Porös und karamellfarben, fleckige Schneide- und Backenzähne – sogenannte Kreidezähne – sind ein entwicklungsbedingter Zahnschmelzdefekt, der vor allem Kinder und Jugendliche betrifft. Beim Kontakt der Zähne mit heißen oder kalten Speisen, aber auch beim täglichen Zähneputzen ist die Schmerzempfindlichkeit deutlich erhöht. Im Zahnschmelz werden zu wenige Mineralien eingelagert ist und somit kann sich an der rauen Zahnoberfläche leichter ein Biofilm festsetzen. Dadurch sind die Zähne auch wesentlich anfälliger für die Kariesbildung.

Was sind eigentlich „Kreidezähne“?

Der Zahnschmelz muss täglich dem großen Druck bei der Zerkleinerung der Nahrung standhalten und somit handelt es sich hierbei um die härteste körpereigene Substanz. Der Schmelz umgibt den Zahn wie eine Hülle.

Wenn Kreidezähne bei Milchzähnen vorliegen, dann ist der Schmelz befallen und aufgeweicht, sozusagen brüchig wie Kreide. Der medizinische Fachbegriff lautet Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation – kurz MIH. Der Zahnschmelz enthält zu wenig härtendes Mineral Hydroxylapatit, dafür jedoch zu viel Protein und Wasser. Infolgedessen beginnt er sich zu verfärben und im schlimmsten Fall abzubrechen.

Des Weiteren haben Bakterien im Mundraum ein leichtes Spiel, denn durch den zu gering mineralisierten Schmelz der Backen- und Schneidezähne können sie leichter ins Zahninnere gelangen. Dort kommt es zu Entzündungsvorgängen, die für Schmerzen und eine Überempfindlichkeit auf äußere Reize sorgen.

Kreidezähne erkennen – wie fällt der Zahnschmelzdefekt auf?

In den vergangenen Jahren sind die Kreidezähne bei Kindern vor allem im Vorschul- sowie im Grundschulalter aufgetreten. Nach dem sechsten Geburtstag bekommen Kinder im Allgemeinen ihre bleibenden Zähne. Bei immer mehr Kindern kommt es jedoch in dieser Zeit zur Entstehung von Kreidezähnen: Der erste bleibende Backenzahn, der sogenannte Sechsjahrmolar sowie die ersten bleibenden Schneidezähne, die sogenannten Inzisiven, verfärben sich und werden porös.

Mittlerweile ist dieser Defekt aber nicht nur auf die Milchzähne beschränkt: Alle bleibenden Zähne können davon betroffen sein. Treten Milchzähne sogar bereits als Kreidezähne durch das Zahnfleisch, spricht der Zahnarzt von einer Milchmolaren-Hypomineralisation – kurz MMH.

  • Am Anfang machen sich Flecken auf den Zähnen bemerkbar: Diese sind creme-weißlich bis gelblich-braun.
  • Der Zahn bekommt zunehmend eine poröse und furchige Oberfläche.
  • Des Weiteren kann es sein, dass die Zahnhöcker – die Erhebungen der Backenzähne – fehlen.
  • Der Zahnschmelz beginnt bereits mit dem Durchbrechen neuer Zähnchen zu bröckeln.
  • All das führt zu einer gesteigerten Empfindlichkeit der Zähne, nicht nur beim Genuss heißer und kalter Gerichte, sondern auch im Rahmen der Zahnpflege.
  • Im schlimmsten Fall kann MIH dazu führen, dass die betroffenen Zähne bei der Anästhesie beim Zahnarzt nicht taub werden. Das liegt vor allem daran, dass die chronische Entzündung der Pulpa (Nervengewebe im Inneren des Zahns) eine Lokalbetäubung erschweren. In diesem Fall hemmen körpereigene Entzündungsmoleküle die chemische Wirkung der Betäubung.

Wann treten Kreidezähne im Allgemeinen auf?

Bereits in den Schwangerschaftsmonaten erfolgt das Anlegen der Zähne im kindlichen Kiefer. Für den späteren Zahnschmelz stellen die sogenannten Ameloblasten spezielle Proteine her: Diese sind die Basisstruktur für den Zahnschmelz. Diese Proteine heißen Amelotin und mineralisieren Salze zu Hydroxylapatit, ein Kalzium-Phosphatsalz mit einem hohen Härtegrad. Bis zum vierten Lebensjahr des Kindes ist der Zahnschmelzaufbau in der Regel vollständig beendet. Die Ameloblasten beenden daraufhin ihre Funktion und gehen verloren. Verlorener Zahnschmelz kann ab diesem Zeitpunkt also nicht mehr repariert oder erneuert werden.

Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation tritt nur selten bereits mit dem Milchgebiss auf, doch in sehr vereinzelten Fällen können auch Babys mit ihren ersten Zähnchen unter Kreidezähnen leiden. Unter der Zahnschmelz-Strukturstörung leiden häufig Kinder ab dem 6. Lebensjahr.

Wie häufig kommen Kreidezähne bei Kindern vor?

Die Experten der DGZMK, also der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde sagen: Kreidezähne können durchaus als neue Volkskrankheit gesehen werden. Sie kommen in bestimmte Altersgruppen sogar häufiger als Karies vor.

Die exakten Angaben zur Häufigkeit schwanken, doch im Schnitt leiden rund 10 – 15 % der Kinder unter Kreidezähnen. Das entspricht ungefähr jedem zehnten Kind.

Bei Jugendlichen über 12 Jahren sind es sogar 30 %.

(Quelle: https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Kreidezaehne-als-neue-Volkskrankheit-225812.html und: https://www.idz.institute/fileadmin/Content/Publikationen-PDF/Bd_35-Fuenfte_Deutsche_Mundgesundheitsstudie_DMS_V.pdf

Kreidezähne Ursachen – wie entsteht der Zahnschmelzdefekt überhaupt?

Die MIH-Fälle nehmen in den vergangenen Jahren immer mehr zu, doch die konkreten Ursachen sind noch nicht abschließend geklärt. Zahnexperten können noch nicht genau sagen, weshalb die Ameloblasten bei einigen Kindern nicht korrekt arbeiten. Auch Weichmacher stehen im Verdacht, die Entstehung von Kreidezähnen zu begünstigen. So konnten Tierversuche zeigen, dass der Weichmacher „Bisphenol A“ Schäden an den Zähnen verursachen kann. Diese Schäden ähneln sehr der Zahnschmelz-Strukturstörung beim Menschen. Auch herkömmliche Trinkflaschen aus Plastik setzen Weichmacher frei.

Experten diskutieren zudem noch andere Ursachen für die Entstehung von Kreidezähnen:

  • Verschiedene Erkrankungen der Mutter in den Schwangerschaftsmonaten
  • Bestimmte Krankheiten beim Kind bis zur Vollendung des 4. Lebensjahrs: hierzu gehören etwa Asthma-Bronchiale, oft auftretendes Fieber, Bronchitis oder auch Masern.
  • Komplikationen, die während der Geburt auftreten wie etwa Sauerstoffmangel beim Kind oder ein zu niedriges Geburtsgewicht des neugeborenen Babys
  • Vitamin-D-Mangelerscheinungen
  • Infektionserkrankungen
  • Häufige Einnahme von Arzneimittelpräparaten wie Antibiotika
  • Genetische Prädispositionen
  • Störungen des Phosphat-Kalzium-Haushalts, beispielsweise durch chronische Nierenkrankheiten
  • Windpocken
  • Dioxin- und Weichmacher-Einflüsse.

Kreidezähne bei Kindern vorbeugen: Welche Präventionsmaßnahmen können ergriffen werden?

Gründliches Zähneputzen und weniger Zucker sind effektive Selbstmaßnahmen gegen Karies. Doch was lässt sich gegen den Zahnschmelzdefekt tun?

Kreidezähne lassen sich nicht wirklich verhindern, dennoch können Eltern ihren Kindern viel helfen. Sobald die bleibenden Zähne beim Kind ausbrechen – im Allgemeinen um das 6. Lebensjahr herum – sollten Eltern vor allem die Schneide- und Backenzähne genau beobachten. Rauche und zerfurchte Zahnoberflächen begünstigen die Ablagerung von bakteriellen Belägen, die als Hauptursache für Kariesbildung gelten.

Sehr wirksam kann hier die Anwendung von Fluorid sein. Eine Zahnpasta mit Fluorid ist bereits sinnvoll, bevor die bleibenden Zähne kommen: Die Dosierung und die Fluorid-Konzentration in der Zahnpasta sollte immer dem Lebensalter angepasst werden.

  • Ist das Kind unter zwei Jahren, sollte nur eine reiskorngroße Menge an fluoridhaltiger Kinderzahnpasta verwendet werden.
  • Ab dem 2. Lebensjahr kann es eine erbsengroße Menge einer Kinderzahnpasta mit Fluorid sein.

Ab dem Kinder- oder Jugendlichen-Alter kann auch zwei Mal pro Tag eine fluoridhaltige Mundspüllösung zum Einsatz kommen.

