Die sich in der Pubertät befindenden Teenager, sind für uns Erwachsenen oft nicht mehr als ein riesengroßes Rätsel. Insbesondere dann, wenn sie unbedingt wie ein Erwachsener behandelt werden möchten, sich aber aufführen wie ein unreifes Kleinkind und die Diskrepanz dazwischen noch nicht einmal bemerken. Und wer hat Schuld? Nein, diesmal sind es ausnahmsweise mal nicht nur die altbekannten Übeltäter in Form von übersprudelnden Hormonen.

Amerikanische Psychologen der Temple University in Philadelphia haben herausgefunden, dass dies auch teilweise an der unterschiedlichen emotionalen und intellektuellen Entwicklung liegt. Letztere schreitet den Studien zufolge schneller voran als erstere. Sprich: Während die intellektuelle Entwicklung mit 120 km/ h auf der Überholspur fährt, steht die emotionale Entwicklung quasi im Stau.

Stauschau im Pubertät Gehirn

Für die Studienergebnisse wurden insgesamt 1.000 Personen im Alter zwischen 10 und 30 Jahren untersucht. Untersuchungsgegenstand waren dabei sowohl die intellektuellen, also rein kognitiven, Fähigkeiten als natürlich auch die emotionalen Fähigkeiten.

Das Ergebnis war eindeutig: Während die Entwicklung der kognitiven Fähig- und Fertigkeiten in den überwiegenden Fällen den einzelnen Altersstufen angepasst war, zeigte sich gerade bei den Testpersonen im Pubertätsalter, dass die emotionalen Fähigkeiten irgendwo auf der Strecke stecken geblieben sein mussten. Denn sie zeigten sich alles andere als synchron zum jeweiligen Status der intellektuellen Entwicklung.

Auch wenn Eltern der sich in der Pubertät befindenen Teenager jetzt wieder einmal der Atem stockt, wie heißt es so schön: „Kein Panik, das verwächst sich noch!“

Schuld an der zeitverzögerten Entwicklung, die uns bei dem kontroversen Verhalten unserer Sprösslinge nicht selten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen lässt, ist die Umstrukturierung, die das Gehirn während der Pubertät vornehmen muss, um sich aus der kindlichen Welt zu lösen und in die erwachsene eintreten zu können.

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Bei dieser Umstrukturierung des Gehirns werden sowohl die vorhandenen als auch alle neu eintreffenden Informationen erst einmal irgendwohin abgelegt. Nicht selten genug, so scheint es zumindest, auch irgendwo im Straßengraben. Dabei ist das System dahinter für Psychologen mittlerweile offensichtlich. Sie sind uns Eltern also mal wieder einen entscheidenden Schritt voraus. Denn: Emotionale und intellektuelle Informationen werden dabei in unterschiedlichen Bereichen des pubertierenden Gehirns abgelegt, gespeichert und  verarbeitet. Die Verbindungsstraße zwischen diesen Bereichen ist aber nicht durchgängig befahrbar, weshalb der Austausch zwischen ihnen nicht reibungslos, sondern nur mit zeitlichen Verzögerungen funktioniert. Die emotionalen Fähigkeiten fädeln sich quasi in einen Stau ein, während die intellektuellen Fähigkeiten schon mit Vollgas dem Erwachsensein entgegensteuern.

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Kurz: Die emotionalen Fähigkeiten brauchen deutlich länger, um sich zu entwickeln als die intellektuellen.

Haltung und Handlung – unterschiedlicher können Welten in der Pubertät nicht sein

Durch die zeitverzögerte Ausprägung der intellektuellen und der emotionalen Fähigkeiten laufen Jugendliche permanent Gefahr, sich von einem Blödsinn in den nächsten zu manövrieren. Denn mit der Haltung und den kognitiven Fähigkeiten eines Erwachsenen fühlen sie sich natürlich oft genug unbesiegbar. Ihr Handeln jedoch, das meistens durch das Gefühl motiviert ist und damit nicht selten noch in den Kinderschuhen steckt, blendet mögliche negative Konsequenzen, im schlimmsten Fall sogar Gefahren, einfach aus.

Eltern, deren pubertierende Teenager schon oft genug über die Strenge geschlagen haben, indem sie beispielsweise ohne Führerschein eine Spritztour am Steuer des Wagens eines älteren Freundes unternommen haben oder bereits ähnlichen Blödsinn verzapft haben, können ein Lied davon singen.

Wie Eltern den Stau umfahren können

Kein Elternteil möchte jedoch tatenlos dabei zusehen müssen, wie sein Teenager sich immer wieder neu in Gefahrensituationen bringt. Deshalb gilt es, den emotionalen Stau beim Kind zu umfahren und stattdessen ebenfalls zum Überholmanöver anzusetzen. Heißt: Da die intellektuelle Entwicklung in den meisten Fällen ja nicht zu wünschen übrig lässt, hilft oftmals ein ruhiges und sachliches Gespräch, innerhalb dessen dem Jugendlichen die möglichen Gefahren, Folgen und Konsequenzen in all ihren möglichen Erscheinungsformern erörtert werden – sowohl für ihn, für andere und natürlich auch für die Eltern selbst.  Denn sie tragen bis zur Volljährigkeit die Verantwortung der Erziehungsberechtigten. Und das ganz ohne Stoppschild!

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