Viele Mütter, die auf Grund ihrer Kinder aktuell oder gar nicht mehr im Arbeitsleben stehen, würden trotzdem gerne etwas dazu besteuern, um die Haushaltskasse aufzubessern oder eben auch, um nicht länger “nur“ Hausfrau und Mutter zu sein. Gerade mit kleinen Kindern ist das jedoch schwierig. Denn die Betreuungssituation in Deutschland lässt noch immer zu wünschen übrig. Die Wartelisten von Krippen, Kitas und Kindergärten sind lang, eine Tagesmutter oftmals nicht im Budget drin.

Wie also arbeiten gehen, wenn niemand da ist, der währenddessen auf die Zwerge aufpasst? Vor diesem Dilemma stehen in Deutschland sehr viele Familien. Und alle bräuchten ein wenig Hilfe und Unterstützung. Warum also nicht selbst Tagesmutter werden, sein eigenes Geld verdienen, anderen Familien in einer ähnlichen Situation unter die Arme greifen, regelmäßigen Austausch haben und sich dabei auch noch selbst verwirklichen? Was es braucht, um Tagesmutter zu werden und welche Voraussetzungen man mitbringen sollte, das erfahren Sie hier.

Die Ausbildung zur Tagesmutter

Die Ausbildung zur Tagesmutter erfolgt durch das Jugendamt. In insgesamt etwa 100 Stunden können Frauen hier ihre Zertifizierung – die so genannte Pflegeerlaubnis – erlangen, sofern sie über ein lupenreines polizeiliches Führungszeugnis verfügen. Die Ausbildung ist allerdings sehr theoretisch und hauptsächlich sicherheitsorientiert. Kreative Ideen, um die Kinder während des Tages zu beschäftigen oder pädagogisch wertvolle Lösungen in Konfliktsituationen müssen sich die angehenden Tagesmütter hingegen selbst aneignen, wenn sie nachher auch in der Praxis bestehen – und diese vor allem überstehen – wollen.

Natürlich gibt es auch Tagesväter

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es natürlich auch Tagesväter und die dementsprechende Ausbildung gibt. Leider aber sind Tagesväter mindestens genauso selten wie männliche Erzieher in Kindergärten & Co. Dabei würden sich gerade viele alleinerziehende Mütter über eine männliche Identifikationsfigur für ihre Kinder sehr freuen – und über eine Art Vaterfigur vielleicht sogar noch viel mehr.

Die Voraussetzungen, die eine Tagesmutter/ ein Tagesvater mitbringen sollte

Gerade weil die Ausbildung des Jugendamtes pädagogische Aspekte wenig bis gar nicht berücksichtigt, sollten Frauen und Männer, die sich für die Tätigkeit als Tagesmutter oder Tagesvater interessieren, vor allem neugierig sein und neugierig bleiben, um immer wieder neue Anregungen zu finden, wie sie die lieben Kleinen wertvoll beschäftigen, gesund ernähren und liebevoll erziehen können. Denn gerade diese Eigenschaften unterscheiden eine gute Tagesbetreuung von einer weniger guten.

Dennoch bedarf es noch weiterer Voraussetzungen, wenn man herausfinden möchte, ob man für den Beruf der Tagesmutter oder des Tagesvaters geeignet ist: Dazu gehört, dass man Kinder nicht nur mögen sollte, sondern sich auch auf ihre verschiedenen Charaktere einstellen kann. Das eigene Kind liebt man als Elternteil trotz all seiner Charakterzüge und Unarten bedingungslos. Wie aber sieht das bei fremden Kindern aus? Bringt man auch ihnen gegenüber genügend Geduld, Einfühlungsvermögen, Gelassenheit und vor allem Zuneigung auf, selbst wenn gerade alles drunter und drüber gehen sollte?

Wenn durch die Wohnung gerade ein kindlicher Verwüstungstornado gefegt ist, mehrere Hände an einem herumzerren, alle gerade etwas anderes wollen, der eine quiekend, der andere heulend, der dritte lautstark tobend? Natürlich ist nicht jeder Tag als Tagesmutter oder Tagesvater von einem solchen Chaos geprägt und sollte es auch nicht sein. Nichtsdestotrotz kann auch einmal alles aus dem Ruder laufen. Und dann?

