Entgegen vielen Vermutungen ist die Schultüte (auch Zuckertüte genannt) keine deutsche Erfindung, sondern, so wird es überliefert, die eines muslimischen Pädagogen vor mehr als 1.400 Jahren. Damals wurde der eigentliche “Ranzen“, was nicht mehr als ein Beutel aus Leinen, Hanf oder Palmenfasern war, mit allerlei einfachen Leckereien wie Datteln und weiteren nützlichen Kleinigkeiten ausstaffiert, um den ersten Schultag für die Kinder zu einem ganz besonderen zu machen.

Heute wird nicht mehr der Ranzen mit überraschenden Kleinigkeiten gefüllt, sondern eben die konisch geformte Schultüte, die nicht selten fast so groß ist wie der Erstklässler selbst. In vielen Bundesländern ist sie besser bekannt unter dem Namen der “Zuckertüte“, da sie sowohl früher als auch heute noch oft mit allerlei Naschwerk oder Obst gefüllt wird, um den i-Männchen ihren ersten Schultag zu versüßen. Angeblich tauchte die Schultüte in Deutschland erstmalig im Jahr 1810 auf. Sichere Nachweise existieren aber erst ab dem Jahr 1817 und dann auch nur aus den größeren ostdeutschen Städten wie Jena, Dresden und Leipzig.

Die Schultüten-Tradition

Früher wurde die Schultüte nicht von den Eltern des i-Männchens, in manchen Bundesländern auch ABC-Schützen genannt, vorbereitet und am 1. Schultag feierlich überreicht, sondern von den Taufpaten. Heute gibt es zahlreiche Traditionen, die nebeneinander bestehen. Bei den einen sind es weiterhin die Paten, die sich um die Schultüte kümmern, bei anderen die Großeltern, oftmals natürlich weiterhin die Eltern, aber manchmal auch basteln die Kinder ihre Schultüten schon im Kindergarten selbst. Ob im Kindergarten, von Mama und Papa heimlich, als Gemeinschaftsleistung mit der Mama an spannenden Nachmittagen gemeinsam gebastelt, oder völlig unbemerkt von der Oma gekauft: Seiner Zuckertüte fiebert jedes Kind fast noch mehr entgegen als dem eigentlichen 1. Schultag.

Was kommt in die Schultüte

Die Meinungen darüber, was wirklich in die Schultüte gehört, gehen weit auseinander. So finden sich zu jedem Schulanfang Tüten, die ausschließlich mit Süßigkeiten gefüllt sind und dem Namen der Zuckertüte alle Ehre machen. Daneben Schultüten, in denen die Ausstattung zum Schulanfang in all ihren Einzelteilen – angefangen von Buntstiften bis zu hin zum ersten Füllfederhalter – liebevoll verpackt wurde. Andere, in denen das Kind eine Vielzahl an Spielzeug und Kuscheltieren findet. Und natürlich die Zuckertüten, die von jedem etwas – also Spielzeug, Schulausstattung und Süßigkeiten – für den großen Tag bereithält.

Süßigkeiten in der Schultüte

Wahrscheinlich ist der Mix aus allem die beste Variante, denn Ernährungswissenschaftler beispielsweise raten davon ab, gänzlich auf Süßigkeiten zu verzichten, auch wenn sie heute lange nicht mehr etwas so Besonderes für Kinder darstellen wie noch vor einigen Jahren als Naschwerk eher die Ausnahme als die Regel war. Da aber der bewusste Umgang mit Leckereien wichtig ist, und jedes Kind ab und an etwas naschen dürfen sollte, sollte auch die Zuckertüte entsprechend einige Süßigkeiten bereithalten. Zumindest einige wenige und vielleicht auch zuckerfreie.

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Radiergummi & Füllfederhalter in der Schultüte

Gleiches gilt für die Schulausstattung, denn auch sie gehört eigentlich ebenso wenig komplett in die Zuckertüte. Kleinigkeiten, wie der erste Füllfederhalter, Buntstifte mit dem geliebten Lillifee-Motiv oder das Radiergummi, das vielmehr aussieht wie Sponge Bob persönlich, dürfen natürlich ihren Platz darin finden. Dennoch empfehlen Pädagogen, “den Ernst des Lebens“ nicht gleich mit einer völligen Ignoranz kindlicher Bedürfnisse zu beginnen. Natürlich freuen sich die meisten Kinder auf die Schule und können es kaum erwarten, endlich ein i-Männchen zu sein, aber die Enttäuschung ist vorprogrammiert, wenn sich in der sagenumwobenen Zuckertüte plötzlich nur noch Schulsachen befinden. Denn diese suggerieren auch einem 6-jährigen Kind schon eindeutig, dass die Zeit des Spielens, Tobens und vor allem des Kind-Seins jetzt definitiv vorbei ist.

Spielzeug in der Schultüte

Da das Kind trotz des spannenden Einschnitts, jetzt ein Schulkind zu sein, in erster Linie doch weiterhin Kind ist, sollte ein Spielzeug, das es sich vielleicht unbedingt wünscht, auf jeden Fall als Überraschung innerhalb der Schultüte warten. Dabei ist es völlig unerheblich, ob es sich um eine kleine Erweiterung der Playmobil-Sammlung handelt, ein Stofftier, das fortan mit ihm die Schulbank drückt, oder bunte Knete, die es am Nachmittag ausgelassen mit Händen und Fingern bearbeiten kann. Dieses Spielzeug, vor allem, wenn es sich dieses heiß und innig gewünscht hat, wird es sein Leben lang mit dem ersten Schultag in Verbindung bringen. Positiver kann die Motivation zum Schulanfang kaum sein.

Weitere Tipps zur Schultüte

Natürlich sorgt der erste Schultag für helle Aufregung – nicht nur beim i-Männchen selbst, sondern oftmals auch in der Familie, bei der Verwandtschaft und bei Freunden. Damit ihr Kind mit Geschenken nicht überladen wird, hilft es oftmals, diese vorher abzusprechen. Ebenso wie die Befüllung der Zuckertüte. Wenn Sie diese beispielsweise frühzeitig kaufen oder in selbst gebastelter Version fertig stellen, können Sie sie beispielsweise an all diejenigen reihum leiten, die etwas zu Befüllung beitragen möchten.

So kann jeder, der möchte – wie Paten, Großeltern, Tanten, Onkel & Co – einen kleinen Teil beisteuern. Und jeder hat dabei geholfen, die Schultüte abwechslungsreich für den kleinen ABC-Schützen zu gestalten. Achten Sie allerdings darauf, dass die Tüte nicht zu schwer wird, denn Ihr Kind wird sie mit Sicherheit selbst tragen müssen. Gerade bei heißen Temperaturen sollten Sie darauf achten, nichts hinein zu geben, was zerlaufen und andere Dinge in der Zuckertüte ruinieren könnte. Denn dann macht das Auspacken nicht mehr so richtig Spaß. Schokolade ist also beispielsweise nicht immer die beste Empfehlung.

Und zu guter Letzt:

Vergessen Sie die Geschwistertüte nicht, damit sich Ihr jüngeres Kind nicht allzu ausgegrenzt fühlt, auch wenn sich am ersten Schultag verständlicherweise fast alles nur um das kleine große i-Männchen dreht.