  • Die richtige Ernährung spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Ein ausgewogenes und vollwertiges Essverhalten mit wenig Zucker und Süßwaren ist sehr zahnfreundlich. Ebenso sollte auf gesüßte Getränke und ständige Zwischenmahlzeiten verzichtet werden. Die idealen Durstlöscher, die den Zahnschmelz nicht angreifen, sind ungesüßte Tees und Wasser.
  • Die Sechsjahrmolaren, die ersten bleibenden Backenzähne, verstecken sich hinter den Milchzähnchen. Hier ist es nicht mehr ausreichend, das Gebiss normal zu putzen. Vielmehr muss sozusagen „quer geputzt“ werden: Die Zahnbürste muss also im rechten Winkel zur Zahnreihe gehalten und vor- sowie rückwärts bewegt werden. Querputzen können Kindern oft noch nicht alleine. Daher sollten Eltern Ihr Kind bis zum 9. Lebensjahr dabei auf jeden Fall liebevoll und geduldig unterstützen.
  • Kreidezähne reagieren meist überempfindlich auf äußere Reize wie Hitze, Kälte oder Berührungen. Hier können desensibilisierende Pasten zur Anwendung kommen: In diesen steckt Arginin beziehungsweise eine Verbindung aus Kalziumphosphat (ACP) sowie Casein-Phosphor-Peptid (CPP). Sprechen Sie darüber unbedingt auch mit dem behandelnden Zahnarzt.

Wie sieht die Behandlung bei Kreidezähnen aus?

Kreidezähne sind wesentlich kariesanfälliger und somit sind die Zähne unbedingt vor Zahnfäule zu schützen. Des Weiteren müssen die bleibenden Zähne stabilisiert werden, damit sie nicht mehr so temperaturreizempfindlich sind.

Je nachdem wie ausgeprägt die Zahnschmelz-Strukturstörung ist, kommen verschiedene Behandlungsmaßnahmen in Betracht:

  • Intensiv-Prophylaxe

Hier versucht der Zahnarzt die vom Schmelzdefekt betroffenen Zähne mit einer Intensivprophylaxe vor Zahnfäule (Karies) zu bewahren. Im Rahmen der Intensiv Prophylaxe wird ungefähr vier Mal jährlich ein Fluoridlack in einer hohen Konzentration auf die betroffenen Kreidezähne aufgetragen.

  • Versiegelungen

Diese Behandlungsmaßname wird in der Fachterminologie auch als „Sealing“ bezeichnet und kommt vor allem für mildere Kreidezahnausprägungen in Betracht. Kunststoffversiegelungen oder andere spezielle Abdeckungen können für Kreidezähne zur Anwendung kommen, die besonders schmerz- und reizempfindlich sind.

  • Kronen

Bei größeren Zahnschäden können Kronen aus Komposit oder Edelstahl zum Einsatz kommen. Sie schützen die betroffenen Zähne nachhaltig vor weiteren Schädigungen und senken maßgeblich die Schmerzempfindlichkeit.

  • Zahnfülllungen

Gesplitterter oder gar eingebrochener Zahnschmelz kann mithilfe von Füllungen, zum Beispiel aus dem Verbundkunststoff Komposit wiederhergestellt werden.

  • Chirurgische Behandlungsmaßnahmen

In sehr schweren Fällen kann es unter Umständen sein, dass der Zahn gezogen werden muss. Das kommt aber nur dann in Frage, wenn der Schmelz permanent wieder abbricht oder der Zahn im Allgemeinen übermäßig empfindlich ist.

In einigen Fällen kann das Ziehen des Zahns sinnvoll sein, doch das ist im individuellen Fall immer mit dem behandelnden Zahnarzt oder dem Kieferorthopäden abzusprechen. Bei einem fehlenden Zahn kann die Lücke unter Umständen mit kieferorthopädischen Methoden geschlossen werden.

Fazit – Kreidezähne sind ein immer häufigeres Zahnleiden bei Kindern

Kreidezähne kommen bei immer mehr Kindern und Jugendlichen vor. Sie sind nicht nur schmerzhaft, sondern bergen auch ein höheres Kariesrisiko. Im Vergleich zu Karies sind Kreidezähne aber leider nicht heilbar. Der Zahnschmelz bildet sich bereits im Mutterleib und formt sich anschließend bis zum vierten Lebensjahr aus. Selbstmaßnahmen wie eine gesunde, zuckerarme Ernährung, gründliches und richtiges Zähneputzen sowie regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt machen Kreidezähne aber sehr gut behandelbar.