Letztes Update: 25.03.2019

Leistungsdruck ist in unserer Gesellschaft alles andere als ein Fremdwort. Doch wie weit darf dieser Leistungsdruck gehen? Müssen Kinder im Grundschulalter wirklich schon in den Nachhilfeunterricht, wenn Sie nicht sofort und auf Anhieb in allen Themenbereichen mitkommen? Reicht es nicht auch, wenn Vater oder Mutter mit ihrem Kind lernen? Ab wann ist Nachhilfe sinnvoll?

Erwartungen & Leistungsdruck

Es gibt sehr viele Eltern, die mit Sorge beobachten, wenn ihr Kind in der Grundschule bei einem bestimmten Stoff nicht gleich mitkommt. Grundsätzlich sind solche Sorgen berechtigt, denn jede Lücke ist eine Lücke, die spätestens auf der weiterführenden Schule zu gravierenden Problemen führen kann.

Dennoch sollten Eltern realistisch bleiben und nicht immer gleich das Schlimmste annehmen. Die Kernfrage ist doch, warum das Kind sich mit dem Lernthema nicht anfreunden kann oder anfreunden will. Dementsprechend sollten immer erst die Eltern versuchen, den Stoff mit ihrem Kind aufzuarbeiten und diese Übungen weniger als Nachhilfe, sondern so spielerisch wie möglich gestalten.

Kleine & große Lücken

Bei kleineren Lücken oder Unterrichtsinhalten, die noch nicht richtig sitzen, reicht es also absolut aus, wenn die Eltern mit ihrem Kind täglich ein wenig üben. Sind die Lücken jedoch schon in der Grundschule zu groß, lohnt es sich, über eine professionelle Nachhilfe nachzudenken. Denn durch die Nachhilfe wird nicht nur der fehlende Unterrichtsstoff aufgearbeitet, verstanden und verinnerlicht, sondern auch die Sicherheit und das Selbstbewusstsein des Kindes in der Schule gefördert.

Denn natürlich leidet auch ein Kind, wenn es merkt, dass es in der Schule nicht mitkommt. Es fühlt sich klein, dumm, den Mitschülern in seiner Klasse geistig unterlegen. Im schlimmsten Fall fängt es sogar an, sich zu schämen oder eine unbegründete Angst vor der Schule zu entwickeln.

Der richtige & der falsche Zeitpunkt

Professionelle Nachhilfe sollte also immer dann in Betracht gezogen werden, wenn das Kind vermehrt schlechte Noten oder Beurteilungen erhält, und die Eltern ihr Kind nicht selbst fördern oder es zum Lernen motivieren können. Vor allem aber auch dann, wenn der Familienfrieden durch die schulischen Leistungen extrem beeinträchtigt wird.

Denn leider ist es ein Fakt, dass gerade Eltern nicht immer die besten Nachhilfelehrer sind. Während die professionelle Nachhilfe eine professionelle Distanz wahrt, fällt es Müttern und Vätern oftmals schwer, eine distanzierte Haltung ein- und die Emotionen herauszunehmen.

Ein “zu früh“ gibt es dementsprechend beim Thema Nachhilfe nicht. Wohl aber ein “zu spät“.

Denn logischerweise werden die Wissenslücken ohne Nachhilfe von Mal zu Mal größer – insbesondere, wenn es sich dabei um Fächer handelt, deren Lerninhalte aufeinander aufbauen wie beispielsweise Rechnen/ Mathematik. Wenn die Grundrechenarten oder das 1×1 nicht sitzen, hat das Kind es schwer, dem weiteren Lehrstoff zu folgen.

Wer Wissenslücken bei seinem Kind erkennt, sollte in jedem Fall vor der 4. Grundschulklasse mit der Nachhilfe beginnen. Denn so haben auch die Lehrer genügend Zeit, einschätzen zu können, wie die Entwicklung des Kindes verläuft und welche Steigerungen eventuell noch zu erwarten sind.

Denn genau das ist für die Empfehlung die weiterführende Schule betreffend enorm wichtig. Startet die Nachhilfe hingegen erst in der 4. Klasse – und damit um 5 vor 12 h – stehen die Lehrer vor einem echten Problem. Zumindest in den Bundesländern, in denen die Lehrerempfehlung ihre Gültigkeit nicht verloren hat.

Nachhilfe: Kurzfristig, mittelfristig oder langfristig?

Die Frage lässt sich eindeutig beantworten, denn Nachhilfe sollte niemals zur Unterstützung auf Dauer werden, sondern immer nur vorübergehend eingesetzt werden. Wie lange sie tatsächlich erforderlich ist, hängt von der Größe der Wissenslücken ab. Kleinere Defizite lassen sich innerhalb weniger Wochen ausmerzen, größere hingegen brauchen schon ihre Zeit.

Denn: Sie sind ja auch nicht von gestern auf heute entstanden. Weitere Faktoren für die Dauer der Nachhilfe sind: die Qualität des Nachhilfelehrers, Häufigkeit und Intensität der Nachhilfestunden, die Motivation des Nachhilfeschülers und natürlich die Komplexität des Unterrichtsstoffes, den es aufzuarbeiten gilt. Nach spätestens 12 Monaten jedoch sollte das Kind nicht nur den Anschluss in der Schule wiedergefunden haben, sondern sich auch komplett eigenständig auf die neuen Unterrichtsinhalte konzentrieren können.

Wie oft, wie lange, wann

Auch wenn es den Eltern natürlich ein Bedürfnis ist, die Wissenslücken ihres Kindes so schnell wie möglich wieder zu schließen, sollten Kinder hier nicht überfordert werden, geschweige denn ihre gesamte Freizeit für Hausaufgaben, Nachhilfe und Lernen einbüßen müssen.

