Katharina lag im ihrem Bett und konnte nicht einschlafen. Ständig hörte sie Geräusche, welche eindeutig aus ihrem Wandschrank kamen. Doch immer, wenn sie Mama und Papa rief, waren die Geräusche verschwunden. Ihre Eltern erzählten dann immer, dass das nur Einbildung sei und dass sie nichts zu befürchten hätte. Doch sobald ihre Eltern wieder aus dem Zimmer hinausgegangen waren, fingen die unheimlichen Geräusche von vorne an.
Katharina zog sich die Decke über den Kopf und versuchte einfach wegzuhören. Plötzlich war es ganz ruhig. Katharina nahm die Decke zurück und schaute zum Wandschrank. Die Tür stand offen. Angst kroch in ihr hoch. Sie versuchte an etwas anderes zu denken, doch die Angst war größer. Katharina dachte:“ Ich renne schnell und mache die Schranktür zu.“
Sie sprang aus dem Bett und wollte die Tür schließen. Doch auf einmal sah sie etwas. Ein Licht. Neugierde mischte sich mit der Angst und Katharina schlich auf Zehenspitzen näher an das Licht. Sie sah kaum etwas, deswegen ging sie noch einen Schritt weiter. Doch eh sie sich versah, stand sie im Schrank. Doch was sah sie dort? An der Stelle, wo sonst die Wand des Schrankes war, war ein Durchgang. Sie sah schemenhaft etwas, was aussah wie Bäume. Katharina hatte nun fast keine Angst mehr. Sie wollte wissen, wieso dort Bäume standen und ging durch den Gang hindurch.

Plötzlich stand sie auf einer Lichtung. Ringsherum standen Bäume, der Wind wehte durch die Blätter. Vögel sangen und Schmetterlinge flogen durch die Luft. Die warmen Strahlen der Sonne kitzelten Katharinas Nase. Eine Melodie begleitete die Vögel und Schmetterlinge. Sie flogen alle zum anderen Ende der Lichtung. Katharina sah etwas. Ein Junge stand dort auf einem Baumstumpf und spielte auf einer Art Flöte ein besonderes Lied. Die Tiere schienen diese Melodie zu mögen, denn sie flogen alle zu dem Jungen mit der Flöte. Katharina ging auf den Jungen zu und schloss die Augen. Er spielte so schön und der Klang des Liedes war so klar, dass Katharina die Augen schloss und lauschte. Gerade als die Melodie am schönsten wurde, wurde es ganz still. Katharina öffnete die Augen. Der Junge und auch alle Tiere schauten sie an.

„Wer bist du?“, fragte der Junge, welcher einen grünen Anzug trug. Seine Ohren waren spitz und er wirkte etwas kleiner, als normale Jungs.

„Ich bin Katharina und bin durch den Durchgang dort gekommen.“ Katharina zeigte in die Richtung, wo sie den Wandschrank vermutete. Doch es war kein Durchgang zu sehen. Der Junge schaute verwundert zu Katharina. „Du solltest nicht hier sein, es ist viel zu gefährlich in Taberia. Geh schnell zurück nach Hause!“ „Das würde ich ja gerne, aber der Durchgang ist verschwunden.“ Katharina spürte wieder diese Angst, welche sie schon sooft gespürt hatte, daheim in ihrem Bett.

„Vielleicht kannst du sie heimbringen?“, fragte ein kleiner Sperling den Jungen. „Unmöglich. Ihr wisst doch dass ich eine Aufgabe habe!“ Der Junge wirkte nachdenklich. Die Tiere wurden nervös und sprachen alle durcheinander. „Seid leise, sonst findet „sie“ unser Versteck!“

Katharina war beinahe sprachlos. „Wieso sprechen die Tiere? Und wieso verstehe ich sie? Wer ist „sie“? Und wieso ist der Durchgang verschwunden?“

„Soviele Fragen. Also zu aller erst mal du kannst die Tiere verstehen, weil meine Melodie deine Ohren verzaubert hat. Alle, die diese Melodie hören, können mit Tieren sprechen.
„Sie“ ist die Hexe, welche meine Familie und Freunde zu Stein verwandelt hat. Sie sucht mich, denn ich habe das einzige Mittel, womit sie besiegt werden kann. Aber wieso dein Durchgang verschwunden ist, weiß ich auch nicht.“

„Sie ist hier, um dir zu helfen!“ Ein Einhorn schwebte nieder auf die Lichtung. Es war überwältigend schön und Katharina dachte, dass sie nie etwas Schöneres gesehen hatte.

