Kleinkindern richtig vorlesen: 10 Tipps für eine spannende Leserunde
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Ein Kinderbuch für Dreijährige kann Eltern manchmal ganz schön ins Schwitzen bringen, denn kaum ein Satz kann zu Ende gelesen werden, ohne dass der Nachwuchs eine Zwischenfrage stellt, die Seite umblättert oder aufgeregt erzählt, dass er beispielsweise auch schon einmal eine Katze wie den gestiefelten Kater gesehen hat. Wer nicht weiß, dass Vorlesen für Kleinkinder ein ganz intensiver Dialog mit Mama oder Papa ist, verliert dabei nicht selten die Lust am Lesen.

Deshalb sollten Mama, Papa, Oma oder Opa einige Regeln zum Vorlesen kennen, damit die Leserunde für beide Seiten zu einem einzigartigen, intensiven und vor allem kommunikativen Erlebnis wird.

1. Bücher brauchen die richtige Atmosphäre

Vorlesen ist für viele Kleinkinder das Größte. Vor allem dann, wenn sie sich gemeinsam mit Mama oder Papa ganz auf die Geschichte konzentrieren können. Dazu gehört natürlich die richtige Atmosphäre. Und zur Atmosphäre gehört, dass nichts vom intensiven Dialog mit dem Buch ablenkt.

Entsprechend sollten Fernseher und Radio ausgeschaltet bleiben, das Telefon in der Zeit ignoriert und auch Seitengespräche vermieden werden.

Wo gemeinsam gelesen wird, ist dabei ebenfalls nicht unerheblich, denn das Bett, das Sofa, der Sessel oder auch der Schaukelstuhl laden geradezu zum Kuscheln mit Mama und Buch ein, wohingegen zwischen Tür und Angel als auch der Küchentisch sich nicht gerade anbieten.

2. Jedes Buch hat seine Zeit

Vorlesen ist vor allem am Abend sehr beliebt, kurz vorm Einschlafen. Ein lieb gewonnenes Ritual, das sich aber auch für jede andere Tageszeit eignet. So beispielsweise als Einstimmung in den Mittagsschlaf oder zum gemütlichen Wieder-Wach-Werden kurz danach.

So oder so, mit dem Vorlesen lassen sich liebenswerte Rituale gestalten, die Entspannung, Nähe und Vertrautheit bringen.

Und wenn Ihr Kind außerhalb der festen Lesezeiten Lust auf ein Buch hat, sollten Sie der Aufforderung unbedingt nachkommen. Denn nichts ist für ein Kind schöner als zu lauschen, zu lernen und die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Eltern zu erhalten.

Möchte es jedoch nicht lesen, sollte es dazu auch nicht gezwungen werden. Zumindest dann nicht, wenn Sie möchten, dass Ihr Kind auch später weiterhin gerne von selbst ein Buch in die Hand nimmt, um darin zu lesen.

3. Gemeinsam lesen ist mehr als Vorlesen und Zuhören

Auch wenn es eigentlich “Vorlesen“ heißt, Kinder verstehen darunter etwas ganz anderes. Sie möchten mitreden, Zwischenfragen stellen, Erklärungen bekommen, vielleicht sogar die Geschichte in ihrer eigenen Fantasie weitererzählen.

Auch wenn Sie dabei vielleicht nicht bis zum Ende eines einzelnen Kapitels, geschweige denn bis zum Ende des Buches kommen, Hauptsache ist, Sie widmen sich Ihrem Kind und bleiben mit ihm im Dialog, den es mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln sucht. Denn fast noch wichtiger als die Geschichte sind Sie als sein Gesprächspartner.

Deshalb dürfen auch Sie Fragen zur Geschichte stellen, womit Sie gleichzeitig kontrollieren können, ob Ihr Kind noch immer bei der Sache ist, auch wenn es oftmals nicht so scheint. Sie werden überrascht sein, wie aufmerksam Ihr Kind trotz aller Zwischenfragen und dem Vorblättern der einzelnen Seiten dennoch ist.

4. Kinderbücher gehören in Kinderhände – Teil 1

Natürlich brauchen Kinder Anregung, aber sie haben auch sehr früh schon einen eigenen Geschmack, wissen, was ihnen gefällt und können Ihnen das auch mitteilen.

Deshalb sollten Sie ihrem Kind so oft wie möglich die Gelegenheit geben, das Buch, das gelesen werden soll, selbst auszusuchen. Das gilt sowohl für das heimische Bücherregal im Kinderzimmer als auch für Leihbüchereien, Buchhandlungen und Büchermärkte. Natürlich immer gemäß der Altersfreigabe.

