Soffi musste die ganze Zeit nachdenken. Morgen würde sie Eier suchen und hoffentlich jede Menge Süßigkeiten finden. Sie schlenderte so den schönen Waldweg entlang, den sie schon sooft mit Papa gegangen war. Sie schaute sich alles ganz genau an. Denn sie hoffte immer darauf irgendwo den Osterhasen zu treffen. Ihre Oma hatte ihr nämlich erzählt, dass der Osterhase jetzt kurz vor Ostern durch die Städte von Haus zu Haus geht und nachsieht, ob auch alle Kinder brav waren. Wenn ein Kind überhaupt nicht artig war, bekommt es nämlich überhaupt keine Eier zu Ostern.

Soffi war natürlich ganz lieb und sie freute sich riesig auf die Eiersuche. Als sie an eine Lichtung kam sah sie tatsächlich einen Hasen. Er hoppelte geradewegs auf einen Busch zu. Soffi war neugierig. „Kann das der Osterhase sein?“ Sie entschloss sich nachzusehen und folgte dem Hasen in den Busch. Dort war es dunkel und irgendwie war es Soffi mulmig zumute. Doch sie nahm all ihren Mut zusammen und ging weiter vorwärts. Plötzlich kam sie an ein großes Loch. Es sah aus wie ein großes Hasenloch. Soffi schluckte. „Vielleicht ist er ja dort hineingegangen!“ Soffi schaute und kroch langsam in das große Loch. Das Loch war dunkel und es war sehr feucht. „Vielleicht sollte ich lieber wieder umkehren!“ Soffi hatte Angst.

Doch auf einmal hörte sie etwas. Es klang wie Kinderlachen. Soffis Neugierde siegte. Sie ging weiter und sah ein Licht. „Dort muss der Tunnel zu Ende sein.“ Soffi ging schneller und als sie das Ende des Loches erreichte, traute sie ihren Augen nicht. Was sie gehört hatte, war tatsächlich Kinderlachen. Doch sie sah keine Kinder. Sie stand mitten in einem Dorf. Und überall in diesem Dorf lebten Hasen. Große und kleine Hasen, alte Hasen und Kinderhasen. Die Kinderhasen lachten und spielten. Alle trugen Anziehsachen. Die Mädchen trugen Kleider, die Jungen Hosen. Als die kleinen Hasen Soffi bemerkten wurde es ganz still. Ein Hasenjunge rannte weg. Ein kleines Hasenmädchen versteckte sich zitternd hinter dem Bein eines größeren Hasen. Sie stotterte: „Wer bist du? Und wieso hast du gar keine langen Ohren? Wo ist dein Fell und dein Schwanz?“ Soffi schmunzelte und sagte: „Ich bin ein Mensch. Ein Menschenkind. Wir haben keine langen Ohren und auch kein Fell. Seid ihr etwas Osterhasen?“ Soffis Herz klopfte. So etwas hatte sie noch nie gesehen.

Sie hatte davon gehört und auch Oma hat ihr oft eine Geschichte vorgelesen von einem Land, wo die Osterhasen leben, in einem schönen Dorf, wo immer Frühling ist. „Stimmt es das bei euch immer Frühling ist?“, wollte Soffi wissen. Das Hasenmädchen hatte immer noch Angst. Plötzlich kam der Hasenjunge, welcher weggerannt war, zurück zusammen mit einem großen Hasen. Soffi sah, dass es derselbe Hase war, dem sie gefolgt war. „Guten Tag. Wer bist du? Und wie hast du hierher gefunden?“ Der Hase trat näher und schaute Soffi von oben bis unten an. „Normalerweise kann kein Mensch unser Dorf finden. Wie hast du es entdeckt?“ Soffi war verlegen. „Ich bin dir durch das große Loch gefolgt. Ich war doch so neugierig, ob es den Osterhasen wirklich gibt. Tut mir leid!“ „ Ach, wenn du schon mal hier bist, kann ich dir auch alles zeigen.“ Der Hase reichte ihr eine Pfote und zog Soffi hinter sich her. „Ich heiße Mümmelmann. Wie heißt Du?“ „Ich bin Soffi. Soffi Winterbaum.“ Soffi machte einen Knicks. „Freut mich sehr euch kennenzulernen.“

