Mit Beginn der Pubertät wird das bisher so traute Familienleben nicht selten auf den Kopf gestellt. Entsprechend bedarf es auch neuer Regeln. Nicht unbedingt strengerer, aber anderer. Denn Ihr Kind ist vielleicht in Ihren Augen noch immer ein Kind, hat aber nachweislich den Weg des Erwachsen-Werdens beschritten. Dementsprechend muss es in manchen Belangen nun auch als solcher, als heranwachsend, betrachtet werden. Und das beginnt schon bei der Intimsphäre.

Der Schlüssel zum Glück

Das Badezimmer ist stundenlang blockiert, weil Söhnchen oder Töchterchen mit seinem Aussehen hadert oder dem montäglichen Auftritt in der Schule noch den nötigen Feinschliff verleiht? Bleiben Sie gelassen und gestehen Sie Ihrem Kind seine Zeit im Bad zu. Denn nie war das Aussehen wichtiger als in der Pubertät. Vor allem die Intimsphäre gewinnt jetzt an zunehmender Bedeutung und sollte entsprechend von Ihnen beachtet, vor allem aber gefördert werden.

Haben Sie beispielsweise bisher darauf verzichtet, das Badezimmer abzuschließen, wenn Sie es selbst benutzt haben, fangen Sie jetzt damit an. Der Ihr Kind möchte weder Sie, noch einen anderen Erwachsenen und auch die jüngeren oder älteren Geschwister nicht unbedingt beim Baden in der Wanne, nackt unter der Dusche oder zu allem Übel auch noch auf der Toilette überraschen. Auch wenn Schamhaftigkeit in dieser Form vorher nicht existiert hat oder nicht offenkundig artikuliert wurde, mit Eintritt in die Pubertät nehmen Jungen als auch Mädchen nicht nur ihren, sondern auch den Körper ihrer Eltern und Geschwister ganz anders wahr. Die eigenen Eltern oder Geschwister nackt zu sehen, ist plötzlich mindestens so unangenehm, wie selbst nackt gesehen zu werden.

Deshalb: Schließen Sie das Bad ab, wenn Sie es selbst benutzen und gestehen Sie diesen Schlüssel zum Glück auch Ihrem pubertierenden Kind zu.

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Weniger Freizügigkeit ist jetzt mehr

Wenn Sie und Ihr Partner sich Ihrem Kind gegenüber bisher sehr freizügig gezeigt haben, sollten Sie diese Offenherzigkeit jetzt auf jeden Fall ein wenig zurücknehmen. Natürlich können Sie weiterhin im Urlaub am Strand oben ohne baden, da Sie sich hier auf öffentlichem Terrain bewegen und mit Sicherheit nicht alleine auf die Idee kommen werden, nahtlos braun werden zu wollen. Achten Sie aber darauf, ob sich Ihr Kind an dem Strand und in Ihrer Oben-Ohne-Anwesenheit ebenfalls wohl fühlt. Wenn nicht, sollten Sie auf die derzeit empfindliche Phase Ihres Kindes Rücksicht nehmen – natürlich ohne dabei spöttische Bemerkungen über die in Ihren Augen vielleicht übertriebene Schamhaftigkeit zu machen. Und natürlich sollten Sie dann auch vielleicht einen anderen Bade-Strand auswählen, der nicht ganz so freizügig ausgelegt ist.

Ebenso sollten Sie vermeiden, stundenlang nackt durch die Wohnung laufen oder Ihr Kind Zeuge Ihrer sexuellen Aktivitäten werden zu lassen. Demzufolge gilt auch, dass eventuell vorhandene animierende Videos und stimulierende Spielzeuge unsichtbar verschwinden.

Pubertät hat ihren eigenen Rhythmus

Was für viele jetzt vielleicht provinziell klingen mag, ist für Heranwachsende jedoch wichtig. Sie müssen die Chance haben, ihren Körper, ihre Sexualität und ihr erforderliches Maß an Intimsphäre nicht nur nach und nach eigenständig zu entdecken und zu erforschen, sondern auch in Dosierungen, die sie vertragen und dementsprechend selbst vorgeben. Wenn Sie allerdings nackt um die Ecke geschossen kommen, oder Ihrem Kind einer Ihrer Softpornos in die Hände fällt, sind die erforderlichen Dosierungen leider nicht mehr ganz so gegeben, wie sie gegeben sein sollten.

