Für viele Erwachsene ist das Auto das bequemste aller Fortbewegungsmittel. Befragt man hingegen Kinder, machen sich viele von ihnen aus dem Staub, sobald sie den Begriff “Auto fahren“ nur hören. Denn Kindern schlägt gerade diese Fortbewegung auf den Magen – ganz gleich, ob es sich dabei um die lange Ferienanreise oder nur die Fahrt zum nächsten Einkaufszentrum handelt. Bei der Reisekrankheit spielt ihnen die Verkettung von Gehirn, Auge und Bewegung einen Streich.

Reisekrankheit: Der Gleichgewichtssinn wird irritiert

Weil Kinder im Auto nur passiv mitfahren, sind sie oft von der so genannten Reisekrankheit betroffen. Diese beschreibt im Fall von Kindern eigentlich nicht mehr, als dass ihr Gleichgewichtssinn irritiert wird und durcheinander kommt. Um den Gleichgewichtssinn in Balance zu halten, müsste die Fortbewegung, die der Körper beim Autofahren spürt – beispielsweise gerade in Kurvenlagen – mit den Informationen, die das Auge erhält, konform gehen. Sprich: Kinder müssen sehen können, wohin sie sich – wenn auch passiv – fortbewegen. Doch meist sehen sie genau das nicht. Sei es, weil sie sich ein Bilderbuch anschauen, oder weil sie mit ihrem Lieblingsspielzeug beschäftigt sind.

In allen diesen Fällen fokussieren sich Kinder auf einen Punkt, der sich nicht bewegt. Und auch wenn sie nicht mit ihren Lieblingsspielsachen beschäftigt sind, konzentrieren sich Kinder gerne auf den Innenraum des Autos. Und genau dadurch kommt ihr Gleichgewichtssinn durcheinander. Denn die Orientierung im Raum wird normalerweise gebildet aus der Einheit von optischer Wahrnehmung dem Gleichgewichtssinn im Innenohr. Informationen, die normalerweise übereinstimmen, im Fall der passiven Fortbewegung jedoch nicht. Die sich widersprechenden Informationen aus Körpergefühl, die das Gleichgewichtsorgan liefert, und der visuellen Sinneseindrücke, die die Augen liefern, bringen das Gehirn so durcheinander. Das sorgt dafür, dass es einen Hilferuf absendet, auf den der Körper zumeist mit Schwindelgefühl und Übelkeit reagiert.

Warum viele Kinder von der Reisekrankheit betroffen sind

Kinder werden insbesondere deshalb so oft von der Reisekrankheit und von Übelkeit beim Autofahren geplagt, weil ihr Gehirn noch nicht vollständig ausgereift ist. Ihr Gehirn entwickelt permanent neuen Schaltstellen, deshalb machen die widersprüchlichen Eindrücke besonders den Kleinen zu schaffen. Aus diesem Grund leiden Teenager und auch Erwachsene wesentlich seltener unter Übelkeit bei der passiven Fortbewegung im Auto. Doch auch hier können die meisten das Phänomen der widersprüchlichen Informationsverarbeitung nachvollziehen, sofern sie schon einmal versucht haben, im fahrenden Auto ein Buch oder eine Zeitschrift zu lesen. Denn dabei wird auch den meisten Jugendlichen und Erwachsenen schlecht.

Die ersten Anzeichen einer Übelkeit durch die Reisekrankheit

Die ersten Anzeichen einer Übelkeit im fahrenden Auto zeigen sich in Gähnen, in Blässe und vor allem auch mit Schweißausbrüchen. Beim allerersten Anzeichen sollte der Fahrer des Wagens zum Wohl seiner Beifahrer oder Mitfahrer deshalb so schnell wie möglich anhalten. Der Halt wird den Gleichgewichtssinn wieder in einen Gleichklang bringen. Und das bedeutet: Frische Luft schnappen, um das Gehirn von den widersprüchlichen Informationen zu befreien und mit neuem Sauerstoff zu versorgen. Ein Kühlelement oder ein kalt-feuchter Waschlappen im Nacken beruhigen das Durcheinander im Körperinneren zusätzlich.

Die besten Tipps: Das hilft Kindern bei Reisekrankheit

Was spielen, was besser nicht?

Kinder die von der Reisekrankheit geplagt sind sollten vor allem dazu angeregt werden, während der Autofahrt aus dem Fenster zu sehen. Dazu eignen sich bei älteren Kindern Spiele, die sich die vorbeiziehende Landschaft oder die überholenden oder überholten Fahrzeuge zu nutze machen. So kann beispielsweise ein Wettbewerb eröffnet werden, wer die meisten blauen Autos, Eisdielen, Brücken oder Ähnliches während der Fahrt zählt. Auch kann versucht werden, aus den Kennzeichen der überholenden Fahrzeuge sinnvolle Wörter in der entsprechenden Reihenfolge der Buchstaben zu bilden. Bspw. kann aus dem Kennzeichen MK-XX-937 ein “Milchkännchen“ werden.