Das kleine Hasenmädchen war mittlerweile hervorgekommen und stellte sich vor Soffi:“ Komm ich zeige dir wie wir die Ostereier anmalen!“ Soffi freute sich:“ Wirklich? Das wollte ich schon immer wissen!“ Das Hasenmädchen lief voraus und rief:“ Ich heiße übrigens Bunny!“ Soffi lief hinter Bunny her und zu allererst hielten sie an einem großen Stall. „Hier sind die Hühner, die die Eier zu Ostern legen. Das sind ganz besondere Eier, denn sie sind schon gekocht. So sparen wir viel Arbeit.“ Soffi ging hinter Bunny her. Sie sah soviele Hühner wie niemals zuvor. Der Stall schien unendlich zu sein. Die Hühner waren aber keine normalen Hühner. Auch sie trugen Kleidung und es sah so aus, als seien sie ganz normale Familien. Nur das es keine Menschen waren. Ein Huhn war ganz durcheinander:“ Ohjeh. Ohjeh. Morgen ist Ostern. Wie soll ich das alles nur schaffen. Los Mädels wir müssen noch 100000 Eier legen, damit die Häsinnen sie schnell bunt anmalen können!“ Soffi war ganz vertieft in dem Treiben. Bunny sagte:“ Komm hier entlang. Ich zeige dir die Ostereieranmalwerkstatt. Soffi folgte Bunny und sie kamen durch eine riesige Tür. Sie gelangten in eine große Fabrik. Überall standen Tische und an jedem Tisch saßen zwei Hasenfrauen. Sie arbeiteten mühevoll mit den Händen und zauberten die schönsten Eier. Sie waren alle ganz vertieft in Ihrer Arbeit, sie bemerkten Soffi und Bunny nicht. Bunny lief plötzlich los. „Mama. Mama. Schau mal wir haben Besuch!“ „An einem Tisch sitzt also die Mutter von Bunny.“, dachte Soffi. Sie begrüßte die Hasenmutter freundlich. „Na wen haben wir denn hier. Mein Mann hat mir schon erzählt, dass du kommst. Er sagte du seist ein besonderes Kind und das erste welches unser Dorf gefunden hat. Er meinte ich solle dir dafür ein besonders schönes Ei geben!“ Die Hasenfrau hielt Soffi ein goldenes Ei hin. „Das ist ein Ei speziell für dich. Pass gut darauf auf.“ Die Hasenfrau lächelte. Soffi bedankte sich und schaute zu Bunny. Bunny sagte: „Noch eine Station haben wir vor uns. Das ist da, wo die Eierkörbe fertig geschmückt werden. Achja und natürlich kommen wir noch am Blumenfeld vorbei. Da wirst du staunen!“, kicherte Bunny.

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Soffi folgte ihr und sie gingen wieder nach draußen. Vor Soffi erstreckte sich eine gewaltige Blumenwiese. „Soviele Blumen habe ich noch niemals gesehen!“ Soffis Augen glänzten. Sie hatte sich viel erhofft, aber so schön hatte sie sich das Osterdorf nicht vorgestellt. Am Ende des Feldes sah Soffi etwas Glänzendes. „Das müssen die Osterkörbe sein!“ Soffi war ganz aufgeregt und sie konnte es kaum erwarten zu sehen, wie die Körbe angefertigt werden. Als sie endlich ankamen schaute sich Soffi alles ganz genau an. Es gab viele verschiedene Körbe in allen erdenklichen Farben und Größen. „Die ganz kleinen Körbe sind für die kleinsten Kinder und die Großen natürlich für größere Kinder. Und dann gibt es noch die Körbe für die Erwachsenen. Sie suchen zwar keine Eier mehr, aber auch Erwachsene genießen die Schönheit von Ostern und Frühling.“ Bunny sah wie glücklich Soffi war und sie freute sich riesig darüber. „Du Soffi? Ich hoffe du wirst mich niemals vergessen. Du bist doch ab jetzt meine richtige liebe Freundin oder?“ Bunny schaute erwartungsvoll. „Aber natürlich kleines Hasenmädchen!“ Soffi streichelte Bunny über das Fell. „Und das da, das ist dein Korb Soffi.“ Bunny hielt Soffi einen wunderschönen Korb hin. In dem Korb lagen bunte Eier und Schokoladenhasen. Geschmückt wurde er von einer roten Schleife und einer Narzisse. „Danke der ist wirklich wunderschön!“ Soffi umarmte Bunny. „So aber ich glaube nun musst du langsam heim gehen. Nachher machen sich deine Eltern noch Sorgen. Und Morgen ist doch Ostern. Das soll doch ein Fest der Freude sein.“ Soffi nickte. Zusammen mit Bunny ging sie zurück zum Dorf. Dort bedankte sich Soffi nochmal beim Osterhasen, seiner Frau und all seinen Gehilfen. Bunny führte Soffi dann zurück zum Hasenloch. „Du wirst mir sehr fehlen Soffi.“ Bunny schluchzte. „Du mir auch Bunny. Ich werde jedes Ostern an Dich denken.“ Soffi winkte und lief los. Die Höhle war noch dunkler und als Soffi endlich zum Ausgang kam, wurde es bereits dunkel.