„Sie wird dir helfen, deine Familie und Freunde zu befreien. Denn sie hat den Schlüssel zu ihrem Herzen!“

„Die Hexe soll ein Herz haben?“, fragte der Junge. „Ja du weißt was die Prophezeiung sagt.“
Das Einhorn ging auf Katharina zu. „Hallo Katharina, wir haben schon auf dich gewartet. Steig bitte auf. Wir reisen direkt zum Schloss der Finsternis.“
Katharina schluckte. „Ich weiß nicht was ihr meint. Gerade eben noch bin ich in den Wandschrank gegangen und plötzlich stand ich hier. Und nun soll ich eine böse Hexe besiegen?“ Katharina glaubte das alles nicht und dachte an einen Traum. Doch das Einhorn ging auf sie zu und berührte ihre Stirn mit seinem Horn. Bilder durchfluteten Katharinas Kopf. Sie sah wie die Hexe nach Taberia kam, dort die Tiere und auch die Familie des Jungens zu Stein verwandelte. Sie sah wie der Junge verzweifelt floh und Zuflucht suchte bei den Tieren des Waldes. Eine Schriftrolle erschien und auf dieser steht geschrieben:“Das Mädchen aus der anderen Welt kennt die Melodie des Sieges und des Friedens.“

Katharina schwankte und kippte nach hinten. Das Einhorn stützte sie, damit sie nicht fiel. „Melodie? Welche Melodie?“ Plötzlich hörte sie eine Melodie. Sie kam tief aus ihren Erinnerungen. Eine Melodie, welche ihre Großmutter ihr immer vorgesummt hatte. Sie sagte immer:“Katharina? Hör gut zu. Eines Tages wird dieses Lied sehr wichtig sein. Merk es dir gut.“

„Ich weiß es. Ich kenne die Noten. Hab ihr etwas zu schreiben?“ Ein Schwarm Vögel brachte ein Stück vergilbtes Papier und eine Feder mit Tinte. Katharina nahm es entgegen und schrieb die Noten auf. „Hier, Spiel und übe sie. Das muss die Melodie sein, welche ihr meint.“ Der Junge nickte und übte. Er übte viele Male. Und dann sagte er:“ So und nun bring uns zum Schloss Einhorn“ „Steigt auf.“

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Katharina und der Junge stiegen auf und hoben hinauf in die Luft. Sie flogen über den Wald und die Lichtung. Sie flogen weiter über purpurne Meere, Drachen kreisten unter ihnen und ab und zu trafen sie eine Elfe, welche ihnen viel Glück wünschte.

Bald schon sahen sie das Schloss. Es wirkte finster und es war umgeben von Gewitterwolken. Sie flogen durch die Wolken und landeten auf einem Balkon. Das Schloss sah verwittert aus.

„Früher war es das Schloss unserer Prinzessin. Doch auch sie wurde versteinert. Hier wurden rauschende Feste gefeiert. Alle waren glücklich und Taberia war wunderschön.“

„Bald schon wird es wieder so sein!“, tröstete Katharina den Jungen. „Los lass uns hinein gehen und alle retten.“ Der Junge nickte. Sie sprangen durch ein Fenster und liefen die Treppen hinab, bis zu einem Saal. Dort war ein trauriger Anblick. Überall standen Steinfiguren. Sie alle hatten qualvolle und traurige Gesichter. Der Junge ging langsam auf eine von ihnen zu:“ Das ist meine Frau. Ich konnte ihr nicht helfen!“ Sein Kopf senkte sich.

