Der Stimmbruch: Der einzige Bruch, der nicht geschient werden kann. Wenn die Stimme bricht, helfen weder Gipsverband noch Schiene. Während ein angeknackster Knöchel nach dem Sport schon fast wieder cool ist – zumindest, wenn die ersten Schmerzen gelindert sind – ist der Stimmbruch vor allem für die Jungen oftmals eher peinlich. Denn gerade bei ihnen macht die Stimme einfach nicht mehr das, was sie eigentlich soll.

Was passiert beim Stimmbruch

Während des Stimmbruchs wird aus der kindlichen Stimme eine weibliche oder eine männliche. Bei den Mädchen setzt der Stimmbruch zumeist zwischen dem 10. und 15. Lebensjahr ein, bei den Jungen zwischen dem 11. und 16. Lebensjahr. Ist der Stimmbruch geschafft, ist die Jungenstimme meistens um eine Oktave tiefer als zuvor, bei den Mädchen hingegen nur bis zu einer Terz oder Quarte. Auslöser für den Stimmbruch ist das Hormon Testosteron, das während der Pubertät nicht nur als Geschlechts-, sondern auch als Wachstumshormon dient.

Es lässt die Heranwachsenden in die Höhe schießen, sorgt dafür, dass sich die Nervenbahnen im Gehirn neu vernetzen und bindet auch Kehlkopf und Stimmbänder in die Neu-Formation ein. Sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen nimmt der Kehlkopf entsprechend an Umfang zu. Durch das Wachstum des Halses verlagert er sich gleichsam näher an den Brustkorb, was ihm einen tieferen Resonanzraum verleiht und verändert zudem den Winkel seiner Positionierung. Er wird nun als Adamsapfel sichtbar.

Um die Funktionen des Kehlkopfs weiterhin zu unterstützen, sind die Stimmlippen – der Einfachheit halber als Stimmbänder bezeichnet – gezwungen, sich ebenfalls auszudehnen. Sie wachsen jedoch nicht nur in die Länge, sondern auch in die Breite, wodurch sie später in einer tieferen Frequenz vibrieren werden. Denn je länger und je dicker die Stimmbänder sind, desto weniger schwingen sie miteinander und erzeugen dadurch tiefere Töne. Doch zuerst müssen die neuen Ausmaße samt Schwingung erprobt, neu koordiniert und in ihren Bewegungsabläufen perfektioniert werden. Aus diesem Grund kommt es gerade bei Jungen häufig vor, dass während dieser Zeit oftmals die Stimme “bricht“.

Der Stimmbruch bei Jungen

Generell ist der Stimmbruch bei Jungen deutlich erkennbarer als bei Mädchen. Denn bei ihnen zeigt er sich oftmals in all seinen Facetten – vor allem aber darin, dass sie sich auf die eigene Stimme nicht mehr verlassen können. In dem einen Moment klingt sie rau wie ein Reibeisen, im nächsten Moment bricht sie komplett weg und dann wieder ist zum Schämen quietschend hoch, als wäre man verwandt mit Mickey Mouse. Sie ist einfach nur noch unzuverlässig und instabil. Wenn all diese Facetten innerhalb nur eines gesprochenen Satzes auftreten, kann das für den betroffenen Jungen oftmals sehr peinlich oder beschämend sein.

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Auslöser dieser Stimmschwankungen – nicht zu verwechseln mit Stimmungsschwankungen – ist das extreme Wachstum der Stimmbänder. Denn während des Stimmbruchs können diese um bis zu 1 Zentimeter an Länge zunehmen. Leider wachsen die Stimmbänder dabei nicht immer gleich schnell, was dazu führt, dass die Stimme aus dem Gleichgewicht kommt und die beschriebenen Aussetzer auftreten können. Diese Phase kann bis zu einem halben Jahr andauern; danach ist der Stimmbruch vorbei, die Stimme bereits deutlich tiefer, wenn auch noch nicht so wie sie letztendlich sein wird, aber auf jeden Fall wieder zuverlässig und stabil. Erst zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr wird die männliche Stimme richtig ausgereift und wie ihr Besitzer ebenfalls endlich erwachsen sein.

Der Stimmbruch bei Mädchen

Während Jungen mit ihrem Stimmbruch oftmals zu kämpfen haben, vollzieht er sich bei den Mädchen fast unbemerkt. Selten bricht bei ihnen die Stimme komplett weg. Sie müssen sich maximal räuspern, um sicher zu gehen, dass die Stimme richtig sitzt und den nächsten Sätzen auch standhält. Allerdings kann auch hier die Stimme ohne Vorwarnung plötzlich rauer werden, aber nicht in einer solch gravierenden Form wie bei den männlichen Pubertäts-Leidensgenossen. Die Unterschiede resultieren daraus, dass bei Mädchen die Stimmbänder nicht so extrem wachsen wie bei den Jungen und sich deshalb auch nicht erst wieder komplett neu einspielen müssen. Im Vergleich: Während die Stimmbänder der Jungen innerhalb des eigentlichen Stimmbruchs bis zu einem Zentimeter länger werden, sind es bei den Mädchen im gleichen Zeitraum nur ein bis maximal drei Millimeter.