Jetzt ist es nicht nur schriftlich festgehalten, sondern auch wissenschaftlich erwiesen: Wir Frauen reden einfach zu viel. Denn eine Untersuchung an der Universität von North Carolina hat die bisherige Annahme widerlegt, dass der Spracherwerb bei Kleinkindern größtenteils durch die weibliche Bezugsperson geprägt wird. Leider ist das genaue Gegenteil der Fall.

Von wegen Muttersprache

Kleinkinder erlernen demnach die Muttersprache eben nicht durch die Mutter, sondern durch den Vater. Sie wissen schon, das redegewandte Geschlecht, das in den meisten Fällen sehr viel weniger Zeit mit dem Kind verbringt, das uns selbst nicht selten eher wortkarg erscheint und dem man als Lebenspartnerin oft genug die Antworten auf unsere Fragen aus der Nase ziehen muss.

Und dennoch: Den Forschungsergebnissen nach zu urteilen, orientiert sich das Kind innerhalb der ersten Lebensjahre an den Satzmustern und dem Satzbau des Vaters, die es nur allzu gern imitiert. Und das, obwohl die Mütter oftmals viel aktiver und auch intensiver mit dem Kind kommunizieren.

Qualität statt Quantität

Das US-amerikanische Wissenschaftler-Team rund um die Psychologin Lynne Vernon-Feagons vermutet deshalb, dass Kleinkinder durch Sprachspektrum, Wortschatz und das Engagement der Mutter, so viel und so oft wie möglich mit ihrem Kind zu sprechen, schlicht und ergreifend überfordert werden. Was so viel heißt wie: Wir Frauen reden einfach zu viel – zumindest in den ersten drei Lebensjahren unseres Kindes!

Väter, die sich gerade genüsslich mit den Worten zurücklehnen möchten: „Siehst Du, ich habe Dir ja schon immer gesagt, dass Du zu viel quatscht!“, seien direkt wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Untersuchungsergebnisse belegen gleichzeitig, dass die Sprachentwicklung des Kindes umso besser voranschreitet, je größer der Wortschatz der männlichen Bezugsperson ist.

Die Untersuchung und ihre Ergebnisse

Insgesamt wurden 92 Familien mit berufstätigen Männern und Frauen beobachtet und die Sprachfähigkeit ihrer Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren untersucht. Dabei zeigte sich eindeutig, dass Väter bei der frühkindlichen Sprachentwicklung innerhalb der ersten drei Lebensjahre der Kinder den entscheidenderen Einfluss haben.

Erst danach orientieren sich Kinder an den Fähigkeiten und dem Wortschatz der Mutter, die damit ihre sprachliche Vorbildfunktion übernimmt und womit beiden Elternteilen insgesamt eine tragende Rolle beim Spracherwerb und Sprachvermögen ihres Kindes zukommt. Denn ab dem Alter von vier Jahren und insbesondere bei Schülern steht die Sprachfähigkeit des Kindes dann im direkten Verhältnis zu dem Sprachvermögen und dem Sprachverhältnis der weiblichen Bezugsperson.

Die Empfehlungen zum Spracherwerb

Lynne Vernon-Feagons kommt zu der Erkenntnis, dass der Erziehungsansatz, schon den Allerkleinsten immer alles en detail erklären zu wollen, eben nicht gerade förderlich, sondern eher überfordernd ist.

Stattdessen empfiehlt sie, gerade bei Kleinkindern darauf zu achten, dass der Spracherwerb für sie vereinfacht wird. Mit einer klaren Aussprache, kurzen Sätzen, prägnanter Satzstellung und vor allem mit genau dem Inhalt, der vermittelt werden soll. Nicht mehr und nicht weniger. Als ob wir Frauen nicht generell immer die Dinge auf den Punkt bringen könnten!