Plaudertasche oder stiller Beobachter? Kein Kind gleicht dem anderen. Manch eines plappert den lieben langen Tag, ein anderes lauscht und lässt sich nicht aus der Reserve locken. Wenn der Nachwuchs dann endlich redet, spricht er gleich in Sätzen.

Wie das Laufen lernen erfolgt das Sprechen lernen recht individuell. Nachstehende Angaben zur Sprachentwicklung sind daher als Gerüst zu betrachten.

Sprachentwicklung: 12 bis 18 Monate:

Rund um den ersten Geburtstag ist es soweit. Das Kind sagt MAMA oder PAPA! Die stolzen Eltern sind begeistert, der Nachwuchs hat aber nichts anderes gemacht, als seine bisherigen Silbenketten (brrr, lalaaa, mamama) mehr oder weniger bewusst einzusetzen. Erst durch die glücklichen Gesichter der Erwachsenen werden ihm seine Leistung und der Zusammenhang klar.

Mit dieser Erkenntnis lernt er schnell, Worte aus dem sichtbaren Umfeld nimmt er in seinen Fundus auf. Einige Beispiele: Hund = wauwau, Kuh = muh, Schaf = mäh. Manche Bezeichnungen haben mehrere Bedeutungen, das ist völlig normal. Eine Differenzierung geschieht später, sobald das kleine Kind mehr Wörter kennt.

Zur Verständigung reicht der sogenannte „Ein-Wort-Satz“.

Sprachentwicklung: 18 bis 24 Monate:

Nun hat das Kind die Vorzüge der Sprache entdeckt. Es kann sich gezielt äußern und wird in der Regel von Mutter, Vater und Geschwistern auch verstanden. Wie ein Schwamm saugt es neue Wörter auf, der Wortschatz explodiert. Innerhalb von Wochen wächst das Vokabular auf etwa 150 bis 200 Wörter an. Damit lassen sich prima „Zwei-Wort-Sätze“ bilden; Dinge näher beschreiben. Zum Beispiel: guter Papa, liebe Mama, heißer Tee. Nutzt der Nachwuchs Adjektive und Verben, sind diese grammatikalisch ungebeugt.

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Im Ganzen spricht er noch sehr holprig; Außenstehende werden Wortkreationen wie Pakir = Paprika oder Rakor = Traktor kaum deuten. Hauptsache es funktioniert die Kommunikation innerhalb der Familie.

Zwischen 1½ und 2 Jahren verstehen kleine Kinder weit mehr als sie sprechen können. Damit sind sie fähig aktiv zu reagieren, auf Fragen zu antworten und kleine Aufträge auszuführen.

Sprachentwicklung: 24 bis 30 Monate:

Das Kind spricht über sich! „ ICH pullert, ICH slaft, ICH geesst! Und es versucht sprachliche Prinzipien anzuwenden. Adjektive werden gebeugt, was nicht auf Anhieb gelingt. Es gilt auch hier: Übung macht den Meister. Nur so entstehen Satzkonstruktionen mit mehr als zwei Wörtern. Wollen Kleinkinder etwas beschreiben und kennen das Wort noch nicht, machen sie aus der Not eine Tugend. Sie erfinden neue Wörter, wie „Zugebette“ = Zudecke.

Fragen sind ein fester Bestandteil ihrer Verständigung. „Das da?“, „Wo?“, „Was?“ als Beispiele kennen Eltern nur zu genau. Auch wenn das Fragewort zum 99. Mal ertönt, sollte man Geduld bewahren. Denn: „Wer nicht fragt, bleibt dumm!“

30 bis 36 Monate:

WARUM? Mit jener Frage setzt das zweite Fragealter ein. Während dieser Zeitspanne sammelt das Kleinkind beachtliche Informationen, die Wissen und Sprachschatz erheblich vermehren. Es kann sich, sofern es sich traut, in fremder Umgebung deutlich artikulieren. Seine Satzstellung ist meistens korrekt, Feinheiten wie die Steigerungsformen (z.B. groß, größer, am größten) machen noch Mühe. Hin und wieder verwendet das Kind schon Nebensätze.

Schrittweise baut es seine Schwierigkeiten mit Verbindungen von wie kr, tr oder pfl, sch, ch ab. Die dazu benötigte Zeitspanne weicht von Kind zu Kind ab, erstreckt sich unter Umständen bis in die Kindergartenzeit.

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