Quadratisch, praktisch, gar nicht gut: Zu viel Fernsehen macht Kinder dick & dumm. Zugegeben, nicht alles, was sich Kinder im Fernsehen anschauen, ist auch wirklich gehaltvoll. Auf jeden Fall aber gehaltvoll – und das im wahrsten Sinne des Wortes – ist die Tätigkeit des Fernsehens selbst, denn es macht Kinder erwiesenermaßen dick. Zwei Stunden täglich vor dem Bildschirm reichen aus, um das Risiko zu erhöhen, dass Kinder später an Übergewicht leiden – und zwar in 70 Prozent der Fälle.

Zu viel fernsehen hemmt den natürlichen Bewegungsdrang

Das Fernsehprogramm löst auf viele Kinder einen faszinierenden Reiz aus. Oftmals auch dann, wenn eigentlich überhaupt nichts Interessantes läuft. Aber die bewegten Bilder zu verfolgen, ist für viele Kinder anscheinend schon Bewegung genug. Für ihren kleinen Körper ist es das jedoch nicht. Denn Kinder verfügen eigentlich über einen für sie typischen Bewegungsdrang, auf den ihre tägliche Energiezufuhr ausgerichtet ist. Wird diese nicht genutzt, da Kinder vor dem Fernseher weder viel Energie, geschweige denn überflüssige Kalorien abbauen, speichern sich die Energiereserven im Körper an.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Stoffwechsel, im medizinischen Fachjargon Metabolismus genannt, beim Fernsehen noch weiter herunter geregelt wird als wenn das Kind auf seinem Bett sitzen und in einem Bilderbuch blättern würde. Denn beim stupiden “Auf-den-Bildschirm-Starren“ ist der Muskeltonus noch schlaffer als im genannten Gegenbeispiel. Der bei manchen Kindern über Stunden herunterregulierte Stoffwechsel und der damit verbundene, mangelnde Energieverbrauch im frühen Kindesalter ist somit die erste Basis, um später unter Übergewicht zu leiden. Dementsprechend sollte der Fernsehkonsum nicht nur eingeschränkt werden, sondern jeder Fernseheinheit auch eine Bewegungsrunde folgen – ausgelassenes Toben mit Mama im Garten, ein Wettrennen um den Häuserblock mit Papa oder eine Kletterpartie mit dem Geschwisterchen auf dem Spielplatz gleichen die mangelnde Bewegung dann auch wieder aus.

Kino samt Popcorn frei Haus

Auch wenn viele der Sendungen, die Kinder so im Fernsehen verfolgen, nicht wirklich gehaltvoll sind, sind es die Speisen, die kleinen Knabbereien und Süßigkeiten, die sie dabei zu sich nehmen, oftmals umso mehr. Fernsehen, ohne dabei auf etwas herum zu kauen, scheint bei Kindern nicht so wirklich zu funktionieren. Deshalb werden ihnen genau hier oftmals allerlei Kleinigkeiten gereicht, mit der sich die Gefahr des Übergewichtes zudem noch erhöht. Denn als Folge essen Kinder weniger zu den eigentlichen Mahlzeiten, aber dafür umso mehr zwischendurch. Und das in manchmal erstaunlichen Mengen. Denn von den flimmernden Bildern sind die Kinder oftmals so abgelenkt, dass sie zwar noch knabbern und kauen können, aber nicht merken, dass sie eigentlich schon längst satt sind. Wie ungesund die vielen Kleinigkeiten zwischendurch sein können, ist ja schon hinreichend bekannt. Nichtsdestotrotz müssen Kinder naschen – aber in diesem Fall eben nicht unbedingt vor dem Fernseher. Und wenn das nicht vermeidbar ist, dann wenigstens als klar eingeteilte Portion, auf die auch kein Nachschub folgt.

Zu viel fernsehen schadet der natürlichen Gehirnentwicklung

Eigens errichtete Babysender, kindgerecht produzierte Sendungen, wissenschaftliche Vorschul-Experimente – die Medienindustrie bemüht sich, ihre Programme altersgerecht zu gestalten. Dennoch ist nichts so umstritten wie die Frage, ob das Fernsehen Kinder im Kleinkind-, Kindergarten-, Vorschul- oder Schulalter bei ihrer Entwicklung fördert oder im Gegenteil, ob es sie in ihren geistigen Fähigkeiten nicht sogar hemmt und nachhaltig negativ beeinflusst.

Neueste Erkenntnisse aus der Hirnforschung empfehlen, Kinder und Fernsehen bis zum 6. Lebensjahr erst einmal strikt voneinander zu trennen, da das Gehirn bis zu diesem Zeitpunkt für die erforderliche Informationsverarbeitung noch nicht entwickelt ist. Und zwar deshalb, weil die kindlichen Sinne untereinander kommunizieren und sich gegenseitig informieren. Übersetzt heißt das nichts anderes als: Kinder lernen ganzheitlich, mit allen Sinnen gleichzeitig.

Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken

Gehirnforscher Dr. Dr. Manfred Spitzer beispielsweise sagt, dass ein Kind lernen muss, ob das, was es sieht, nur ein ungefährlicher Schatten oder doch vielleicht eine scharfe Kante ist. Dass es eine scharfe Kante war, weiß es, sobald es sich daran gestoßen hat. Diese Erfahrungen unterstützt das Fernsehen nicht, da Bild und Ton nicht nur aus verschiedenen Richtungen kommen, sondern auch nicht mit allen Sinnen gleichzeitig erfahren werden können.

Fernsehen riecht nicht, schmeckt nicht, ist nicht greifbar. Für den Gehirnforscher ist somit klar, dass sich durch das Fernsehen im Baby- oder frühkindlichen Alter „in den Arealen des Gehirns, die sich zuerst entwickeln, weniger und unschärfere Repräsentationen der Welt ablagern.

Darauf aufbauend entstehen dann die komplexeren Hirnregionen. Wenn also die Informationen schon in den ersten Arealen unscharf sind, ist die ganze spätere Entwicklung des Gehirns beeinträchtigt!“ Seine Meinung teilen zwar nicht alle Medienpädagogen, aber dennoch viele seiner Kollegen aus dem Bereich der Hirnforschung.

Demnach ist das Fernsehen bis zum 6. Lebensjahr nicht kindgerecht – nicht wegen seiner Inhalte, sondern weil die Form der Informationsvermittlung dem kindlichen Hirn nicht gerecht wird. Zumindest streiten sich die Experten hier ausnahmsweise mal nicht um die Qualität und den Gehalt des Fernsehprogramms – auch das ist mal eine neue Erkenntnis.