Viele Eltern, die ihren lang ersehnten Nachwuchs endlich in den Armen halten, wissen schon jetzt, dass ihr Baby definitiv kein Einzelkind bleiben soll. Doch welches ist der richtige Zeitpunkt für das zweite Kind? Gibt es den überhaupt? Und wenn es den richtigen Zeitpunkt für das Geschwisterchen gibt, welches ist dann der falsche? Wir haben uns für Sie auf die Suche nach Antworten gemacht.

Risiken von zu schnell aufeinander erfolgenden Schwangerschaften vermeiden

Jede Schwangerschaft beansprucht den Körper der werdenden Mutter. Aus diesem Grund ist es wichtig, ihm die Zeit zu gönnen, sich zu erholen und vor allem, sich wieder vollständig zu regenerieren. Für diese vollständige Regeneration braucht der weibliche Körper mindestens neun Monate, um allein den Stoffwechsel und natürlich auch Skelett und Gewebe, die während der Schwangerschaft enorm beansprucht wurden, wieder zu stabilisieren. Dennoch reichen diese neun Monate Abstand zwischen zwei Schwangerschaften nicht aus, wenn das Risiko einer Früh- oder einer Fehlgeburt für die Folgeschwangerschaft so weit wie möglich vermieden bzw. reduziert werden soll.

Zum Wohl von Mutter und Kind raten Experten, die sich dabei auf eine Vielzahl von nationalen und internationalen Studien stützen, deshalb zu einem Abstand von 18 bis 23 Monaten zwischen zwei Schwangerschaften. Wer also nicht nur sein erstes, sondern auch sein zweites oder drittes Kind gesund zur Welt bringen möchte, sollte schnell aufeinander erfolgende Schwangerschaften vermeiden und mit dem Partner gemeinsam für eine entsprechende Verhütung sorgen. Und zwar von Anfang an. Denn: Dass stillende Frauen nicht schwanger werden können, ist und bleibt ein Mythos. Ebenso wie die Annahme, dass Frauen erst dann wieder fruchtbar sind, wenn nach der Schwangerschaft die Regelblutung wieder einsetzt. Denn auch wenn die Regelblutung nach einer Schwangerschaft bekanntermaßen erst einmal eine Zeit lang ausbleibt, eine Garantie für den ebenfalls ausbleibenden Eisprung ist das nicht.

Voneinander lernen, miteinander wachsen

Kinder brauchen Liebe, Zuneigung und vor allem Zeit. Sowohl das Erstgeborene als auch das nachfolgende Nesthäkchen. Deshalb ist der angegebene Abstand von 18 bis 23 Monaten zwischen zwei Schwangerschaften nicht nur für die Gesundheit der Mutter und des zweiten Kindes ideal, sondern auch für die miteinander aufwachsenden Geschwister. Denn diese sollten logischerweise dann einen Altersunterschied von zweieinhalb bis drei Jahren zueinander haben. Natürlich machen Kinder wahnsinnige Entwicklungssprünge. Und natürlich wird später einmal die vielleicht 15-jährige Erstgeborene nicht unbedingt Lust haben, sich mit seiner gerade mal 12-jährigen kleinen Schwester zu beschäftigen. Aber das ist nur allzu natürlich. Insbesondere, da gerade in dem Teenager-Alter der Erstgeborenen dann ganz andere Dinge und vor allem ganz andere Beziehungen eine wichtige Rolle einnehmen werden. Wer also die Hoffnung hat, dass seine Kinder sich niemals streiten und immer gut verstehen werden, der lebt, so leid es uns tut, in einer kleinen rosaroten Traumwelt.

Deshalb:

Gerade so lange die Kinder jünger bzw. noch nicht im Teenager-Stadium angekommen sind, ist der angegebene Altersunterschied perfekt. Denn sie sind altersmäßig weit genug auseinander, dass sie in ihren Fähigkeiten nicht miteinander konkurrieren müssen. Sie können eigene und vor allem unabhängige Freundschaften zu anderen Kindern aufbauen und sind dennoch vom Alter her noch so nah zusammen, dass sie miteinander spielen und vor allem voneinander lernen können. Das jüngere Kind in erster Linie natürlich vom älteren Kind. Aber auch umgekehrt: Denn gerade zu Beginn der Pubertät, wenn viele Freizeitaktivitäten, Unternehmungen und Spiele bei den gleichaltrigen Freunden als Kinderkram und als peinlich abgetan werden, kann das ältere Kind – wenn auch nur unter dem Vorwand, dem jüngeren Geschwisterchen einen Gefallen tun zu wollen – zwischendurch einfach weiter Kind sein und mit dem Geschwisterchen nach Herzenslust spielen, herumalbern und toben, ohne dass es dabei in Zweifel geraten muss, ob es in seiner Entwicklung mit den gleichaltrigen Freunden Schritt halten kann oder nicht.

Für jedes Kind die Aufmerksamkeit, die es braucht

Gerade Säuglinge können gar nicht genug Aufmerksamkeit und Liebe bekommen. Das allerdings wird schwer, wenn man beinahe zwei Babys im Haus hat, weil die Kinder einen geringeren Altersunterschied als den von zweieinhalb oder drei Jahren zueinander aufweisen. In solchen Familien sieht es dann nicht selten genug so aus: Auf der einen Seite der kleine Säugling, der uneingeschränkte Aufmerksamkeit braucht, sobald er sich mit seinen Bedürfnissen bemerkbar macht.

Auf der anderen Seite das zwar ein wenig ältere, aber wenig verständnisvolle Geschwisterkind, das gleichermaßen und garantiert im selben Augenblick um Aufmerksamkeit buhlt, weil es von seiner geistigen Entwicklung einfach noch nicht so weit ist, um zu verstehen, dass ein kleines Baby einfach hilflos ist und in vielen, wenn nicht sogar den meisten Momenten, dann einfach Vorrang hat. Die Mutter zwischen den Bedürfnissen der Kinder ständig hin- und her gerissen, immer in dem Bewusstsein, eines der beiden Kinder gerade zurücksetzen und vernachlässigen zu müssen. Von ihrem schlechten Gewissen und der Eifersucht des erstgeborenen Kindes mal ganz zu schweigen.

Einem älteren Kind von beispielsweise etwa drei Jahren hingegen kann man bereits vieles erklären und es “aktiv“ in die Pflege des Säuglings einbinden, so dass es sich nicht ausgeschlossen, benachteiligt oder zurückgesetzt fühlt. Und: Im Idealfall kommt das ältere gerade in den Kindergarten, so dass Mama oder Papa sich zumindest den gesamten Vormittag über intensiv und ausschließlich um das Baby kümmern kann. Kommt das erstgeborene Kind dann in die Schule, beginnt auch für das Nesthäkchen eine neue Lebensphase im Kindergarten. Unterschiedliche Entwicklungsschritte, die zwar jedes Kind für sich macht, aber bei dem der ideale Altersunterschied auch den Eltern genügend Freiraum verschafft, um sich intensiv mit den jeweiligen Bedürfnissen ihrer Kinder zu beschäftigen, ohne Gefahr zu laufen, eines von beiden unterbewusst zurückzustellen.