„Schnell Spiel.“, sagte Katharina, fast so als fürchtete sie, dass die Hexe kommen könnte. Und kaum hatte sie daran gedacht hörte sie eine gewaltige Stimme:“ Endlich habe ich dich du Wicht! Diesmal wirst du mir nicht entkommen!“ Neben ihr traten zwei Krokodile in den Saal. Sie schnappten mit den Gebissen und eine Gänsehaut kletterte Katharina den Rücken hinauf. „Ich bin hier um meine Familie und meine Freunde zu retten. Ich habe die Melodie aus der Prophezeiung.“ „Unmöglich. Los ergreift ihn.“ Die Krokodile waren blitzschnell und beinahe hatten sie den Jungen mit der Flöte erreicht, doch plötzlich tauchte das Einhorn vor dem Jungen auf und warf ihn auf sein Rücken. „Schnell jetzt ist der Moment gekommen.“ Der Junge spielte. Er spielte die Melodie, welche er von Katharina gelernt hatte. Er spielte und spielte und dann umgab ein magisches Glitzern den Saal. Die Figuren aus Stein funkelten und eine nach der anderen erwachte aus ihrem ewigen Schlaf.
Als alle Tiere und Menschen wieder normal waren hörte der Junge auf die Flöte zu spielen. Er schaute zur Hexe, welche gerade panisch die Flucht ergreifen wollte. „Nicht so schnell, erst spiele ich nur für dich ein Lied!“ „Nein, bitte ich flehe dich an!“ Doch ehe die Hexe zu Ende gesprochen hatte, spielte der Junge ein sehr trauriges Lied. Es war so traurig, dass alle Anwesenden anfingen zu weinen. Auch Katharina weinte. Die Hexe jedoch wandte sich vor Schmerz und Qual, denn das Lied bewirkte, dass sie sich verwandelte. Sie verwandelte sich zu einer Figur aus Stein. Sie versuchte sich zu wehren, doch es war zu spät. Dort stand sie nun. Als Mahnmal für alle die nach ihr kommen würden.
Der Junge lächelte. Die Tiere und die Menschen liefen auf ihn zu und alle waren glücklich. Ein weiteres Mal spielte der Junge die Melodie des Friedens. Das Schloss verwandelte sich. Es wurde schöner und heller und sah am Ende aus wie neu. Ein Glitzern und Funkeln verfestigte sich in der Mitte des Saals und daraus erschien eine wunderschöne Frau. Es war die Prinzessin. Sie trat auf den Jungen mit der Flöte zu und bedankte sich. Dann drehte sie sich zu Katharina um und sagte:“ Danke Katharina. Du hast uns und Taberia gerettet. Deine Aufgabe ist erfüllt und der Weg zu Deiner Welt hat sich wieder geöffnet. Du kannst jederzeit nach Hause gehen.“

Katharina war glücklich. Sie lächelte und sagte dann:“ Ich bin so froh. Und ich danke euch dafür, dass ihr mir gezeigt habt, dass man keine Angst haben muss.“ Sie schaute zu dem Jungen mit der Flöte, welcher glücklich mit seiner Frau dort stand. „Auch dir danke ich. Wie heißt du eigentlich?“ „Ich heiße Peter.“ Katharina kicherte:“ Aber nicht Peter Pan oder?“ Sie zwinkerte und dann setze sie sich auf den Rücken des Einhorns, um zur Lichtung zurückzufliegen. „Peter Pan ist mein Cousin!“ Katharina rief:“ ich dachte mir schon so etwas.“
Schon bald darauf erreichte sie die Lichtung. Sie stieg vom Rücken des Einhorns, streichelte es und verabschiedete sich. Sie fand sofort den Durchgang und müde aber glücklich schmiss sie sich in ihr Bett. Sie dachte an ihr Abenteuer und kurz bevor sie einschlief murmelte sie:“ Märchen gibt es also doch. Ich wusste schon immer das du wirklich bis Peter. Katharina schlief sofort ein und merkte deshalb nicht wie ein Junge mit Flöte und in Begleitung einer Fee von ihrem Fenster wegflog in den Nachthimmel, um beim zweiten Stern rechts immer der Nase zu folgen. Er spielte dabei die Melodie des Friedens auf seiner Flöte.

„Das war eine schöne Geschichte Tinkerbell.“

Der Wind wehte und die Nacht wurde still.

Katharina aber träumte von ihrem Abenteuer in Taberia und dem Jungen mit der Flöte.