Denn je größer das eigene Interesse Ihres Kindes an dem Buch ist, desto mehr wird es sich auf das gemeinsame Vorlesen freuen und das Eintauchen in die Geschichte kaum erwarten können.

Vor allem aber kann es, wie wir Erwachsenen auch, aus seiner Stimmung heraus entscheiden, was es gerne hören würde.

5. Kinderbücher gehören in Kinderhände – Teil 2

Und natürlich sollte das Kind in SEINEM Buch aus jederzeit herumblättern dürfen. Es macht nichts, wenn es, während Sie den Satz eigentlich noch zu Ende vorlesen möchten, schon einige Seiten weiterblättert, um zu sehen, welche Bilder noch kommen werden. Manchmal blättert es auch zurück, um etwas Gehörtes zu verinnerlichen.

Machen Sie in diesen Fällen beim Vorlesen einfach eine Pause und warten Sie, bis Ihr Kind das entdeckt hat, wonach es gesucht zu haben scheint. Denn innerhalb dieser Pause wird es auch ohne vielleicht fündig geworden zu sein, bemerken, dass Sie mitten im Vorlesen gestoppt haben und sich wieder Ihnen und Ihrer Stimme zuwenden, um zu erfahren, wie es nun wirklich mit der Geschichte weitergeht.

6. Kinderbücher gehören in Kinderhände – Teil 3

Es gibt sie, die Bücherliebhaber, die niemals etwas in einem Buch markieren, eintragen, geschweige denn ein Eselsohr in eine der Seiten knicken würden, um zu wissen, wo sie mit dem Lesen aufgehört haben.

Kinder hingegen gehen definitiv anders mit ihren Büchern um. Sie lieben es, sie ausgiebig zu betrachten, die Seiten umzublättern, ohne darauf zu achten, ob sie nun ein, zwei oder drei Seiten gleichzeitig erwischen und damit vielleicht eine von innen knittert. Und manchmal malen sie sogar hinein.

Seien Sie nachsichtig, denn eigentlich sollten Bücher, die heiß und innig geliebt und gelesen werden, auch gelesen aussehen.

7. Geschichten aus 1001er Nacht

1001 abwechslungsreiche Märchen – genau davon scheinen gerade kleine Kinder noch nie etwas gehört zu haben. Im Gegenteil, zielsicher suchen sie sich wieder und wieder dieselbe Geschichte aus, die von Mama oder Papa vorgelesen werden soll.

Auch wenn Sie das Buch schon nicht mehr sehen können, für Ihr Kind sind das wiederholte Hören des Textes und das Betrachten der Bilder von enormer Bedeutung.

Denn dadurch lernt es, die Geschichte zu verinnerlichen, Zusammenhänge nach und nach zu begreifen und vor allem, selbst das Buch “zu lesen“. Denn nicht selten findet man die kleinen Bücherwürmer dann mit dem Buch allein im Zimmer, wo sie der lustigen und bunt zusammengewürfelten Truppe aus sämtlichen ihrer Kuscheltiere fast eins zu eins die Geschichte erzählen oder besser: in ihrer kindlichen Art ebenfalls “vorlesen“.

Und wenn Sie die Geschichte gar nicht mehr hören können, dann verändern Sie sie doch einfach mal. Entweder Ihr Kind wird Sie begeistert mit seiner Fantasie unterstützen, oder aber Ihnen unmissverständlich mit den Worten: „Aber das steht da doch gar nicht!“ zeigen, dass es die Geschichte so hören möchte, wie es sie kennt.

8. Jede Figur braucht ihren Charakter

Vorlesen ist nicht gleich vorlesen. Mama kann es ganz gut, Papa ist der erklärte Weltmeister, bei Oma versteht man jedes Wort, aber beim Opa ist Vorlesen irgendwie langweilig.

Natürlich kann nicht jeder gleich gut lesen, aber der Vorleser – und in diesem Falle ist es ganz gleich, wer das ist – ist ein Erzähler. Ein allwissender sogar.

Er weiß, wie die einzelnen Stimmen der Figuren oder Tiere im Buch klingen und kann sie dementsprechend imitieren. Er weiß, wann der Frosch lauthals drauf losquakt, die Katze zufrieden und selig schnurrt, oder wann der Hund drohend zu bellen beginnt. Er kennt die leisen und die lauten, die lustigen und lachenden, die drohenden und gefährlichen, aber auch die traurigen und wehmütigen Töne der Geschichte.