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Das heißt nicht, dass Ihr Kind Sie fortan nie wieder nackt sehen darf, aber sofern möglich, sollte dieser Umstand vermieden werden. Laufen Sie ihm oder ihr morgens doch einmal auf dem Weg aus dem Bad nackt über den Weg, brauchen Sie natürlich nicht gleich in Panik auszubrechen, denn das kann durchaus mal passieren. Wünschen Sie Ihrem Kind wie immer einen guten Morgen oder kommentieren sie sorglos: „Das Bad ist frei, Du kannst rein!“ und verziehen Sie sich dann so normal, aber auch gleichzeitig so schnell wie möglich, um angekleidet wieder am Frühstückstisch zu erscheinen.

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Vermeiden Sie Poltergeister

Poltergeister in Bezug auf Intimsphäre sind für Pubertierende äußerst unangenehm. Dazu gehören Mütter, die die Badezimmertür mit den Worten aufreißen: „Soll ich Dir den Rücken waschen?“. Das sind natürlich dieselben Mütter, die beim Einkaufen ungefragt den Vorhang der Umkleidekabine aufreißen und es nicht abwarten können, bis ihr Kind von selbst aus der Kabine kommt, um zu sehen, wie gut oder schlecht die neue Hose, der neue Pullover, der neue Rock passt.

Zu den Polstergeistern gehören aber auch Väter, die ohne anzuklopfen, ins Kinder- oder vielleicht jetzt besser: Jugendzimmer stürmen, um nur mal eben “Hallo, ich bin wieder da“ zu verkünden. Aber die extremsten Polstergeister sind natürlich die jüngeren und älteren Geschwister, die von Intimsphäre noch nie etwas gehört zu haben scheinen. Auch hier sind Sie gefragt, um dafür zu sorgen, dass die Regeln, die Sie zur Wahrung der Privatsphäre aufgestellt haben, auch wirklich eingehalten werden.

Kuscheln & Co.

Jugendliche ziehen sich im Laufe der Pubertät oftmals gerade körperlich von ihren Eltern zurück. Kuscheln, Küssen und Co. sind plötzlich unangenehm, vor allem in der Öffentlichkeit.

Gerade Jungen wollen – vor allem nicht vor den eigenen Freunden – von Mama abgeknutscht werden, Mädchen oftmals nicht mehr gemeinsam mit ihrem Papa auf der Couch kuscheln. Respektieren Sie das reduzierte Maß an Zärtlichkeit, dass Ihnen Ihr Kind entgegenbringt als auch das reduzierte Maß an liebevollen Gesten, das Ihr Kind zulässt  – auch wenn es Ihnen noch so schwer fällt.

Vor allem: Gehen Sie von sich aus ein wenig auf Distanz, wenn Sie merken, dass Ihrem Kind Ihre Zärtlichkeiten unangenehm sind. In diesem Fall gilt es insbesondere für die Väter von Mädchen besondere Regeln zu beachten:

Ein Begrüßungskuss ist natürlich weiterhin erlaubt. Ob auf den Mund oder auf die Wange sollten Väter an der Reaktion ihrer Tochter ablesen. Auch wenn Ihr Kind Kummer hat und getröstet werden möchte, ist auch das weiterhin erlaubt und mit Sicherheit gern gesehen. Zumindest, wenn Töchterchen von sich aus kommt und sich in Papas Arme wirft, oder aber gegen die Umarmung nichts einzuwenden hat.

Doch Achtung, manchmal sind die Zeichen nicht so deutlich, da Töchter ihren Vater nicht unbedingt offensichtlich zurückweisen möchten. Also achten Sie auch auf feine Schwingungen. Und wenn Sie unsicher sind: Suchen Sie das Gespräche und reden Sie offen darüber.

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