Wenn Kinder groß werden, erforschen sie nicht nur ihre Umwelt, sondern auch den Körper. Dies tun sie nicht nur am eigenen, sondern auch am Körper von anderen. Sie schauen, fassen an und probieren aus. Dies ist ein natürlicher Vorgang und auf gar keinen Fall so dramatisch, wie es von manchen Eltern dargestellt wird. Die Doktorspiele sind (überwiegend) harmlose Entdeckungsreisen.

Doktorspiele befriedigen die Neugier der Kleinen

Im Zuge der kindlichen Entwicklung kommt eine Zeit, in der die Kinder neugierig auf ihren eigenen Körper werden. Sie stellen Reaktionen fest, vergleichen ihren Körper mit dem von anderen, um Unterschiede kennenzulernen. Dies geschieht im Alter von 2 bis 6 Jahren. Zu Anfang erforscht das Kind den eigenen Körper, auch die Geschlechtsteile. Sie stellen fest, dass es vielleicht ganz angenehm sein kann, wenn sie ihre Genitalien berühren, und finden es toll, dies bei sich selbst zu tun. Ab einem Alter von 3 Jahren werden auch die Körper von Gleichaltrigen erforscht – um zu vergleichen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu finden. Die Doktorspiele sind hierfür natürlich am besten geeignet. Denn der „Arzt“ untersucht den Körper des anderen – unter anderem auch die Geschlechtsteile des Gegenübers. Solange der „Patient“ damit einverstanden ist, besteht von elterlicher Seite kein Grund, diese Untersuchungen zu unterbinden oder gar zu verbieten. Sorgen sollten Eltern sich nur dann machen, wenn ihr Kind sich gar nicht für seine Sexualität oder seinen Körper interessiert, meinen die Psychologen.

Doktorspiele – Kein Grund sich aufzuregen!

Gerade im Bezug auf Doktorspiele, in die auch die Geschlechtsteile mit einbezogen werden, reagieren manche Eltern empfindlich. Sie verbieten diese und schimpfen mit ihrem Kind. Dies ist aber der falsche Weg! Kinder brauchen diese Erfahrungen, um ein besseres Gefühl für ihren eigenen Körper zu entwickeln und vor allem, um eine gesunde sexuelle Entwicklung zu durchlaufen. Verbieten Eltern das oder bestrafen das Kind sogar, so manifestiert sich dieser negative Gedanke im Kopf des Kindes. Ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper oder gar zur Sexualität können die Folge sein.
Es besteht auch kein Grund, mit dem Kind über dieses Verhalten oder die Erfahrungen zu sprechen. Hat das Kind von sich aus Bedarf darüber zu sprechen, wird es dies tun. Einfach darüber hinwegsehen oder bestenfalls beobachten aus der Ferne ist angesagt. Wenn die Kinder den Körper fertig erforscht haben, haben auch die Doktorspiele ein Ende.

Doktorspiele – wann sollte man doch einschreiten?

In der Regel ist es unnötig, sich in die kindlichen Entdeckungsreisen einzumischen. Erst dann, wenn ein Kind sich merklich unwohl fühlt oder vom Gegenüber gezwungen wird, sollten die Eltern einschreiten. Handlungsbedarf besteht auch dann, wenn bei der Untersuchung Gegenstände zum Einsatz kommen, die spitz oder scharf sind und somit zu Verletzungen führen könnten.
Auch dann, wenn ein Kind die anderen dominiert oder gar eine stark sexuell geprägte Sprache anwendet, ist Aufmerksamkeit geboten. Ebenso, wenn ein Kind verlangt, dass die Doktorspiele unter absoluter Geheimhaltung stattfinden.
Beobachtet man, dass ein Kind sexuelle Praktiken anwendet, die ganz eindeutig in den Erwachsenenbereich fallen und daher auf gar keinen Fall kindgerecht sind, sollte eine sanfte Unterbrechung stattfinden.
In allen Fällen sollten die Eltern oder aber die Personen, die die Aufsicht führen keinesfalls schimpfen oder gar Strafen aussprechen. Ein kleiner Hinweis oder ein kurzes Gespräch ohne Vorwürfe reicht meist völlig aus.