„ Soffi!“ rief jemand. „Soffi! Wo bist du?“ „Oh nein. Mama und Papa suchen mich!“ Soffi lief schnell auf Ihre Eltern zu. „Entschuldigt Mama und Papa. Ich habe den Osterhasen gesehen und bin ihm in sein Osterdorf gefolgt und habe dort viel erlebt. Ich habe sogar ein goldenes Ei bekommen. Hier schaut!“ Soffi wollte ihren Eltern das Ei zeigen Doch es war nirgends zu finden. Soffi schaute sich um. Auch der wunderschöne Osterkorb war weg. Soffi war traurig und begann zu weinen. „Es ist weg. Alles ist weg!“ schluchzte Soffi. Ihre Mutter nahm sie in den Arm. „Hey nicht weinen Kleines. Lass uns nach Hause gehen. Es ist spät und du hast uns einen richtigen Schrecken eingejagt. Aber nun bist du ja da und bestimmt bist du sehr müde.“ Soffi nickte. Ihr Vater nahm sie Huckepack und trug sie heim. Unterwegs schlief Soffi ein und wurde erst am Ostersonntag früh morgens wieder wach. Sie rieb sich die Augen. „Ob das alles nur ein Traum war?“, fragte sich Soffi und ging ins Bad. Danach zog sie ihr schönstes Kleid an und ging hinunter in den Garten. Ihre Eltern und auch die Großeltern warteten schon. „Der Osterhase war hier. Willst du nicht los laufen und alles suchen?“, fragte ihre Oma und zwinkerte Soffi zu. Sie hielt Soffi einen Korb hin.

Soffi schaute auf den Korb und sah, dass es derselbe Korb war, den sie gestern im Osterdorf geschenkt bekommen hatte. Soffi war glücklich. „Ich laufe sofort los und suche!“ Soffi fand viele bunte Ostereier und viele Süßigkeiten und als sie dachte, das wäre nun alles sah sie in der Nähe des Zaunes zwischen den Blumen etwas glitzern. Sie lief los. In den Blumen lag das goldene Ei. Soffi sah erst jetzt das man das Ei öffnen konnte. Sie machte es auf und darin lagen ein Brief und daneben ein kleiner Kuschelhase, welcher genauso aussah wie Bunny. Auf dem Brief stand:“ Liebe Soffi. Als du losgelaufen bist, hast du wohl vor lauter Eile dein Ei und den Korb stehen lassen. Ich bin heute ganz früh losgegangen, um es dir zu bringen. Leider wusste ich nicht wie ich in den Zimmer komme, aber das war nicht schlimm. Eine liebe nette Frau hat mich entdeckt und mir gesagt, dass sie Dir alles übergeben wird. Ich glaube die Frau war deine Oma! Ich hoffe du vergisst uns nicht und kommst uns irgendwann wieder mal besuchen. Alles Liebe und Frohe Ostern! Deine Bunny.“ Soffi freute sich sehr und sie lief direkt zu ihrer Oma. „Danke Oma, dass du mir mein Ei und meinen Korb wiedergegeben hast.“ „Kein Problem mein Schatz. Ich weiß doch wie sehr du Ostern magst!“ Soffi sagte: Das ist das schönste Ostern, was ich jemals hatte!“ Zusammen mit Ihrer Familie ging Soffi ins Haus. Und am Frühstückstisch erzählte Soffi ihr Erlebnis vom Osterdorf und vor allem erzählte sie von Ihrer neuen Freundin, Bunny!