Viele Eltern haben diese Situation schon beobachtet: Ein Kind schubst ein anderes Kind oder nimmt ihm ein Spielzeug weg. Fast gleichzeitig geht der Blick nach oben, um zu sehen ob es ein Erwachsener gesehen hat. Falls ja kommt ein „Entschuldigung“ oder ein „Tut mir leid“  mit einer Stimme, die weder traurig noch mitfühlend klingt. Diese fast automatische „Wortphrase“ nützt weder dem betroffenen Kind, noch lernt der Übeltäter  aus seinem Verhalten. Eine Methode von Maria Montessori Lehrern verspricht hier Besserung.

Aber was kann man sonst noch tun?

Wie bringt man Kindern bei, wie man wirkliche Wiedergutmachung leistet, wie man einsieht etwas falsches gemacht zu haben und Mitgefühl für andere hat?

Es gibt einen anderen Weg und es ist überraschend einfach.

Wenn Sie Kindern beibringen wollen, Konflikte über das hohle „Es tut mir leid“ hinaus zu lösen, versuchen Sie diesen einfachen Prozess, den Montessori-Lehrer anwenden.

Die Rolle eines Erwachsenen in der Montessori-Konfliktlösung besteht darin, ein neutraler Vermittler zu sein, Fragen zu stellen, die die Kinder dabei unterstützen, ihre Gefühle zu sortieren und miteinander zu sprechen. Anhand dieses Lösungsansatzes lernen die Kinder zukünftige Konflikte selbständig zu lösen.

Montessori sagt: Zuerst die Kinder trennen

Wenn der Konflikt körperlich ausschreitet, ist der erste Schritt, die Kinder so zu trennen, dass niemand verletzt wird. Dies geschieht bestimmt, aber ohne böse Worte. Das Ausblenden der eigenen Emotionen kann schwer sein, aber so neutral wie möglich zu bleiben, hält den Fokus auf den Kindern. Es hilft ihnen, sich sicher zu fühlen, über ihre Gefühle zu sprechen und ehrlich darüber zu sein, was passiert ist.

Wenn sich die Kinder beruhigt haben, sind sie bereit, miteinander zu reden.

Dann stellen Sie Fragen: „Was ist passiert? Wie fühlst du dich?“

Beginnen Sie, indem Sie jedes Kind fragen, was passiert ist und wie es sich fühlt.

Wiederholen Sie, was es gesagt hat, um sicherzustellen, dass du es verstehst und dass es für das andere Kind klar ist. „Du bist traurig, weil Emma sagte, sie würde nicht mit dir spielen und dich dann ärgern.“

Dann wenden Sie sich dem anderen Kind zu:  „Marie, du ärgerst dich, weil Emma dir auf dem Spielplatz gefolgt ist und dich gestoßen hat.“

„Was hättest du anders machen können?“

Anstatt eine Strafe auszuteilen, fragen Sie die Kinder, was sie hätten tun können, um die Situation vermeiden zu können. Die Kinder brauchen vielleicht Hilfe bei der Suche nach Antworten, besonders am Anfang, Sie müssen ihnen vielleicht ein paar Alternativen geben, wie sie hätten reagieren können.

Zum Beispiel könnte man sagen: „Marie, schubsen ist nicht ok. Du hättest Emma bitten können, dir nicht mehr zu folgen, oder mich um Hilfe bitten können, als sie dich stieß. Emma, du hättest Marie bitten können, mit dir zu spielen, anstatt sie zu verfolgen.“

Mit der Zeit werden die Kinder dies zunehmend selbstständig tun können.

Was brauchst du, um dich besser zu fühlen?

Oftmals werden sich die  Kinder nach diesem Gespräch beruhigen. Manchmal aber wird immer noch jemand verletzt oder verärgert sein. Sie können sie fragen: „Was brauchst du, um dich besser zu fühlen?“

Kinder bitten oft um eine Umarmung oder einen Eisbeutel, wenn sie verletzt wurden. Es hilft beiden Parteien, sich besser zu fühlen.

Alles in allem nennen wir das eine „Ich-Botschaft“ – ich fühle….wenn du…und ich will…Es ist eine einfache Formel, aber sie hilft Kindern, sich darauf zu konzentrieren, sich selbst und ihre Gefühle auszudrücken, anstatt nur Anschuldigungen zu erheben.

Aber was ist mit der Bestrafung im Montessori?

Sie werden vielleicht feststellen, dass in diesem Lösungsansatz nicht von Bestrafung die Rede war. Montessori konzentriert sich auf das eigene Gewissen und nicht auf Bestrafung. Oftmals gibt es keine Notwendigkeit für Konsequenzen außerhalb der Konfliktlösung, aber wenn jemand aggressiv oder bösartig  handelt oder wiederholt gegen die Regeln verstößt, kann es notwendig sein, zusätzliche Konsequenzen zu ziehen.

Zum Beispiel: „Marie, das ist das zweite Mal, dass du heute jemanden auf dem Spielplatz verletzt hast. Ich kann nicht darauf vertrauen, dass du im Moment vernünftig handelst. Du musst bei mir bleiben, bis du dich beruhigt hast.“

Was ist mit der Entschuldigung?

Während Montessori Lehrer im Allgemeinen keine Entschuldigungen erzwingen, ist die Bereitschaft und Fähigkeit, sich zu entschuldigen, wenn es jemanden wirklich leid tut, immer noch eine großartige Eigenschaft, die Kinder üben können. Anstatt Ihr Kind dazu zu bringen, sich zu entschuldigen, versuchen Sie, es ihrem Kind vorzuleben und entschuldigen Sie sich wenn Sie etwas falsch gemacht haben.  Den Kindern dieses Beispiel zu geben, geht viel weiter, als sie sagen zu lassen: „Es tut mir leid.“

Du kannst auch versuchen, dein Kind zu fragen, ob es sich entschuldigen will, wenn du merkst  dass es seinen Fehler einsieht. Eine Entschuldigung kann auch in Form eines gemalten Bildes oder eines kleinen Briefes kommen. Helfen Sie Ihrem Kind das zu verstehen.

Konflikte bei Kindern bieten eine Chance für so viel mehr. Lassen Sie uns besonnen reagieren  und ihnen die Werkzeuge an die Hand geben, die sie brauchen, um Meinungsverschiedenheiten zu besprechen, ihre Gefühle auszudrücken und friedliche Menschen in einer Welt zu sein, die sie so dringend braucht.