Wir leben in einer schnellen und unruhigen Zeit. Schon morgens herrscht in vielen Familien Stress und Hektik, weil beide Elternteile pünktlich zur Arbeit müssen. Oder Kinder leiden still, weil es in ihrer Familie Trennungen gibt oder ein Geschwisterchen in die Familie gekommen ist. Diese oder andere Situationen erzeugen, dass sich Kinder immer wieder an neue Gegebenheiten gewöhnen müssen. Die Unruhe überträgt sich auf die Kinder. Das Ergebnis ist Orientierungslosigkeit und schlechte Laune. Umso wichtiger, wenn die Kinder feste Abläufe haben, auf die sie sich verlassen können und an denen sie sich festhalten können. Die Rituale helfen den Kindern – und den Erwachsenen – den Alltag zu meistern. Gerade in hektischen oder schlechten Zeiten sollten die Eltern daran denken: Kinder brauchen Rituale.

Rituale: Wiederkehrende Abläufe

Rituale sind jedoch nicht nur wichtig, wenn in den Familien besondere Situationen herrschen. Auch wenn alles in bester Ordnung ist, helfen sie Vertrautheit und Geborgenheit zu schaffen. Denn sie kehren immer wieder und schon ganz kleine Kinder erkennen die Wiederholung und können sich darauf verlassen. Der Alltag eines kleinen Kindes kann ganz schön aufregend sein.

Allein die Entwicklung der Kinder kann sie ziemlich durcheinanderbringen. Aber auch scheinbar harmlose Erlebnisse des Tages bringen ein Kind manchmal aus dem Gleichgewicht. Umso wichtiger ist es, wenn das Kind bald wieder seine gewohnten Abläufe hat, auf die es sich immer verlassen kann.

Rituale gibt es schon genauso lange, wie es die Menschen gibt. Diese wiederkehrenden Handlungen haben sich mit der Zeit nur verändert. Es gibt keine grundsätzlichen Abläufe, die jeder in seine Familie einbringen sollte. Vielmehr ist es wichtig, dass diese Abläufe auf das Familienleben angepasst werden.

Wissen Kinder schon im Voraus, wie das Zubettgehen aussehen wird, dann nehmen sie das mit einer viel größeren Selbstverständlichkeit an. Sie wissen, dass nach dem Zähneputzen die Gutenachtgeschichte folgt, und können sich auch darauf verlassen. Kinder brauchen Rituale, um zur Ruhe zu kommen. Außerdem nehmen sie die Ängste, die Kinder lernen Regeln und Grenzen und sie helfen ihnen dabei, sich zu konzentrieren.

Rituale: individuell festlegen

Die festen Abläufe, die es in einer Familie geben sollte, können ganz unterschiedlich sein und dürfen sich auch verändern. Sie können sich weiterentwicklen oder auch wegfallen. Sie müssen mit der Familie zusammen wachsen und dürfen nicht starr sein.

Ebenso dürfen sie nicht den Alltag der Familie vollständig bestimmen und weiterhin Raum für Freiheiten lassen. Auch Ausnahmen darf es geben. Zwei bis drei feste Handlungen reichen daher am Tag völlig aus. Dazu können die festen Abläufe zu bestimmten Feierlichkeiten, wie Geburtstag, Ostern oder Weihnachten kommen. Die Gutenachtgeschichte, die feste gemeinsame Mahlzeit, das Lied zum Aufstehen oder der Gang zum Spielplatz nach dem Kindergarten sind nur einige Beispiele von vielen Möglichkeiten.

Rituale: Erinnerungen fürs Leben

Wer sich heute als Erwachsener an bestimmte wiederkehrende Ereignisse aus seiner Kindheit erinnert, empfindet in den meisten Fällen ein warmes, gutes Gefühl. Vorausgesetzt, dass es sich um ein positives Erlebnis handelt, wie die Süßigkeiten, die es immer bei Oma gab oder der gemeinsame Ausflug am Sonntag mit der Familie. Kinder brauchen Rituale, die ihnen Spaß machen und nicht auferzwungen sind. Dann bleiben die Abläufe auch in guter Erinnerung – ein Leben lang.

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