Und genau deshalb sollte sie auch so erzählt werden – manchmal mit verstellter Stimme, aber auch mit unterstreichenden Gesten und ausdrucksstarker Mimik. So machen Sie es Ihrem Kind nicht nur einfacher, der Geschichte zu folgen, sondern stärken auch sein Einfühlungsvermögen, wenn es darum geht, in der Stimme oder den Gesichtern anderer zu lesen. Und zu guter Letzt kommt der Spaß dabei garantiert nicht zu kurz.

Hier der Schnellkurs:

  • Lesen Sie immer langsam und deutlich vor
  • Arbeiten Sie beim Vorlesen mit Ihrer Stimme, vor allem hinsichtlich der Lautstärke
  • Spannende oder dramatische Inhalte lesen Sie am besten mit leiser Stimme vor
  • Möchten Sie die Spannung noch verstärken, arbeiten Sie mit kurzen Pausen
  • Lustige Inhalte werden am besten lauter und mit fröhlicher Stimme vorgelesen
  • Geben Sie den einzelnen Charakteren der Geschichte eine persönliche Stimme
  • Achten Sie darauf, dass diese Stimmen zu den Charakteren passen
  • Unterstreichen Sie das Vorgelesene mit passender Gestik und Mimik
  • Lassen Sie gegebenenfalls die Figuren des Buches mit Ihrem Kind sprechen, um es aktiv in die Geschichte eintauschen zu lassen und mitzumachen
  • Stellen Sie, wenn Sie es möchten und Ihr Kind das mag, ab und an Zwischenfragen, um mehr über Ihr Kind, sein Denken und seine Gefühlswelt zu erfahren – und natürlich, um zu kontrollieren, inwieweit es der Geschichte bislang gefolgt ist oder folgen konnte

9. Nach dem Vorlesen ist noch nicht Schluss

Wer das Vorlesen, beispielsweise vor dem Zubettgehen, von vornherein auf 10 Minuten begrenzen möchte, tut seinem Kind damit oftmals keinen Gefallen. Denn je aktiver es an der Geschichte teilnimmt, desto mehr werden Sie das gesetzte Zeitlimit überschreiten.

Dennoch ist diese Zeit wichtig für Ihr Kind. Also lieber öfter mal ein Auge zudrücken als auf die straffe Einhaltung des Zeitplans zu beharren und sich vor allem ab und an auch mal ein wenig Extra-Zeit nehmen, um über das Gehörte und Gesehene noch ein wenig zu sprechen.

Und wenn Ihr Kind wirklich überhaupt kein Ende findet, arbeiten Sie mit dramaturgischem Geschick, indem Sie an einer ganz spannenden Stelle stoppen und versprechen, genau dort am nächsten Abend weiter vorzulesen.

So kann Ihr Kind sich im Bett noch eine Weile ausmalen, wie die Geschichte wohl weitergehen wird und sich auf die tatsächliche Fortsetzung am nächsten Abend oder am nächsten Nachmittag freuen und ihr aufgeregt entgegenfiebern.

10. Nicht jedes Buch braucht ein Bücherregal

Bücher lieben Bücherregale, das ist wohl wahr. Aber nicht jedes Kind liebt es, seine Bücher nur in diesem stehen zu haben. Ein Bücherregal oder sogar eine kuschelige Leseecke im Kinderzimmer sollte es aber dennoch geben. Nicht nur allein der Ordnung wegen, sondern auch, um zum Vorlese-Ritual sämtliche Bücher im Überblick zu haben, um dann gezielt dasjenige aussuchen zu können, das es diesmal werden soll.

Trotzdem brauchen Kinder auch andere Stellen für ihre Bücher. Nämlich genau innerhalb der Räume, in denen sie sich sonst noch aufhalten. Und natürlich auch dort, wo Mamas und Papas Bücher liegen.

Warum das für die Kleinen so wichtig ist? Kleine Kinder laufen nicht zurück in ihr Zimmer und nehmen sich ein Buch, um darin zu blättern, wenn ihnen gerade langweilig ist. Aber fällt ihr Blick zufällig auf eines ihrer Bücher auf dem Küchenstuhl, während Mama das Essen zubereitet, werden sie aufs Neue dafür begeistert. Und wenn Mama eine Auszeit braucht und sich gemütlich mit einer Zeitschrift auf die Couch kuscheln möchte, können vielleicht beide – Mama und Kind – ihre Lektüre aus dem Zeitschriftenständer entnehmen, um gemütlich aneinandergekuschelt zu blättern und zu stöbern.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Vorlesen!

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