„… und dann war ich mit Zinja und Mama noch in der Stadt ein Eis essen“ erzählt mir mein fast 4-jähriges Patenkind am Telefon. „Ach ja, Finja, das ist Deine Kindergartenfreundin, oder?“ erinnere ich mich. „Neeeee“, sagt mein Patenkind, „DIE doch nicht“. Sekunden später, als das Puzzle mit Papa doch wieder spannender wird als der Telefonhörer mit der Tante, klärt mich meine Freundin auf: „Zinja. Nicht Finja, Zinja. Neuerdings haben wir nämlich eine Fantasiefreundin…“. Und die muss, na klar, überall mit hin.

Schmunzelnd sitze ich nach dem Telefonat auf dem Sofa, denn meine eigenen Fantasiefreunde aus der Kindheit fallen mir ein. Ja, ich hatte gleich zwei davon, mit den klangvollen Namen Wewwi und Mexico. Weiß der Himmel, wie ich darauf gekommen bin, den lustigen Promi-Trend, Kinder tatsächlich nach Städten, Ländern oder Früchten zu nennen, gab es damals nämlich noch nicht… Ich erinnere mich, dass ich lange Gespräche mit den beiden führte, wenn ich auf dem Gehweg vorm Haus von Hümpelkästchen zu Hümpelkästchen hüpfte. Nicht, dass ich keine echten Freunde gehabt hätte. Aber die waren eben nicht rund um die Uhr bei mir. Und weil es irgendwann langweilig wurde, dem Teddy zu erzählen, was in einem vorgeht, mussten eben Fantasiefreunde her. Meine Mutter nahm die beiden Mädels damals übrigens vorbehaltlos in unsere Familie auf und erzählt heute noch lächelnd von dieser Phase, in der Sätze am Abendbrot-Tisch begannen mit „Die Mexico hat heute… „ oder endeten mit „… aber die Wewwi findet das auch!“. Sie ließ mir meine Fantasiefreundinnen, ohne auch nur einmal anzuzweifeln, dass da womöglich irgendetwas Seltsames dran sein könnte.

Fantasiefreunde: Kein Grund zur Sorge

Und damit lag meine Mutter damals schon genau richtig. Denn Fantasiefreunde sollte man seinen Kindern keinesfalls ausreden oder sich gar über sie lustig machen. Sie sind im Gegenteil eine gute Sache, finden auch Kinderpsychologen. Denn sie passen genau zum Kind und seinen Bedürfnissen, sind immer da, wenn sie gebraucht werden, zum Reden, Spielen und Trösten. Zwischen zwei und fünf Jahren unterscheiden Kinder nicht zwischen Realität und Fantasie, sondern pendeln mit Leichtigkeit zwischen beiden Welten hin und her. Fantasiefreunde sind ein Zeichen für Kreativität und Sensibilität, und es kann richtig spannend sein, als Eltern auf Zinja & Co. einzugehen, weil Sie dabei viel über den eigenen Nachwuchs, seine Gedanken und Gefühle erfahren.

Fantasiefreunde: Wegbegleiter auf Zeit

Dabei müssen sich Eltern auch keine Sorgen machen, dass das Kind in der Schule komisch angesehen wird, weil es sich scheinbar angeregt mit der eigenen Schultasche unterhält: Bis zu diesem Alter sind die Fantasiefreunde nämlich wieder verschwunden. Sollte Ihr Kind gerade einen Fantasiefreund oder eine Fantasiefreundin haben, dann merken Sie sich doch Namen und Eigenarten – damit Sie, genau wie meine Mutter, Ihr Kind noch im Erwachsenenalter liebevoll daran erinnern können: „Weißt Du noch, Wewwi und Mexiko?“ Ich jedenfalls freue mich drauf, beim nächsten Besuch meines Patenkindes seine Fantasiefreundin Zinja endlich persönlich kennenzulernen!