Die Diagnose LRS sagt nichts über die Intelligenz Ihres Kindes aus, sondern kennzeichnet vielmehr ein Entwicklungsdefizit und wird in Folge dessen auch als Teilleistungsschwäche, kurz: TLS bezeichnet.

Zu den weiteren Teilleistungsschwächen zählen die Rechenschwäche, im therapeutischen Fachbereich “Dyskalkulie“ genannt, und das “Aufmerksamkeit-Defizitsyndrom“, kurz ADS, womit eine Konzentrationsschwäche beschrieben wird. Diese Konzentrationsschwäche kann mit und ohne Hyperaktivität des Kindes auftreten und wird der Einfachheit halber wie folgt beschrieben: Ohne eine erkennbare Hyperaktivität = ADS, in Verbindung mit Hyperaktivität = ADHS. Zu diesen beiden Teilleistungsschwächen lesen Sie jedoch bitte die gesonderten Artikel.

Lese-Rechtschreib-Schwäche: Symptome

Bei der Teilleistungsschwäche LRS ist die neuronale Fähigkeit des Kindes, Buchstaben verinnerlichend zu speichern, nicht oder nur unzureichend ausgeprägt.

Es gibt einige Fälle, in denen dieser Reifungsprozess automatisch aufgeholt wird, ohne dass dem nachgeholfen werden müsste. Eine Vielzahl von Kindern jedoch vollführt diesen Reifesprung nicht von alleine und bedarf entsprechend einer intensiven, spielerischen und vor allem maßgeschneiderten, also individuellen Förderung, einer so genannten “Lerntherapie“. Experten sind sich einig: Je früher die Therapie gestartet wird, desto höher sind ihre Erfolgschancen.

Jedes Kind macht bestimmte Fehler, wenn es anfängt, lesen und schreiben zu lernen. Den kognitiven Entwicklungsschritten entsprechend, reduzieren sich diese Fehler nach einiger Zeit bis sie vollständig aufgehoben werden und höchstens in Form von Flüchtigkeitsfehlern wieder auftauchen. Dieser Lernvorgang ist für jedes Kind typisch und vor allem vollständig normal.

Kinder mit LRS hingegen verbleiben sehr viel länger innerhalb dieser Entwicklungsstufen und machen nicht nur den gleichen Fehler immer und immer wieder, sie neigen auch dazu, ein und dasselbe Wort in immer wieder neuen Varianten falsch zu lesen oder zu schreiben. Die Fehler, die Kinder mit LRS machen, folgen entsprechend keiner festgelegten oder nachvollziehbaren Systematik.

Die Symptome einer LRS können sich schon sehr früh zeigen, beispielsweise beim Aufsagen des Alphabets, bei der Identifikation und Benennung von Buchstaben, oftmals auch in der Unfähigkeit, sich Reime zu merken und diese aufzusagen. Doch wer möchte zu diesem Zeitpunkt schon daran denken, dass sein Kind zukünftig eine Lese-Rechtschreib-Schwäche im Ranzen mit zur Schule schleppt. So werden die wirklichen Symptome einer LRS meistens erst in der Grundschule sichtbar, sobald die ersten Diktate in geübter oder ungeübter Form geschrieben werden.

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Der Vollständigkeit halber sei jedoch angemerkt, dass sich die Teilleistungsschwäche LRS aber auch erst dann zeigen kann, wenn die erste Fremdsprache auf den Stundenplan tritt. An die Möglichkeit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche sollten sie denken, wenn Ihr Kind zu mehreren der nachfolgenden Verhaltensweisen neigt:

  • Ihr Kind liest nur sehr ungern und unnatürlich langsam
  • Ihr Kind verliert beim Lesen oft die Zeile, die es gerade liest
  • Ihr Kind stockt oftmals beim Lesen und vor allem beim Vorlesen
  • Ihr Kind scheut sich generell davor, laut vorzulesen
  • Ihr Kind verdreht Wörter, lässt einige weg, fügt neue hinzu
  • Ihr Kind errät die einzelnen Wörter eher, statt sie wirklich zu lesen
  • Ihr Kind überliest mit schöner Regelmäßigkeit die Wort-Endungen
  • Ihr Kind macht in Diktaten eine Vielzahl von Fehlern
  • Selbst geübte Diktate bereichert ihr Kind mit immer neuen Wortschöpfungen

Lese-Rechtschreib-Schwäche: Diagnose

Um den Verdacht auf LRS zu bestätigen, müssen erst eine Reihe anderer Ursachen ausgeschlossen werden. Hierzu gehören in erster Linie mögliche organische Ursachen wie ein eingeschränktes Hör- oder Sehvermögen des Kindes, welches sowohl beim Augen- als auch beim HNO getestet werden muss. Ebenfalls für die Diagnose einer LRS ausgeschlossen werden sollte ein seelisches Ungleichgewicht des Kindes, für das es ebenfalls eine Vielzahl von Gründen geben kann.

Beispielsweise die Trennung der Eltern, häufige Streit- und Eskalationssituationen, die allgemeine Wohnsituation, Schwierigkeiten mit Freunden, zu hoher Erwartungs- und Erfolgsdruck, zu hoher Fernseh- oder Spielkonsolen-Konsum.  Denn auch das seelische Ungleichgewicht des Kindes kann für Leistungsdefizite in der Schule verantwortlich sein. Erst dann geht es zum Lese-Rechtschreib-Test zu einer vom Kulturministerium anerkannten Einrichtung.

Sie können diese prüfungsberechtigten Stellen bei Ihrem Einwohnermeldeamt oder im Bürger-Büro erfragen. Ergibt die Auswertung, dass Ihr Kind tatsächlich an LRS oder auch “nur“ an einer isolierten Lese- oder einer isolierten Rechtschreibschwäche leidet, erhalten Sie hier auch weiterführende Therapieangebote, die dann ebenfalls seitens der Stadtkasse übernommen werden.