Ein wöchentlicher oder monatlicher Gesamtplan hilft, um einen realistischen Überblick darüber zu erhalten, welche Termine das Kind ohnehin hat, wann es beispielsweise zum Sport geht, wann es bei Freunden eingeladen ist, wann Geburtstage oder Familienfeierlichkeiten anstehen, Arzttermine wahrgenommen werden müssen etc.

In die freien Zeitfenster lassen sich dann gezielt die Hausaufgaben, die Nachhilfe und die Wiederholungen des Lernstoffes setzen.

Generell gilt: Lieber tägliche, kurze Einheiten als mehrmals wöchentlich längere – zumindest, was die Wiederholung von bereits Gelerntem betrifft. Und nicht zu vergessen: Egal, welche Schwierigkeiten das Kind in der Schule hat und wie schlecht seine Noten sind, jedes Kind sollte dennoch spielen, sich erholen, seinen Hobbys nachgehen und seine Freunde treffen dürfen. Denn all das ist für das seelische Gleichgewicht des Kindes von enormer Bedeutung.

Vom Misserfolg zum Erfolg

Professionelle Nachhilfe ist in der Regel mit Kosten verbunden. Kein Wunder, dass viele Eltern diesen Schritt scheuen, insbesondere, wenn er das ohnehin schon strapazierte Haushaltsbudget noch einmal enorm belastet. Trotzdem sollte gerade an der Nachhilfe nicht gespart werden, denn der Erfolg ist natürlich auch abhängig von der gewählten Nachhilfe-Form.

Das allerdings ist nicht gleichbedeutend damit, dass der teuerste Lehrer oder das teuerste Institut gleichzeitig auch immer die beste Wahl ist. Dazu jedoch später mehr.

Im Allgemeinen kann man jedoch sagen, dass sich die Leistungen des Kindes dank Nachhilfe in der Regel um ein bis zwei Schulnoten verbessern. Dieser Aussage stimmen zumindest 80% der Eltern zu, die an der Umfrage der Stiftung Warentest zu diesem Thema teilgenommen haben.

Nachhilfe für jedes Budget

Für welche Form der Nachhilfe man sich letztlich entscheidet, bleibt eine Frage der finanziellen Möglichkeiten und des eigenen Bauchgefühls. Denn wie gut die gewählte Nachhilfe tatsächlich ist, lässt sich im Vorfeld nicht sagen, nur im Nachhinein anhand des Notenspiegels bewerten. Wer schnelle Wunder erwartet, wird enttäuscht sein. Deshalb soll an dieser Stelle ein genereller Überblick über die Nachhilfe-Möglichkeiten gegeben werden.

  • Förder- oder Nachhilfeangebot in der Schule (in der Regel durch privat organisierte Lehrer oder Studenten)
  • Professionelle Nachhilfe-Anbieter (Unterricht in Kleingruppen bspw. beim “Studienkreis“ oder bei der “Schülerhilfe“)
  • Nachhilfe durch Lehrer im aktiven Schuldienst
  • Nachhilfe durch Lehrer im Ruhestand
  • Nachhilfe durch Studenten
  • Nachhilfe durch Schüler höherer Jahrgänge

So unterschiedlich wie die Angebote, so unterschiedlich sind auch die Kosten. Schüler und Studenten unterrichten in Unterrichtsstunden à 45 Minuten und verlangen in der Regel zwischen 10 und 15 Euro pro Unterrichtseinheit.

Examinierte Lehrer und solche im Ruhestand sind da weitaus teurer. Hier können die Preise pro Unterrichtsstunde von 45 Minuten bis zu 30 Euro betragen.

Professionelle Nachhilfeanbieter wie “Studienkreis“ und “Schülerhilfe“ rechnen monatlich ab. Hier betragen die Kosten für 8 x 1,5 Stunden im Monat zwischen 100,00 und 150,00 Euro.

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Jede Nachhilfe-Form hat ihre Vorteile. So kennen beispielsweise Schüler höherer Jahrgänge nicht nur die Schule und die dort unterrichtenden Lehrer, sondern wissen auch, was diese erwarten, worauf sie besonderen Wert legen, wie sie ihre Klassenarbeiten aufbauen und viele andere Dinge mehr. Dies gilt weniger für den Nachhilfe-Unterricht in der Grundschule, umso mehr aber für die Nachhilfe-Stunden in den weiterführenden Schulen.

Aktive Lehrer als auch Lehrer im Ruhestand erkennen schnell die Wissenslücken und wissen genau, wie sie diese schließen müssen. Studenten bereiten sich durch die Nachhilfe aktiv auf ihre spätere, unterrichtende Tätigkeit vor. Professionelle Anbieter bieten meist Kleingruppen an, in denen 4 – 8 Kinder gemeinsam und gleichzeitig individuell unterrichtet werden.

Wenn Sie unschlüssig sind, welche  Form der Nachhilfe die richtige für Ihr Kind ist, holen Sie die entsprechenden Angebote ein, die Sie interessieren und vereinbaren Sie jeweils einen Probeunterricht. Sind alle Probestunden absolviert, sollte Ihr Kind Mitsprache-Recht bei der Lehrer-Auswahl haben.

Denn in letzter Konsequenz muss die Chemie zwischen dem Kind und seinem Nachhilfe-Lehrer stimmen, damit es von Anfang an motiviert ist – und vor allem auch motiviert bleibt. Damit sollten die Wissenslücken schon bald wieder der Vergangenheit angehören.

Wir wünschen viel Erfolg beim Nachhilfe-Unterricht!