Eigentlich ist jedes Baby das Zeichen der Liebe zweier Partner zueinander. So weit zumindest die Theorie. In der Praxis erweist sich der sehnlich erwartete Nachwuchs häufig als harte Probe für die Partnerschaft, vor allem aber echter Lustkiller.

Kein Wunder, denn sobald das Baby geboren ist, kommen die jungen Mütter kaum noch zum Schlafen und sind chronisch übermüdet. Sie sind permanent voller Sorge und Zweifel, ob sie alles richtig machen und der ständigen Versuchung erlegen, jedem gerecht zu werden. Lustvolle Gedanken an Sex? Fehlanzeige! Wann denn auch noch?

Ein Plädoyer für die geteilte Elternzeit

Väter hingegen haben meistens weniger mit dem Baby zu tun und unterschätzen die Kraft, die das kleine Menschlein tagein und tagaus für sich beansprucht. Denn auch heute noch sind es meistens die Väter, die im ruf verbleiben, deren Tagesablauf sich also nicht gravierend ändert.

Doch gerade um zu verstehen, weshalb die Partnerin wenig bis keinen Gedanken mehr an Sex verschwendet, ist es sinnvoll, eine Zeit lang mal die Rollen zu tauschen. Denn erst dann wird man(n) nachvollziehen können, wie anstrengend und Kräfte zehrend der Tag mit einem Kind sein kann und seiner Partnerin mehr Verständnis entgegenbringen. Wie heißt es so schön im Zitat von Paul von Heyse: „ Erdachtes mag zu denken geben, doch nur Erlebtes wird beleben.“

Wer also als Mann die  Chance hat, Elternzeit zu nehmen, sollte diese Chance nutzen. Für sich selbst, für das Kind, vor allem aber für die Partnerschaft.

Für viele Frauen ist das Hausfrau- und Mutterdasein mit Sicherheit die absolute Erfüllung, für andere hingegen ist es das nicht. Und doch bleibt ihnen oftmals keine andere Wahl. Allein durch die Tatsache, dass Frauen noch immer nicht so viel verdienen wie ein Mann, die Kinderbetreuungsstellen nicht ausreichen und flexible Arbeitszeiten bei Arbeitgebern häufig als Fremdwort einzustufen sind.

Wer als Frau nach der Geburt des Kindes jedoch irgendwann wieder arbeiten gehen möchte, der sollte das auch tun können – und zwar mit Unterstützung durch seinen Partner. Denn a) sind beide Elternteile für das Kind gemeinsam verantwortlich, b) nimmt es eine Menge Druck aus der Beziehung, da sich die Mutter nicht in eine Rolle drängen lassen muss, die ihr nicht ausreicht,  der Vater hingegen nicht die Rolle des Alleinverdieners übernehmen muss, was eine Beziehung ebenfalls stark belasten, zu Konflikten und nicht zuletzt zu akuter Sex-Unlust führen kann. In diesem Fall auf beiden Seiten.

Ein Plädoyer für geteilte Hausarbeit

Eine weitere Paarfalle, in die man mit einem Baby gerne hineintappt, ist der Faktor Zeit. Denn die Stunden- und Minutenzahl, die so ein kleiner Wurm für sich beansprucht, wird fast von allen werdenden Eltern unterschätzt. Oder hätten Sie gedacht, dass eine junge Mutter in den ersten Wochen nach der Geburt ihres Babys ein Arbeitspensum von mehr als 78 Stunden pro Woche hat?

Gerade deshalb braucht derjenige, der ohnehin den ganzen Tag mit dem Baby Zuhause bleibt, auch weiterhin die Unterstützung seines Partners. Mit Unterstützung ist hier sowohl die tatkräftige im Haushalt und bei der Babypflege, aber auch die seelische und moralische gemeint. Ist dies nicht gegeben, kommt es auch hier schnell zu Konflikten, die sich auf die gegenseitige Zuneigung und in Folge dessen natürlich auch auf das Sexualleben auswirken.

Denn Sex macht nur dann Spaß und kann genossen werden, wenn beide Partner entspannt sind und vor allem auch die Zeit und den Kopf dafür frei haben, sich aufeinander einzulassen.

Miteinander reden wird wichtiger denn je

Paare, die gut miteinander reden können, haben nach der Geburt ihres gemeinsamen Babys einen enormen Vorteil. Denn gerade solche Dinge wie Elternzeit, Unterstützung im Haushalt etc. können einfach und schnell besprochen werden.

Schwieriger wird es hingegen, wenn der Mann sich zurückgesetzt fühlt, weil sich alles nur noch um den gemeinsamen Nachwuchs dreht, wenn die sexy BHs dauerhaft der praktischeren Unterwäsche weichen, das gemeinsame Ehebett nicht mehr als nur noch die Wickelunterlage fürs Kind ist. Denn nicht nur das Kind möchte geliebt werden, sondern auch der Mann möchte dies. Deshalb ist es für alle Eltern wichtig, sich Zeit für sich als Paar zu nehmen – und zwar trotz Säugling oder Baby im Haus.

Natürlich lässt sich Lust zeitlich nicht steuern, aber sie bewusst einschlafen zu lassen, kann nicht der Sinn einer Partnerschaft sein. Auch hier helfen offene und ehrliche Gespräche. Denn wer nicht miteinander redet, der baut Frust auf. Und Frust tötet nicht nur das sexuelle Verlangen, sondern schleichend auch die Liebe.

Zudem ist es nicht selten der Fall, dass die Frau nach der Geburt auf Grund von  körperlichen Schmerzen keine Sehnsucht nach Sex verspürt. Denn beispielsweise ist ein Dammschnitt alles andere als lustig, da die Narbe auch nach Monaten noch schmerzen kann.

Gleiches gilt für die Hormone. Sie tun zwar nicht weh, bringen Frauen aber oftmals extrem aus dem Gleichgewicht, was sogar dazu führen kann, dass viele Mütter nach der Geburt ihres Kindes massive Probleme haben, einen Orgasmus zu bekommen. Das führt ebenfalls dazu, dass die Lust auf Sex sinkt. Wozu auch, wenn die ersehnte Befriedigung ausbleibt?

All dies sind jedoch Umstände, in die ein Mann sich kaum hineinfühlen kann, wenn nicht  offen und ehrlich darüber gesprochen wird. Die Überlegung, wie es dem eigenen Partner gerade geht, wird eben leider oft auf beiden Seiten nicht angestellt. Der perfekte Nährboden für Missverständnisse.

Fazit:

Mütter und Väter sind also gleichermaßen dazu aufgefordert, offen und ehrlich über alles, was sie bewegt, miteinander zu reden, wenn sie trotz Elternschaft ein Paar – und zwar ein glückliches und eines mit erfülltem Liebesleben – bleiben möchten.

Ebenso wichtig ist es, sich ab und an in den anderen hineinzuversetzen und zu versuchen, die Situation aus seinem Blickwinkel zu sehen. Wer sich dann noch regelmäßig Zeit füreinander nimmt, dem Lust-Killer Baby erfolgreich ein Schnippchen zu schlagen. Denn: Das gemeinsame Baby sollte doch die Krönung, nicht das Ende einer Liebe sein!