Es gibt ihn nicht, den idealen Zeitpunkt für das zweite Kind. Zumindest nicht in Bezug auf den Altersabstand zum Erstgeborenen. Wann immer sich auch eine Familie entschließt, ein erstes zweites oder drittes Kind zu bekommen, es sprechen meist genauso viele Punkte dafür wie dagegen. Entscheidendes Kriterium ist immer die innere Bereitschaft beider Elternteile. Ist diese vorhanden, ist der richtige Zeitpunkt für Kind Nummer zwei gekommen. Trotz allem gibt es verschiedene Erwägungen, die vor der Entscheidung in Betracht gezogen werden müssen.

Der Altersunterschied

Denken Eltern über ein zweites Kind nach, spielt dieser Aspekt meist eine große Rolle und ist Anlass zu vielen Diskussionen im Freundes- und Familienkreis. Geringe Abstände zwischen den Geburten sind eine physische Belastung für die Mutter, da sich der Körper noch nicht gänzlich von der ersten Schwangerschaft erholt hat. Das erstgeborene Kind ist noch nicht im Kindergarten.

Die ersten Jahre mit zwei Kleinkindern sind außerordentlich anstrengend und allzu schnell sind die Mütter in dieser Zeit auf reine Versorgerinnen ihrer Kinder reduziert. Werden die Kinder jedoch etwas älter, zeigt sich der positive Aspekt dieser Konstellation. Sie sind sich gegenseitig Spielpartner, Tröster und Spiegel und die Beziehung zwischen den Geschwistern kann sehr intensiv und innig werden. Sie interessieren sich für ähnliche Dinge, mögen die gleichen Geschichten und spielen ähnliche Spiele miteinander. Dadurch entstehen für die Eltern mehr Freiräume und Zeit für sich.

Nach einer längeren Babypause kann die Mutter dann endgültig ins Berufsleben zurückkehren. Ist der Altersabstand größer und geht das erste Kind bereits in den Kindergarten, ist die erste Zeit weniger anstrengend und der Zeitraum, den die Mutter ungestört mit dem Neugeborenen verbringen kann, wird wie beim ersten Kind vom Rhythmus des Säuglings geprägt. Das erstgeborene Kind kann schon besser verstehen, dass ein Baby ein hohes Maß an Zuwendung und Aufmerksamkeit braucht, ohne sich selbst zurückgesetzt zu fühlen. Nachteil hier ist eine erschwerte Koordination von Aktivitäten, da die Kinder unterschiedlichen Altersgruppen angehören und die Bedürfnisse und Wünsche sich aufgrund der unterschiedlichen intellektuellen Entwicklungsstufen doch sehr unterscheiden.

Die Babypause für die Mutter kann unter Umständen sehr lang gezogen sein. Beim Altersunterschied von sechs Jahren und mehr entsteht fast schon wieder eine Einzelkindsituation für das Neugeborene. Vorteil ist hier, dass das ältere Kind schon eine echte Unterstützung sein kann und evtl. je nach Alter auch den Babysitter für das jüngere Geschwisterkind spielen kann. Auch wenn die Geschwistersituation sehr innig sein kann, fehlt doch das Gefühl der Augenhöhe, so dass die Beziehung schon fast einer Kind-Erwachsenen-Beziehung ähnelt. Für das ältere Kind kann es leicht zur Überforderung kommen, wenn die Eltern es zu sehr in die Betreuung des Nesthäkchens miteinbeziehen.

Was sollte noch bedacht werden?

Bei der Überlegung für ein zweites Kind sind neben der Frage des Altersunterschiedes noch weitere Aspekte zu berücksichtigen. Ist die innere Bereitschaft bei beiden Elternteilen vorhanden? Der Wunsch der Großeltern nach weiteren Enkeln oder das Gefühl, dass zwei Kinder eben besser seien als eines, sollten nicht ausschlaggebend sein. Ein zweites Kind bringt große Veränderungen in eine Familie und die Entscheidung sollte nur aus einem echten inneren Bedürfnis heraus getroffen werden. Weitere Überlegungen sind dann organisatorischer, bzw. finanzieller Art. Reicht die Wohnung aus, oder muss umgezogen werden? Ist ein zweites Kind finanziell überhaupt tragbar? Wie groß ist das Sicherheitsbedürfnis bezüglich des Arbeitsplatzes der Eltern? Wer kann Betreuungsfunktionen übernehmen? Für zwei Kinder eine Betreuung außerhalb des Kindergartens zu finden, ist meist schwieriger und oft auch kostenintensiver. Wenn die innere Bereitschaft beider Elternteile und die äußeren Faktoren zusammenpassen, steht der Entscheidung für ein zweites Kind nichts mehr im Wege. Dann ist der richtige Zeitpunkt da. Garantien gibt es nie, aber mit einer guten inneren Vorbereitung und der sorgfältigen und realistischen Abwägung der äußeren Aspekte können Eltern entspannt und voller Freude auf ihr neues Familienmitglied warten.