Wenn eine geliebte Person im Familienumfeld oder im Freundeskreis stirbt, stehen Eltern oftmals vor der Frage, ob sie ihre Kinder mit zur Beerdigung nehmen sollten oder ihnen dieses traurige Erlebnis lieber ersparen sollen. Viele entscheiden sich für die zweite Variante, da der Ernst des Lebens in ihren Augen noch früh genug beginnt. Kinderpsychologen halten diese Entscheidung jedoch für falsch. Denn das Sterben gehört zum Leben dazu. Der Tod ist sogar eines der zentralen Themen, das Kinder in irgendeiner Form immer wieder beschäftigt.

Deshalb wird empfohlen, Kinder an der Beerdigung eines Familienmitgliedes oder einer vertrauten Person aus dem Bekanntenkreis teilhaben zu lassen. Das allerdings gilt nur, wenn es sich dabei beispielsweise um die Uroma, die ein entsprechendes Alter erreicht hat, oder um vielleicht die beste Freundin der Mama handelt, die den Kampf gegen eine lange und schwere Krankheit verloren geben musste, handelt. Geliebte Menschen also, die dem Kind nicht nur vertraut sind, sondern deren Tod auch Teil des natürlichen Kreislaufs von Leben und Tod ist.

Säuglinge hingegen sollten aus Rücksicht auf andere Trauergäste nach Möglichkeit während der Beerdigung woanders untergebracht werden, da sie während der Messe oder der Beisetzung lauthals zu weinen oder zu schreien anfangen könnten. Ebenso wenig sind Beerdigungen für Kleinkinder unter 4 Jahren sinnvoll, da sie das Erlebnis einer Beerdigung in seinem vollen Umfang einfach noch nicht begreifen können.

Für alle Kinder ab 4 Jahren hingegen ist der Umgang mit dem Tod wesentlich einfacher und selbstverständlicher als für uns. Während wir Erwachsenen uns jedes Mal neu und fast schon zwangsläufig mit der Frage auseinandersetzen müssen, wann wir wohl sterben und insgeheim Stoßgebote gen Himmel senden, dass wir noch eine lange Zeit dieses Leben genießen und unsere Kinder aufwachsen sehen dürfen, haben Kinder diese Ängste nicht.

Zwar setzen auch sie sich, unmittelbar, nachdem eine für sie wichtige Person gestorben ist, mit der Frage auseinander, warum man eigentlich sterben muss, oder fragen die Eltern, ob auch sie bald sterben müssen, aber schon wenige Zeit später sind wieder genauso unbeschwert wie vorher auch.

Auf Grund dieses für Kinder wesentlich einfacheren und natürlicheren Umgangs mit dem Tod, kann man ihnen auch eine Beerdigung zumuten. Oder anders formuliert: Dieses Erlebnis ist wichtig für sie. Denn sie sehen und erleben, wie sich Angehörige, Freunde und Bekannte von einem geliebten Menschen verabschieden, wie der Sarg in die Erde gesenkt oder die Urne ins Grab gestellt wird. Und genau diese Zeremonie zeigt ihnen, was passiert, nachdem ein Mensch gestorben ist und macht ihnen gleichzeitig die Endgültigkeit des Todes deutlich. Dass dabei Angehörige, Freunde und Verwandte Abschied nehmen, Tränen vergießen, Blumen oder Erde ins Grab werfen, ist für Kinder weit weniger schlimm als für uns selbst. Für sie, weil sie es nicht anders kennen, ist es – so banal es kling – einfach selbstverständlich. Aber es hilft, zu verstehen, warum Mama und Papa in den letzten Tagen so bedrückt waren und selbst geweint haben. Und: Es macht die Endgültigkeit des Todes für Kinder begreifbarer. Insbesondere, wenn sie selbst Abschied nehmen und beispielsweise selbst eine Blume aussuchen und ins Grab werfen dürfen. Bei jüngeren Kindern natürlich an Mamas oder Papas Hand.

Bei einem tragischen Unfall mit Todesfolge oder einem Tod, der nicht voraussehbar war und dementsprechend viel zu überraschend gekommen ist sowie bei Todesfällen von Personen, zu denen das Kind keinen engen Bezug hatte, sollten Kinder ruhig Zuhause, in der Obhut anderer Familienmitglieder oder in der Obhut von Freunden bleiben dürfen. Es sei denn, sie möchten aus einem nachvollziehbaren Grund ebenfalls Abschied nehmen dürfen. Der überraschende Tod, auf den sich weder die Eltern noch das Kind vorbereiten konnten, braucht aber auf jeden Fall immer sehr viel Kommunikation, um Kindern begreiflich zu machen, was eigentlich unbegreiflich ist. Auch wenn sie in diesen Fällen nicht unbedingt an der Beerdigung teilnehmen, weil die tragische Tatsache nicht ihrem Bild und damit nicht dem für sie typischen Kreislauf von Leben und Tod entspricht, brauchen Kinder dennoch Mamas und Papas liebevollen Beistand, um das Geschehene verarbeiten zu können.

Diese Gesprächsbereitschaft sollte für alle Eltern auch nach der eigentlichen Beerdigung noch gelten. Denn nur, wenn Verstorbene ab und an wieder erwähnt werden, man gemeinsam in Erinnerungen schwelgt, zusammen über Vergangenes lacht und seine gegenseitigen Erlebnisse mit der verstorbenen Person austauscht, lernen Kinder, was es bedeutet, über den Tod hinaus geliebt zu werden. Und auch das gibt ihnen Sicherheit.

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