Wird kein Spiel gespielt, sollten die Kinder zumindest dazu aufgefordert werden, sich am Horizont zu orientieren. Dies fördert die Abstimmung von Gleichgewichts- und Augeninformationen und bringt sie in Einklang. Dementsprechend kontraproduktiv sind Bücher oder Zeitschriften, Computerspiele auf tragbaren Spielkonsolen. Aber auch klassisches Spielzeug oder Kuscheltiere die zwar beide mit auf die Reise dürfen, aber mit denen während der Fahrt nicht eingehend gespielt werden sollte. Es sei denn, ihnen wird vom Kind erklärt, was es während der Fahrt sieht. Denn die Konzentration auf Spielsachen jeglicher Art verstärkt nur die visuelle Verwirrung, bei der die Augen auf einem unbewegten Gegenstand ruhen, während der Gleichgewichtssinn die Fahrbewegungen des Wagens umso stärker wahrnimmt.

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Essen & Co.

Mit nüchternem Magen loszufahren ist genauso ungünstig wie die Fahrt mit vollem Magen anzutreten. Der goldene Mittelweg um der Reisekrankheit vorzubeugen ist ein leichter Imbiss, der ebenso leicht verdaulich ist. Dieser verhindert zu einem großen Teil schon den auf nüchternen oder zu vollen Magen auftretenden Brechreiz. Für den Notfall sollte jedoch immer eine verschließbare Spukschüssel im Auto – vorzugsweise in Nähe des fahrempfindlichen Wesens – vorhanden sein. Dies schont nicht nur die Sitze oder die Sitzbezüge, sondern verleiht dem Kind auch Sicherheit, falls oder bevor ihm übel wird. Ebenfalls immer mitreisen sollten Getränke.

Arzneimittel und Homöopathisches gegen Übelkeit und Reisekrankheit

Säfte, Pflaster, Zäpfchen

Bei längeren Fahrten empfiehlt es sich, auf unterstützende Mittel aus Medizin oder Homöopathie zurückzugreifen. So halten Apotheken für Kinder mit Reisekrankheit spezielle Pflaster, Zäpfchen*  oder Säfte bereit.

Kaugummis und Tabletten gegen Reiseübelkeit

Die Klassiker bei Übelkeit und Reisekrankheit sind jedoch Kaugummis*  oder Ingwer-Tabletten* 

Akupressurbändchen

als auch Akupressurbändchen. Diese Plastikbändchen werden am Unterarm des Kindes angelegt, wobei eine eingearbeitete Kugel auf den entsprechenden Akupressurpunkt des Unterarms drückt, der eine auftretende Übelkeit unterbinden soll. Wer sich ein wenig mit Akupressur auskennt, weiß zudem, dass auch die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger einen entsprechenden Punkt enthält, den Mama, Papa oder gegebenenfalls auch das Kind selbst drücken kann, um sicher über die Fahrt zu kommen. Ein unabhängiges Akupressur-Bändchen ist hier vielleicht jedoch die bessere Alternative.

Globuli

Last but not least hält auch die Homöopathie Globulis gegen Reiseübelkeit bereit.

Bewährt haben sich Cocculus D12 Globuli* , wenn der kleine Mitfahrer folgende Symptome zeigt:

  • starke Übelkeit und Brechreiz
  • Schwindel und Erschöpfung
  • Die Übelkeit bessert sich im Liegen und nimmt beim Hinsetzten wieder zu
  • Abneigung von Essen und Trinken

Frische Luft und Pausen

Wichtig ist, das verwirrte Gehirn mit ausreichend Sauerstoff und in Folge dessen mit ausreichend frischer Luft zu versorgen. Regelmäßiges Lüften ist dementsprechend im Auto Pflicht, da sich der Sauerstoff im Wageninneren schnell verbraucht bzw. das Kohlendioxid, das wir beim Ausatmen ausstoßen, vermehrt. Bei längeren Fahrten sollten Sie regelmäßige Pausen eingeplanen, in denen frische Luft geschnappt, sich bewegt und ein wenig gespielt wird. Das lenkt von der Übelkeit ab, bringt den Gleichgewichtssinn wieder in Einklang und macht fit für die nächste Reise-Etappe.

Gleichmäßiger Fahrstil

Mit Hinsicht auf den empfindlichen Orientierungs- oder Gleichgewichtsinn von Kindern sollten Sie versuchen, so gleichmäßig wie möglich zu fahren. Dies gilt insbesondere für Bremsmanöver, die so früh und so unauffällig wie möglich eingeleitet werden sollten (natürlich so lange dies zulässig und möglich ist) als auch für Kurven, die harmonisch, also nicht zu rasant genommen werden sollten. Denn Bremsmanöver und Kurvenlagen sind für den Gleichgewichtssinn am meisten spürbar – vor allem dann, wenn die Augen des Kindes die Fahrt nicht verfolgen. Auch hilft hier ein erhöhter Kindersitz, der es ermöglicht, während der Fahrt aus dem Fenster zu schauen und die Bewegungen des Autos zu verfolgen und die Fortbewegung anhand der vorbeiziehenden Landschaft zu erkennen.

Wir wünschen einstweilen weiterhin gute Fahrt!

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