kommt, möchten die Kinder eine Antwort, die ihr Gefühl beruhigt, nicht ihren Verstand. Ältere Kinder hingegen möchten zumeist sachliche Antworten, die sie mit Informationen versorgen.

Denn wie heißt es so schön: „Wer, Wie, Was? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!“