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Geduld, Einfühlungsvermögen, Gelassenheit und vor allem Zuneigung sind also unverzichtbare Charaktereigenschaften, die es als Tagesmutter mitzubringen gilt. Nicht nur den Kindern gegenüber, sondern oftmals auch gegenüber deren Eltern. Denn ihre Erwartungshaltungen, Vorgaben, Vorschriften und Verbote gilt es ebenso zu berücksichtigen und in die tägliche Betreuung mit einfließen zu lassen. Hier sind also weitere Fähigkeiten wie Kommunikationskompetenz und Diplomatie gefragt.

Die Zimmerfrage

Neben all den genannten charakterlichen Eigenschaften ist es nicht minder wichtig, mindestens ein separates Zimmer zur Verfügung stellen zu können, in dem die Kinder spielen und toben können, wenn das Wetter es nicht zulässt, nach draußen zu gehen. Ein Raum, der nur für die Betreuung der Kinder gedacht, entsprechend kindgerecht eingerichtet ist und die berufliche Tätigkeit von der eigenen Privatsphäre trennt. Das ist nicht nur für die Kinder wichtig, sondern auch für die Tagesmütter und Tagesväter selbst.

Denn: Wenn man in den eigenen vier Wänden arbeitet, braucht es eine Abgrenzung zum privaten Leben. Sonst läuft man sehr schnell Gefahr, irgendwann keinen Rückzugsort mehr zu haben, um wirklich abschalten und neue Kräfte für den nächsten Tag sammeln zu können. Steht hingegen ein separates Spielzimmer zur Verfügung, kann dieses nach der Betreuung schnell noch aufgeräumt, das Geschirr eingesammelt und in die Spülmaschine eingeräumt werden, um dann die Tür des Betreuungszimmers bis zum nächsten Tag zu schließen. Feierabend!

Der Zusammenschluss von Tagesmüttern und/ oder Tagesvätern

Was ebenso attraktiv sein kann, ist, sich mit anderen Tagesmüttern/ Tagesvätern zusammenzuschließen und eine Art “privaten Kindergarten“ zu gründen. Dazu bedarf es natürlich der passenden Mitstreiter sowie geeigneter Räumlichkeiten. Die Vorteile jedoch liegen auf der Hand: Zum einen ist man nicht allein verantwortlich, sondern kann sich in schwierigen oder in Konfliktsituationen den Rat Gleichgesinnter einholen. Den Kindern bieten sich mehr Möglichkeiten, da sie ihrem Alter entsprechend in verschiedenen Gruppen eingeteilt werden können, die Betreuung ist individueller und gleichzeitig abwechslungsreicher, aber – und jetzt kommt das Wichtigste: Immer gewährleistet! Denn was passiert, wenn man als Tagesmutter oder Tagesvater kurzfristig krank wird, für längere Zeit ausfällt oder einfach mal einige Tage Urlaub nehmen möchte bzw. muss? In diesem Fall können die anderen Tagesmütter und Tagesväter einspringen, ohne dass das gesamte Betreuungsgerüst zusammenfällt.

Falls Sie jetzt neugierig geworden sein sollten oder gar schon ernsthaft überlegen, zukünftig auch als Tagesmutter oder Tagesvater zu agieren, finden Sie weitere Informationen im Netz unter www.tagesmuetter-bundesverband.de

Und für all diejenigen, die bereits als Tagesmutter oder Tagesvater tätig sind, gibt es im Handel ein anregendes Praxisbuch: “Das Praxisbuch für Tagesmütter – Betreuen, Fördern, Bilden“ von Antje Bostelmann, erschienen im Verlag Bananenblau. Preis: 19,80 Euro. Auch wenn der Titel nicht explizit darauf eingeht, für Tagesväter ist das Buch natürlich ebenso gemacht.