Eltern pubertierender Kinder kennen ihn: den Kampf ums Badezimmer! War der Raum früher allen Familienmitgliedern fast jederzeit zugänglich, stehen Eltern und Geschwister nun oftmals stundenlang vor der von innen verschlossenen Tür.

Spieglein, Spieglein an der Wand

Was genau hinter dieser in endlos langen Manövern passiert, kann nicht immer gleich erahnt werden, da – wenn sich Simsalabim die Tür endlich wieder öffnet – Sohn oder Tochter oftmals genauso aussehen wie vorher auch. Aber es sind auch gegenteilige Fälle bekannt, bei denen sich eindeutig zeigt, dass die Kosmetikindustrie nicht nur neue, sondern auch viel versprechende Kunden und Kundinnen gewonnen hat.

Zugegeben, diese Fälle beschränken sich in der Pubertät oftmals die weibliche Spezies der Pubertierenden. Was auch immer Pubertierende also im Bad so treiben, ob sie sich durch den gesamten Creme-, Kosmetik- und Parfüm-Vorrat der Mutter testen, in verschwenderischer Form den Rasierschaum des Vaters für den ersten zarten Bartflaum verbrauchen, ihren eigenen Körper dauermäkelnd nach Veränderungen absuchen und dabei entgegen besseren Wissens Pickel ausquetschen und Mitesser ausdrücken, oder ob sie sich in endloser Unentschlossenheit die Haare mit Gel aufstellen und wieder auswaschen, im nächsten Anlauf die Wuschelfrisur dank Schaumfestiger erproben und das Ganze natürlich ebenfalls wieder auswaschen, um im dritten Anlauf und mit Blick auf die Uhr zu entscheiden, dass heute wohl nur noch ein Käppi hilft.

Fakt ist, mit Eintritt in die Pubertät brauchen Pubertierende für alles, was sie im Bad so treiben, plötzlich über die Maßen viel Zeit.

Warum gerade jetzt das Äußere so wichtig ist

Auch wenn die Badezimmer-Blockaden so manches Nervenkostüm zum Zerreißen bringen, sollten sich Eltern klar machen, dass das Äußere ihrem Kind nie wieder so wichtig sein wird, wie gerade jetzt in der Pubertät. Denn genau darüber definiert es sich. Deshalb ist es noch lange nicht eitel oder selbstverliebt, sondern im Gegenteil: zumeist zutiefst verunsichert. Denn es muss bei allen Veränderungen, die sich am und im Körper und vor allem über die Haut abspielen, jederzeit dem Blick der Klasse oder der Clique, den Nachbarn, den Verwandten oder den Freunden aus dem Sportverein standhalten. Und wie wir wissen, können Kinder manchmal grausam sein.

Wer nicht die richtigen Marken oder modisch angesagten Outfits trägt, wer keine trendgerechte Frisur hat, zu wenig oder zu viel Busen hat, bei wem sich zu wenig oder zu viel Bartwuchs zeigt, wer zu dick oder zu dünn ist, wird ganz schnell zum Außenseiter – von den leidigen Pickeln und Mitessern ganz zu schweigen. Machen Sie sich klar, Ihr Kind würde lieber heimlich Ihre Unterschrift auf einer Entschuldigung fälschen als nicht hundertprozentig perfekt gestylt in der Schule zu erscheinen.

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Denn auch das Verdecken von allem, was nach Pubertät aussieht, was oft genug dem Verstoß gegen das Vermummungsverbot gleichkommt, gehört zum perfekten Styling dazu. Erst im Laufe der Zeit, wird Ihr Teenie herausfinden, was ihm persönlich wirklich steht und was seine sich langsam entwickelnde Persönlichkeit zudem unterstreicht. Bis dahin wird er oder sie das Badezimmer blockieren, herumexperimentieren und vor allem imitieren.

Heranwachsende brauchen ihre Privatsphäre

Auch wenn Sie liebend gerne wissen würden, was sich hinter der verschlossenen Badezimmer-Tür abspielt, spätestens mit Eintritt in die Pubertät sollte Ihr Kind dementsprechend ein Recht auf seine Privat-, vor allem aber seine Intimsphäre erhalten. Dazu gehört auch, dass Ihr Kind die Tür von innen verschließen können darf. Denn Vater, Mutter oder Geschwisterkind haben nun definitiv nichts mehr im Bad zu suchen, wenn Teenager-Prinzessin oder Mr. Cool duschen, baden, sich rasieren oder schminken möchten.

Viele Experten raten, dem Heranwachsenden seine Zeit im Bad zu gönnen, auch wenn man am liebsten mehr als einmal lautstark gegen die Tür trommeln würde. Wer die Geduld nicht hat, sollte Badezimmer-Regeln aufstellen, die vor allem morgens jedem Familienmitglied einen identisch langen oder kurzen Zeitraum zur Verfügung stellen, um sich für Schule oder Job fertig zu machen. Fein raus sind natürlich all die Familien, die über zwei Badezimmer verfügen. Da dies jedoch nicht immer der Fall ist, empfiehlt es sich oftmals – vor allem bei den weiblichen Pubertierenden –, ihnen einen eigenen Spiegel samt Ablage, vielleicht sogar einen kompletten kleinen Schminktisch in ihr Zimmer zu stellen.

Badezimmer-Privilegien sollten auch Regeln haben

Wer einmal erlebt hat, wie das Badezimmer nach der Haarfärbe-Aktion eines Teenies ausgesehen hat, der wird den nachfolgenden Experten-Rat lieben. Denn dieser besagt, dass mit dem Recht auf die Intimsphäre Heranwachsende auch in die Pflicht genommen werden sollten, das Bad wieder so zu verlassen, wie sie es vorgefunden haben. Denn auf dem Weg zum Erwachsenen – also vor allem in der Pubertät – sollten Kinder nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten haben.

Es ist also nicht zu viel verlangt, wenn Ihr Kind:

  1. Die Badewanne nach dem ausgiebigen Schaumbad auch wieder ausspült
  2. Die Badewanne vor oder nach jeder Benutzung gründlich reinigt
  3. Seine Wäsche nicht einfach liegen lässt, sondern in den Wäschekorb einsortiert
  4. Den Spiegel wieder von Zahnpasta-Resten befreit
  5. Das Handwaschbecken ausspült, wenn es zu seiner Verunreinigung beigetragen hat
  6. Das Fenster öffnet, um nach ausgiebigem Haarspray-Gebrauch zu lüften
  7. Seine Bürsten und Kämme regelmäßig reinigt
  8. Die leeren Toilettenrollen direkt in den Mülleimer befördert
  9. Das Toilettenpapier auffüllt, wenn es die letzte Rolle verbraucht hat
  10. Die Toilette nach jeder Benutzung ausbürstet und nachspült

Einstweilen können Sie nur hoffen, dass Ihr Kind relativ schnell zu seinem eigenen Stil finden wird und die Handgriffe von mal zu mal schneller sitzen, um seine Zeit im Bad wieder auf ein Normalmaß zu reduzieren.