Kinder sind begeistert von allem, was sich bewegt und vor allem, von allem, was rollt. Schon die Kleinsten robben und krabbeln dem Ball hinterher, der vor ihnen durchs Zimmer kullert. Der kindliche Mobilitätsdrang ist unfassbar groß, unglaublich ehrgeizig und sollte entsprechend gefördert werden. Nach Bobbycar, Dreirad, Laufrad, und/ oder Roller steht also irgendwann zwangsläufig die Suche nach dem perfekten ersten Kinderfahrrad auf dem Plan. Dabei sollte jedoch nicht das Design entscheidend sein, sondern vor allem die Funktionalität und die Sicherheit, die dieses erste Fahrrad Ihrem Kind bietet.  Wie Sie das perfekte Fahrrad für Ihr kleines Energiebündel finden, erfahren Sie hier:

1. Das Spielrad

Bei dem allerersten Fahrrad sollte es sich um ein so genanntes Spielrad nach DIN 79110 handeln. Dieses ist zwar noch weit davon entfernt, straßenverkehrstauglich zu sein und wird dementsprechend als “Spielzeug“ deklariert, bietet Ihrem Kind aber alles, was es braucht, um sein Gleichgewicht auszubalancieren und halten zu können. Zudem dämpft es Stöße ab und schützt vor schweren Verletzungen. Denn: Ganz ohne die ersten leichten Stürze hat bisher wohl kaum ein Kind das Fahrradfahren in Perfektion erlernt. Sie gehören leider, aber irgendwie auch zwangsläufig dazu.

2. Fahrradhupe, Fahnenstange & Co.

Da das Spielrad in seiner Ausstattung reduziert ist und beispielsweise weder über eine Gangschaltung noch über eine Lichtanlage verfügt, verlangt es Ihrem Kind auch keine motorischen Höchstleistungen ab, sondern sorgt dafür, dass es sich auf das Fahren an sich konzentrieren kann. Reflektoren an den Reifen hingegen erhöhen die Sichtbarkeit Ihres Kindes, wenn es beispielsweise in der Abenddämmerung noch auf dem Hof herumfährt. Jeder andere Schnickschnack, der das Kind ablenkt oder gar zur einhändigen Fahrweise verleitet wie beispielsweise eine große Fahrradhupe, ein Flaschenhalter oder eine Fahnenstange, gehören auf keinen Fall an das erste Kinderfahrrad.

3. Mit oder ohne Stützräder

Stützräder sind noch immer umstritten. Viele von uns haben das Fahrradfahren selbst noch mit Stützrädern erlernt und schwören darauf. Insbesondere, weil das Kind sein Spielrad so sofort benutzen kann. Aufsteigen, losstrampeln, Spaß haben. Experten jedoch empfehlen, auf Stützräder von Anfang an zu verzichten. Denn Stützräder suggerieren dem Kind nicht nur eine Balance, die es nicht selbst hält, sondern der es auch noch mit anderen Bewegungen als beim Fahrradfahren ohne Stützräder Rechnung tragen muss. Kurz zusammengefasst bedeutet dies: Mit Stützrädern erlernt das Kind zwar im Handumdrehen, sich mit seinem Fahrrad fortzubewegen, hat aber nachher bei der Umstellung auf das richtige Fahrradfahren wesentlich mehr Schwierigkeiten als wenn es dies von Anfang an direkt ohne Stützräder genutzt hätte.

4. Das Gleichgewicht

Die beste Vorbereitung auf das Fahrradfahren sind ein Lauflernrad und/ oder der Roller. Denn beide Spielgeräte fördern den Gleichgewichtssinn, der beim späteren Fahrradfahren so wichtig ist. Denn kann das Kind sein Gleichgewicht schon sehr gut ausbalancieren, muss es beim Fahrradfahren nur noch das Treten und das Bremsen neu erlernen.

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5. Die Bremse

Das Spielrad verfügt idealerweise über eine Rücktrittbremse, da diese nicht nur eine höhere Griffigkeit hat und das Fahrrad wirklich zum Stehen bringt, sondern insbesondere deshalb, weil eine Vorderradbremse sich für jüngere Kinder als ungeeignet erweist. Zum einen auf Grund der Herausforderung an das Koordinationsvermögen, zum anderen, da das Kind bei einem zu heftigen Bremsmanöver mit einer Vorderradbremse im schlimmsten Fall kopfüber vom Fahrrad und über den Lenker fliegen könnte.

5. Der Lenker

Auch dem Lenker kommt beim Spielrad eine besondere Bedeutung zu. Seine Enden sollten wie auch der Vorbau des Lenkers dick gepolstert sein. Denn gerade diese Polsterung schützt Ihr Kind bei Stürzen, die sich – wie wir schon gelernt haben – mit sicherer Wahrscheinlichkeit nicht vermeiden lassen werden.

6. Die Reifen

Für den Reifen am ersten eigenen Fahrrad gilt: je breiter, desto besser. Denn breite Reifen geben Ihrem Kind nicht nur mehr Fahrsicherheit, sondern dämpfen auch gleichzeitig Stöße ab, schonen so die Wirbelsäule und erhöhen dabei ganz nebenbei Fahrkomfort und Fahrspaß.

7. Der Kettenkasten

Ebenfalls wichtig für Kinder ist der so genannte “Kettenkasten“, den das erste eigene Fahrrad unbedingt haben sollte. Denn der Kettenkasten verhindert, dass die Hosenbeine oder die Schnürsenkel Ihres Kindes aus Versehen zwischen Kette und Kettenblatt gelangen und sich dort verfangen, was zu gefährlichen Stürzen führen könnte.

8. Der Einstieg

Ebenfalls hilfreich beim ersten eigenen Fahrrad ist ein niedriger Einstieg, der es Ihrem Kind ermöglicht, ohne umständliche Manöver schnell und einfach aufs Fahrrad herauf- und natürlich auch von ihm wieder herunter zu kommen.

9. Die Satteleinstellung

Wie hoch der Sattel eingestellt sein sollte, auch darüber scheiden sich oftmals die Geister. Während bei älteren Kindern oder Erwachsenen meistens gesagt wird, dass die Zehenspitzen den Boden berühren können sollten, gilt bei jüngeren Kindern und ihrem ersten eigenen Fahrrad folgende Faustregel: Der Sattel sollte so justiert werden, dass der Boden mindestens mit dem Fußballen, besser noch mit dem ganzen Fuß berührt werden kann.

10. Last but not least:

Auch beim ersten eigenen Fahrrad oder besser gesagt, dem ersten eigenen Spielrad, sollten Kinder immer einen Fahrradhelm tragen. Dieser sollte zu ihrem eigenen Schutz sowohl das CE-Zeichen tragen als auch normgeprüft nach EN 1078 sein. Ebenfalls gilt, dass der Fahrradhelm nicht gebraucht gekauft werden, sondern neu sein sollte, um zu vermeiden, dass das Plastik eventuell schon beschädigt ist und bei einem erneuten Sturz brechen könnte. Gleichermaßen wichtig sind natürlich die perfekt passende Größe des Helmes und die Handhabung der Verschlussriemen am Kinn, die das Kind selbst öffnen und vor allem sicher wieder verschließen können muss.

Und jetzt: Viel Spaß beim Fahrradkauf und den ersten Fahrversuchen!