Auf einmal ist Opa ein Unbekannter: Dabei waren die beiden ein eingespieltes Team. Ihr Baby ist wie ausgewechselt, wenn es zu den Großeltern auf den Arm soll. Es macht sich steif, wendet seinen Kopf ab und bleibt an Ihnen „kleben“.
Kein Grund zur Sorge. Ihr Kind macht gerade eine wichtigen Entwicklungsschritt nach vorn. Fremdeln passiert zwischen dem achten und neunten Lebensmonat. Gerade deshalb ist dieses Verhalten im Kontext mit den anderen Reifeprozessen zu sehen.

Differenziertes Wahrnehmen

Fremdeln heißt Unterschiede zu erkennen. Ihr Kind kann jetzt nahe stehende Personen (beide Elternteile, Geschwister) von unbekannteren Gesichtern trennen.

Dazu ein kleiner Rückblick in die ersten Lebensmonate des Säuglings:

Ein kurzer Blick genügt; Mutter/ Vater und Kind verstehen sich ohne Worte. Nonverbale Kommunikation heißt das Zauberwort. Außenstehende, wie z. B. Verwandte oder Freunde, beherrschen diese „Sprache“ nicht. Missverständnisse sind quasi vorprogrammiert. Denn der Schlüssel zu den Botschaften fehlt – das Kind ist irritiert, reagiert aus seiner misslichen Lage mit eindeutiger Mimik und Gestik. Mutige Babys verziehen vielleicht nur die Mundwinkel, mustern scheu und skeptisch ihr Gegenüber. Die Ängstlichere brechen in Geschrei aus, verlangen engsten Körperkontakt. Generell hängt das Ausmaß des Fremdelns immer vom momentanen Befinden und dem kleinkindlichen Erfahrungsschatz ab.

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Fremdeln: Es ist nur eine Phase…

Ihr Baby ist wie ausgetauscht. Gestern noch Omas Sonnenschein, heute Klammeräffchen sondergleichen. Alles im grünen Bereich: Nach einem gewissen Zeitraum erledigt sich das Fremdeln von selbst. Bei einigen Kindern hält „der Zustand“ nur wenige Wochen an, andere brauchen etwas länger. Sehen Sie diese Phase positiv, etwa als „biologische Kindersicherung“.

Rund um den achten Monat beginnen Babys aktiv und mit ganzem Körpereinsatz (Krabbeln, erste Stehversuche usw.) ihre Welt zu entdecken. Die Zurückhaltung gegenüber Neuem und Unvertrautem setzt der Neugier kleiner Abenteuerer natürliche Grenzen. Es macht also Sinn, in der Nähe von Mama und Papa zu bleiben. „Vorsichtig zu sein lohnt sich, um die Zahl der Enttäuschungen und negativen Erfahrungen möglichst gering zu halten. Vor allem in einem Alter, in dem man dauernd neue Erfahrungen macht, der Radius immer größer und die Umwelt ‚gefährlicher‘ wird.“, sagt die Verhaltensbiologin Dr. Gabriele Haug-Schnabel. (1)
Ferner ist die Dimension des Fremdelns eine Frage der Art und Weise des Kontaktes. Erklären Sie dem Besuch, dass Ihr Kind zur Zeit empfindlicher reagiert. Das distanzierte Auftreten ist keinesfalls persönlich zu nehmen.

Tipps und Tricks für den Alltag

Kennen Sie Tante Röschen? Bestimmt. In jeder Familie gibt Vertreterinnen ihrer Art. Bekommen Sie den Nachwuchs zu Gesicht, sind sie ganz aus dem Häuschen. Ohne Vorwarnung wird das Baby geherzt, gedrückt, geküsst. Für fremdelnde Kinder sind solche Erwachsenen schwierig zu handeln. Werben Sie für Verständnis bei Tante Röschen. Sie kann sich eher zurücknehmen. Geschieht die Kommunikation behutsam und liebevoll, erntet sie unter Umständen sogar ein Lächeln. Das können Sie außerdem tun:

  • Locker bleiben und weiter Freunde treffen! Kinder kontaktfreudiger Mütter fremdeln weniger. Sie saugen quasi mit der Muttermilch das Credo solcher Treffen ein. Und sie merken, wie Mama entspannt ist, wenn formlos und freundlich miteinander ungegangen wird.
  • Bloß nicht bloßstellen! Oft ist in verzwickte Situationen ein Witz der Retter in der Not. Beim Fremdeln nicht. So jung Ihr Baby auch sein mag; es spürt deutlich wenn auf seine Kosten gelacht wird.
  • Alles hat seine Zeit! Fremdelnde Kinder finden wieder zu Opa & Oma. Meistens von ganz alleine. Zwang hilft hier nicht weiter.
  • Bei mit bist Du sicher! Nähe, kuscheln, trösten , damit kommen Sie gut durch mimosenhafte Zeiten. Ihr Baby merkt, dass – egal was passiert – es sich auf Sie verlassen kann.
  • Sich selbst den Spiegel vorhalten! Kinder haben von Anfang an Antennen für brenzlige Konstellationen. Ist Mama blockiert und unsicher, spürt das der Nachwuchs. Vieles mutet ungeheuerlich an. Begegnen Sie dem Leben aufgeschlossen und positiv.

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