Der Osten macht vor, wie der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze aussehen sollte – und zwar absolut vorbildlich. Denn mitten in Schwerin gibt es die erste kommunale 24-Stunden-Kita für Babys, Kleinkinder und Vorschulkinder. Ein Konzept, das überzeugt. Denn die Nachfrage ist nicht nur hoch, sondern weitaus höher als das Angebot. Anfragen kommen nicht nur aus ganz Deutschland, sondern sogar aus Österreich.

Dennoch stehen in der 24-Stunden-Kita derzeit nur 58 Plätze zur Verfügung, die ausschließlich Kindern vorbehalten sind, deren Eltern im Schichtdienst arbeiten. Ein Tropfen auf dem heißen Stein, wenn man sich die Zahlen des statistischen Bundesamtes anschaut. Denn laut diesen gehen allein 14 Prozent aller Beschäftigten einer Tätigkeit nach, in der sie nachts arbeiten müssen. Da bringt eine Kinderbetreuung von montags bis freitags in der Zeit von 8:00 bis 16:00 h effektiv wenig.

Schwerin hat diese Situation erkannt, weshalb die Kita mit dem Namen “nidulus“ nicht nur von montags bis freitags rund um die Uhr geöffnet hat, sondern auch an Samstagen, Sonn- und Feiertagen. Insgesamt 365 Tage im Jahr, in Schaltjahren selbstverständlich sogar 366 Tage.

Ein Zuhause, eine Kita – weitere Betreuung überflüssig

Wer jetzt allerdings glaubt, dass die Kinder, die in die 24-Stunden-Kita gehen, dort mehr Zeit verbringen als in ihrem Elternhaus, der irrt. De facto verbringen sie nicht mehr oder weniger Zeit hier, als andere Kinder in einer Regel-Kita auch. Was die Kinder der “nidulus“ jedoch von anderen unterscheidet, ist die Tatsache, dass ihre Betreuung damit komplett abgeschlossen und abgesichert ist. Sie müssen nicht, wie es leider in vielen anderen Familien der Fall ist, im Anschluss an den Kita-Besuch noch an die Großeltern, die Tagesmutter oder den Babysitter weitergereicht werden, damit die Eltern ihren beruflichen Verpflichtungen nachkommen können.

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Mehr Zeit mit und für die Familie

Ein Platz in der 24-Stunden-Kita ist nicht nur für die Betreuung des Kindes ein echter Glücksgriff, sondern auch für das Familienleben. Mussten Vater und Mutter – sofern sie beide einer Schichtarbeit nachgehen – sich vorher in ihren Diensten abwechseln, können jetzt beide gleichzeitig arbeiten und die freie Zeit hingegen gemeinsam mit ihrem Nachwuchs verbringen. Ein Vorteil, der auf der Hand liegt. Denn ohne Platz in einer 24-Stunden-Kita kommt der eine Elternteil im schlimmsten Fall von seiner Schicht nach Hause, wenn der andere gerade das Haus verlässt, um seine zu beginnen. Dann bleibt für das Familienleben oftmals nur noch das Wochenende. Wenn überhaupt!

Denn auch die gemeinsamen Wochenenden sind mittlerweile eher die Ausnahme als die Regel, wie eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes herausgefunden hat. Den Ergebnissen dieser Studie zufolge sind 35% aller Beschäftigten nicht nur von montags bis freitags beruflich eingebunden, sondern auch an mindestens einem, wenn nicht sogar an beiden Tagen vom Wochenende.

24-Stunden-Kita: Eine Idee, deren Nachahmung sich lohnt

Während sich der Westen mit dem Ausbau der Krippenplätze noch schwer tut, plant die Stadt Schwerin für 2013 bereits die Errichtung einer zweiten 24-Stunden-Kita. Diesmal mit insgesamt 60 Plätzen, denn das Ganztageskonzept inklusive Vollverpflegung des Kindes, das im Monat 383,47 Euro – und damit in etwa 100,00 Euro mehr als der Platz in einer Regel-Kita – kostet, überzeugt nicht nur Eltern und Kinder, sondern auch Betreiber anderer Kindertagesstätten, die längst neugierig geworden sind und das Konzept gerne übernehmen würden.

Wir können nur wünschen, dass dies gelingt und deutschlandweit schon bald mehr als nur eine 24-Stunden-Kita mit 58 Plätzen zur Verfügung steht. Auch wenn gerade diese Kita wirklich Pionierarbeit geleistet hat. Doch hier sollte und darf noch lange nicht Schluss sein.